Examensarbeit, 2008
94 Seiten, Note: 1,0
Vorbemerkung
Vorwort
Kapitel 1
Einführung
1.1 Zur Bedeutung des Themas
1.2 Fragestellung
1.3 Zum aktuellen Forschungsstand
1.4 Vorgehensweise
Kapitel 2
Kinderarmut in Deutschland
2.1 Armut in Deutschland- Zahlen und Fakten im Überblick
2.2 Verschiedene Definitionen und Sichtweisen zum Begriff „Armut“
2.3 Das „Pentagon der Armut“ als Erklärungsmodell zur Entstehung von Armut und sozialer Benachteiligung
2.4 Dimensionen und Auswirkungen von Armut
2.4.1 Wohnverhältnisse
2.4.1.1 Exkurs: Straßenkinder in Deutschland
2.4.2 Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten außerhalb der Schule
2.4.3 Psychische und physische Gesundheit
2.4.4 Familie und soziale Netzwerke
2.4.5 Materielle Versorgung und Konsum
2.4.6 Delinquenz und normabweichendes Verhalten
Kapitel 3
Armut und soziale Benachteiligung an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen
3.1 Zum Zusammenhang von Lernbehinderung und Armut sowie sozialer Benachteiligung
3.2 Zur Wahrnehmung von Armut und sozialer Benachteiligung aus Sicht von Lehrern der Förderschule Lernen
Kapitel 4
Wahrnehmung und Bewältigung von Armut
4.1 Wie Kinder in Deutschland Armut erleben und beurteilen
4.2 Vulnerabilität und Resilienz
4.3 Professionelle Hilfsangebote und Beratungsstellen
4.4 Bewältigungsstrategien
Kapitel 5
Empirische Untersuchung durch Fragebogen zur Fragestellung „Wie empfinden Schülerinnen und Schüler der Förderschule Lernen Armut und soziale Benachteiligung?“
5.1 Hypothesen
5.2 Wahl der Untersuchungsmethode- Möglichkeiten und Grenzen der empirischen Untersuchung durch Fragebogen
5.3 Fragebogendesign
5.4 Untersuchungsgruppe- soziodemographische Daten
5.5 Darstellung der Ergebnisse
Konsumverhalten
5.6 Interpretation der Ergebnisse im Bezug auf die Hypothesen
5.7 Erklärungsansätze für das Antwortverhalten der befragten Förderschüler
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, wie Schülerinnen und Schüler der Förderschule Lernen in Deutschland Armut und soziale Benachteiligung empfinden. Dabei wird insbesondere hinterfragt, wie diese Schüler mit prekären Lebenslagen umgehen, welche Auswirkungen dies auf ihre Lebensumstände hat und wie sich diese zeigen, um auf Basis der empirischen Daten neue Förderkonzepte zu entwickeln.
2.4.1 Wohnverhältnisse
Hierzu zählen zunächst einmal Größe und Lage der Wohnung. Hier ist von Bedeutung, ob die Wohnung ausreichend Platz bietet, damit sich alle Familienmitglieder frei entfalten können. Jedes Familienmitglied sollte im Idealfall einen eigenen Schlafplatz, eine Rückzugsmöglichkeit und einen Platz zur Erledigung der von ihm geforderten Arbeiten haben (z.B. Hausaufgaben). Die Lage der Wohnung bezieht sich im Wesentlichen auf die Infrastruktur und das Klima des Wohnortes. So ist es gerade für Familien, die sich kein eigenes Auto leisten können, von Bedeutung, dass im Wohnort alle Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft werden können und wichtige Einrichtungen wie Schule, Kindergarten und Ärzte unmittelbar vor Ort sind oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Der Zustand und die Ausstattung der Wohnung ist ebenfalls von zentraler Bedeutung, da die Wohnung über einen Strom und Wasseranschluss sowie eine Heizung und zweckmäßiges Mobiliar verfügen sollte, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen nicht zu gefährden.
