Examensarbeit, 2008
120 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Lessing, Brecht und die Aufklärung
3. Das Drama vor Lessing
4. Die dramentheoretische Konzeption Lessings
4.1. Grundlagen und Mittel
4.1.1. Allgemeiner Überblick
4.1.2. Naturnachahmung (Mimesis)
4.1.3. Die drei Einheiten
4.1.4. Gemischte Charaktere
4.1.5. eleos und phobos
4.2. Ziele: Dramaturgie der Aufklärung?
5. Das Drama vor Brecht
6. Die dramentheoretische Konzeption Brechts
6.1. Grundlagen und Mittel
6.1.1. Allgemeiner Überblick: Tendenzen der Episierung und Verfremdung
6.1.2. Figur
6.1.3. Handlung
6.1.4. Perspektive
6.2. Ziele: Dramaturgie der Aufklärung?
7. Lessing und Brecht: : Zwei Dramenreformmodelle im Vergleich Grundlagen, Mittel und Ziele? Gesamtbetrachtung!
8. Resümee
Die Arbeit vergleicht die dramentheoretischen Konzepte von Gotthold Ephraim Lessing und Bertolt Brecht, um trotz der zeitlichen Distanz und formalen Differenzen gemeinsame grundlegende Intentionen aufzuzeigen. Im Zentrum steht die Untersuchung, inwiefern beide Theoretiker das Drama als ein Instrument der gesellschaftlichen Aufklärung und Erziehung verstehen.
Die drei Einheiten
Auch die Frage nach den Einheiten der Handlung, des Ortes und der Zeit, von Gottsched vehement gefordert und durchexerziert, steht in einem recht engen Verhältnis zur mimetischen Auffassung und zum Prinzip der Wahrscheinlichkeit. Würde man mit Dreßler die drei Einheiten einer übergeordneten Kategorie zuweisen, so wäre dies sicherlich die Kategorie der Handlung, denn es sind die Forderungen nach der Einheit eines Handlungs-Zeitraumes, eines Handlungs-Ortes und eben auch der Einheit der Handlung selbst. Dies scheint dann auch ganz im Sinne des allgegenwärtigen Aristoteles, da „[d]er wichtigste Teil [...] die Zusammenfügung der Geschehnisse [ist]. Denn die Tragödie ist nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlung und Lebenswirklichkeit.“
Die Lessingsche Position bestimmt sich hier in enormem Ausmaße aus der Opposition heraus. Die starre Regelpoetik Gottscheds, insbesondere auch in Bezug auf die drei Einheiten, war dabei auch in den früheren kritischen Schriften wie etwa den Beiträgen, dem Briefwechsel und den Literaturbriefen Thema und Ziel der Lessingschen Polemik. Seinen Höhepunkt fand dies im 17. Literaturbrief, in dem „>gottschedisch< zu einem Synonym für >kleinkariert< und >engstirnig<“ gemacht wurde. Gottsched war bemüht um ein säuberliches Auseinanderhalten der drei Einheiten. Alle sollten für sich einen theoretischen Hintergrund erhalten, der es ermöglichte sie unabhängig voneinander zu begründen. Der Gültigkeitsanspruch der Einheiten wird durch dieses Vorgehen jedoch universalisiert, die Regeln der Einheiten werden zum absoluten Gesetz der Tragödie. Mit den Worten Max Kommerells, die selber in Anlehnung an eine Lessingsche Aussage formuliert wurden, ist es nicht mehr der Geist des Gesetzes der herrscht, sondern nur noch der Buchstabe. Kommerell folgend kann man den drei Einheiten auch attestieren, dass sie „als Verdinglichung und Verfestigung des leidenschaftlichen Suchens nach einer verläßlichen Theorie der Tragödie im Gedächtnis haften geblieben“ sind, und dass der ihnen zugewiesen Rang „in der populären Vorstellung von den theoretischen Kämpfen um die Tragödie“ nicht ihrer eigentlichen Bedeutung entspricht, sprich diese übersteigt.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Vergleich von Lessing und Brecht als bedeutende Dramentheoretiker ein und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Lessing, Brecht und die Aufklärung: Dieses Kapitel verortet das Schaffen beider Autoren im Kontext der Aufklärung und beleuchtet deren Relevanz für das Verständnis von Dialektik und Emanzipation.
3. Das Drama vor Lessing: Es wird ein Überblick über die Gottschedsche Poetik und den französischen Klassizismus als Polemikziel Lessings gegeben.
4. Die dramentheoretische Konzeption Lessings: Das Kapitel detailliert Lessings Ansatz zur Fabel, zur Naturnachahmung, den Einheiten sowie zur Rolle von Mitleid und Furcht.
5. Das Drama vor Brecht: Hier werden Strömungen wie der Naturalismus und Expressionismus als direkte Vorläufer für die theoretische Entwicklung Brechts dargestellt.
6. Die dramentheoretische Konzeption Brechts: Der Hauptteil zu Brecht analysiert die Prinzipien der Episierung, Verfremdung und die neue Funktion der Figur und Handlung.
7. Lessing und Brecht: Zwei Dramenreformmodelle im Vergleich Grundlagen, Mittel und Ziele? Gesamtbetrachtung!: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und stellt Gemeinsamkeiten in der Wirkungsabsicht beider Autoren gegenüber.
8. Resümee: Die Arbeit fasst ihre Kernthesen zusammen und betont das verbindende Element der erzieherischen und aufklärerischen Funktion des Theaters bei beiden Dramatikern.
Gotthold Ephraim Lessing, Bertolt Brecht, Aufklärung, Dramentheorie, Episches Theater, Verfremdungseffekt, Mitleid, Furcht, Katharsis, Aristoteles, Johann Christoph Gottsched, Historisierung, Mimesis, Dialektik, Theaterpädagogik.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Dramas bei Gotthold Ephraim Lessing und Bertolt Brecht, um aufzuzeigen, wie beide Autoren das Theater zur Aufklärung und Erziehung des Publikums nutzten.
Die Themen umfassen die dramentheoretische Konzeption der Aufklärung, die Rolle der Fabel und der Charaktere, das Prinzip der Mimesis bei Lessing sowie die Episierung und Verfremdung bei Brecht.
Ziel ist es, jenseits der offensichtlichen formalen Unterschiede eine vergleichende Analyse beider Reformmodelle vorzunehmen, um deren gemeinsame Absicht einer aufklärerischen Wirkung zu verdeutlichen.
Die Untersuchung folgt einer kritisch-dialektischen Methodik, die die theoretischen Äußerungen beider Autoren in einen systematischen Zusammenhang bringt, ohne sie künstlich zu harmonisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der jeweiligen Dramentheorie, wobei Grundlagen, Mittel und Ziele für beide Autoren jeweils separat analysiert werden.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Verfremdungseffekt, Aufklärung, Katharsis, Mitleid, dialektisches Theater, Fabelkonstruktion und gesellschaftliche Wirkung.
Gottscheds strenge Regelpoetik diente Lessing als zentraler Referenzpunkt für seine Polemik; Lessing entwickelte seine Konzeption maßgeblich in der Abgrenzung zu Gottscheds starrem Regelverständnis.
Brecht wendet sich nicht generell gegen Gefühle, lehnt aber unkontrollierte, subjektive Emotionen ab, die den kritischen Blick des Zuschauers auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge verstellen könnten.
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