Bachelorarbeit, 2011
34 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Topos-Didaktik als lebensweltorientierter Unterricht
2.1 Lebenswelt in der Phänomenologie
2.2 Topoi als alltägliche Erfahrungen
2.3 Lebenswelt in der schulischen Pädagogik
2.3.1 Topos-Didaktik in der Musikpädagogik
2.3.2 Lebenswelt und Symboldidaktik in der Religionspädagogik
2.3.3 Die Rolle des Lehrers
3 Der Topos „Sehnsucht“ im interdisziplinären Unterricht
3.1 Das Zusammenspiel von Musik und Religion im Unterricht
3.2 Aspekte der Sehnsucht
3.2.1 Begriffliche Annäherung
3.2.2 Sehnsucht im Alltag
3.2.3 Sehnsucht in der Theologie
3.3 Sehnsucht – Beispiele für die Unterrichtsgestaltung in der Sek I
3.3.1 Religiöse Sehnsucht
3.3.2 Sehnsucht als musikalischer Ausdruck
4 Unterrichtskonzept für einen Unterrichtstag in der Sek I
4.1 Vorüberlegungen
4.2 Unterrichtseinstiege aus dem Alltag
4.2.1 So soll es bleiben (Ich und Ich)
4.2.2 Spiegel Nerhegeb (aus: Harry Potter)
4.3 Sehnsucht in Religion und Musik
4.3.1 Sehnsucht (Sachs)
4.3.2 Psalmen
4.3.3 Wie lieblich sind deine Wohnungen (J. Brahms)
4.3.4 Seligpreisungen
4.3.5 Liebster Jesu, mein Verlangen (J. S. Bach)
4.4 Abschluss
4.4.1 Zusammenfassung
4.4.2 As The Deer
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit entwickelt ein interdisziplinäres Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe I, das den Begriff der „Sehnsucht“ als zentralen „Topos“ nutzt, um eine Brücke zwischen der Lebenswelt der Jugendlichen und religiös-musikalischer Bildung zu schlagen. Ziel ist es, durch die Verknüpfung von Alltagserfahrungen, biblischen Texten und musikalischer Analyse ein tiefgründiges Verständnis für existenzielle Fragen und spirituelle Dimensionen zu fördern.
3.2.1 Begriffliche Annäherung
Der Begriff „Sehnsucht“ meint im Mittelhochdeutschen ein „schmachtendes verlangen“ oder die „krankheit des schmerzlichen verlangens“. Etwas später wird „Sehnsucht“ als „ein hoher grad eines heftigen und oft schmerzlichen verlangens nach etwas, besonders wenn man keine hoffnung hat das verlangte zu erlangen, oder wenn die erlangung ungewisz, noch entfernt ist“ beschrieben.83
Während Kant Sehnsucht als „der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und Erwerben des Begehrten vernichten zu können“ allgemein definiert, bezieht sich bei Schiller die Sehnsucht konkret auf die Natur: „eine S. nach ihrer Glückseligkeit, eine S. nach ihrer Vollkommenheit“. Dieses Unerreichbare ist bei Goethe Bedingung der Sehnsucht: „die wahre S. [darf] nur auf ein Unerreichbares gerichtet sein“.
Das Gefühl der Sehnsucht beschreibt Wilhelm als „bittersüß“.85 Die Bittersüße kann aber zunehmend an Süße verlieren: „Wächst die Sehnsucht, fühlt das Selbst sich im Innersten bis zum Zerreißen gespannt.“86 Die Gegenwart wird als unvollkommen erlebt und ein mitunter früher erlebter optimaler Zustand imaginiert. Daher sind die Emotionen hinter der Sehnsucht ambivalent: „In der Sehnsucht vereinen sich positive Gefühle in Form der erstrebenswerten Objekte und Zustände und negative Gefühle, weil das Ersehnte nicht realisierbar ist oder als nicht realisierbar erscheint. Beides erzeugt die typische 'bittere Süße'“.87 Sehnsucht entsteht „selbsttätig“, sie „treibt einen aus sich heraus und über sich hinaus. Sehnsucht setzt Menschen in Bewegung.“ Ihre Intensität bezieht sie „aus der Spannung und der Spannweite zwischen dem Sehnenden und dem Ersehnten“.
1 Einleitung: Vorstellung des Ansatzes, Sehnsucht als lebensweltorientierten Topos für den interdisziplinären Musik- und Religionsunterricht zu nutzen.
2 Topos-Didaktik als lebensweltorientierter Unterricht: Theoretische Herleitung des Lebenswelt-Konzepts aus der Phänomenologie und Übertragung auf die pädagogische Praxis in Musik und Religion.
3 Der Topos „Sehnsucht“ im interdisziplinären Unterricht: Analyse der Sehnsucht aus philosophischer, psychologischer und theologischer Sicht sowie deren Bedeutung für die Unterrichtsgestaltung.
4 Unterrichtskonzept für einen Unterrichtstag in der Sek I: Detaillierte Planung für einen Schultag, der Alltag, Literatur, Musik und Religion in einem handlungsorientierten Konzept verbindet.
5 Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Topos-Didaktik und die Notwendigkeit methodischer Vielfalt für einen authentischen Unterricht.
Sehnsucht, Lebenswelt, Topos-Didaktik, Musikpädagogik, Religionspädagogik, Interdisziplinarität, Phänomenologie, Spiritualität, Musik, Religion, Unterrichtskonzept, Sekundarstufe I, Symboldidaktik, existentielle Erfahrung, Transzendenz.
Die Arbeit entwickelt ein didaktisches Konzept, das den Begriff der „Sehnsucht“ als verbindendes Element nutzt, um Musik und Religion im Unterricht der Sekundarstufe I interdisziplinär zu verknüpfen.
Die Schwerpunkte liegen auf der phänomenologischen Lebenswelt-Theorie, der Interpretation von Sehnsucht als menschliche Grunderfahrung und der praktischen Anwendung in Form von Unterrichtsbeispielen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch lebensweltnahe „Topoi“ ein tieferer Zugang zu religiösen und musikalischen Inhalten geschaffen werden kann, um SchülerInnen in ihrer Identitätsbildung zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer phänomenologischen Perspektive, die Erkenntnisse aus der Musik- und Religionspädagogik integriert, um ein handlungsorientiertes, lebensweltorientiertes Unterrichtsmodell zu begründen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Topos-Didaktik, eine Analyse des Topos Sehnsucht und ein konkretes Unterrichtskonzept, das biblische Texte und Musikwerke zur Erschließung nutzt.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Lebensweltorientierung, Interdisziplinarität, Sehnsucht, Musik- und Religionspädagogik sowie handlungsorientiertes Lernen.
Das Gedicht von Nelly Sachs dient als Brücke, da es sowohl die alltägliche Sehnsucht der Menschen thematisiert als auch einen Übergang zur religiösen Suche nach Gott ermöglicht.
Bachkantaten dienen als Beispiel für barocke Musik, deren Symbolreichtum es ermöglicht, affektive Zustände wie Sehnsucht und Verlangen im Unterricht anschaulich zu machen.
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