Viele von Armut betroffene Kinder wachsen jedoch in beengten und allgemein unzureichenden Wohnverhältnissen auf. Obwohl sich die Wohnraumsituation bei Förderschülern laut Klein seit 1969 bis zum Jahr 1997 verbessert hatte (vgl. Klein 2001, S.53f.), leben insbesondere Familien mit Migrationshintergrund immer noch auf engstem Raum miteinander. Ein weiteres Problem stellt zudem auch die Instandhaltung und Hygiene in den Wohnungen dar. Viele Eltern sind mit der Erziehung und der Haushaltsführung überfordert und fühlen sich von den finanziellen Problemen erdrückt. Das Geld für notwendige Reparatur- oder Renovierungsarbeiten fehlt häufig. So berichten viele Fachleute nach Hausbesuchen von teilweise katastrophalen Zuständen in den Wohnungen der Betroffenen.
Kapitel 1: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Kinderarmut für die Sonderpädagogik ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die methodische Vorgehensweise.
Kapitel 2: Dieses Kapitel behandelt die Definitionen, Ausmaße und Dimensionen von Kinderarmut in Deutschland sowie verschiedene Erklärungsmodelle wie das „Pentagon der Armut“.
Kapitel 3: Hier wird der Zusammenhang zwischen Lernbehinderung und Armut beleuchtet und die Wahrnehmung durch Förderschullehrer untersucht.
Kapitel 4: Dieses Kapitel widmet sich der kindlichen Wahrnehmung und Bewältigung von Armut sowie Konzepten der Resilienz und Vulnerabilität.
Kapitel 5: Dies ist der empirische Teil, der das Vorgehen und die Ergebnisse einer Befragung von 307 Förderschülern zum Thema Armutsempfinden darstellt und interpretiert.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Aufgaben der Sonderpädagogik im Umgang mit betroffenen Schülern.
Kinderarmut, Förderschule Lernen, soziale Benachteiligung, empirische Untersuchung, Bewältigungsstrategien, Resilienz, Vulnerabilität, subjektive Wahrnehmung, sonderpädagogische Förderung, Lebenslagenkonzept, Statussymbole, Problemfamilien, Bildungsferne, Deprivation, Peer-Group.
Die Arbeit untersucht, wie Schülerinnen und Schüler an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Deutschland ihre eigene Lebenssituation, insbesondere im Hinblick auf Armut und soziale Benachteiligung, wahrnehmen und bewältigen.
Die zentralen Themenfelder sind die Definition von Armut, die Auswirkungen von Armut auf Kinder, die Wahrnehmung von Armut durch Lehrkräfte und Schüler sowie die Bewältigungsmechanismen von Kindern in schwierigen Lebenslagen.
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage „Wie empfinden Schülerinnen und Schüler der Förderschule Lernen Armut und soziale Benachteiligung?“ zu beantworten, um auf Basis dieser subjektiven Einschätzungen neue Ansätze für die sonderpädagogische Förderung zu entwickeln.
Die Autorin wählte eine quantitative empirische Untersuchungsmethode in Form eines standardisierten Selbsteinschätzungsfragebogens, der an 307 Förderschülern an 11 verschiedenen Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde.
Im Hauptteil werden neben theoretischen Grundlagen zu Armutsbegriffen und der Lebenslage von Kindern auch Ergebnisse aus der Resilienzforschung sowie die Ergebnisse der eigenen empirischen Erhebung, wie das Konsumverhalten und die Freizeitgestaltung, ausführlich analysiert und diskutiert.
Wichtige Schlüsselwörter sind Kinderarmut, Förderschule Lernen, soziale Benachteiligung, Resilienz, Bewältigungsstrategien und subjektive Wahrnehmung.
Überraschend war, dass die befragten Schüler sich mehrheitlich selbst nicht als arm oder sozial benachteiligt empfanden und ihr Konsumverhalten sowie ihre Freizeitgestaltung – im Gegensatz zu den Erwartungen der Fachliteratur und der Lehrkräfte – als weitgehend normal und nicht stark eingeschränkt bewerteten.
Die Autorin diskutiert verschiedene Erklärungsansätze für dieses von den Erwartungen abweichende Antwortverhalten, darunter das Prinzip der sozialen Erwünschtheit aufgrund von Schamgefühlen, Stigmatisierung, Tabuisierung in der Familie oder eine veränderte Wahrnehmung, bei der Armut als Normalzustand im eigenen Umfeld nicht mehr bewusst als solche reflektiert wird.
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