Masterarbeit, 2020
104 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Forschungsgegenstand
3. Theoretische Fundierung
3.1. Diskurs
3.2. Textkorpus
3.3. Diskursanalyse
3.4. DIMEAN-Modell
3.4.1. Intratextuelle Ebene
3.4.2. Transtextuelle Ebene
3.4.3. Akteure
3.5. Argumente und Argumentationsanalyse
3.6. Exkurs: Politische Kommunikation
4. Korpusbeschreibung
5. Diskursverlauf
6. Analyse der Argumentationsstruktur im öffentlichen politischen Diskurs
6.1. Forschungshypothesen
6.2. Fachsprachlicher Anteil als Mittel der Wissenskonstruktion
6.3. Die außergewöhnliche Krisensituation als Argumentationsgrundlage
6.4. Fachsprachliche Entlehnungen zur Legitimation der Maßnahmen
6.5. Bezug auf wissenschaftliche Instanzen als Valuationstopos
6.6. Solidarität als Schlagwort zur Konstruktion von Verbindlichkeit
6.7. Undefinierte Ziele als Finaltopos sichern die Macht im Diskurs
6.8. Lob- und Motivation als Fähigkeitstopoi
7. Exkurs: Diskurskritik und Gegenargumentation
8. Zusammenfassung
9. Reflexion
10. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die sprachliche Konstruktion von Wissen im öffentlichen politischen Diskurs über das Corona-Virus in Deutschland. Ziel ist es, mithilfe des DIMEAN-Modells aufzuzeigen, wie politische Akteure durch den Einsatz spezifischer Argumentationsmuster, Fachsprache und rhetorischer Topoi Krisensituationen deuten, Maßnahmen legitimieren und dabei Deutungshoheit im Diskurs beanspruchen.
6.2. FACHSPRACHLICHER ANTEIL ALS MITTEL DER WISSENSKONSTRUKTION
Der Diskurs weist einen ausgeprägten fachsprachlichen Anteil auf, mit dem Wissen über die Lage der Pandemie konstruiert wird.
Es finden zahlreiche wissenschaftliche Termini Einzug in den öffentlichen politischen Diskurs, da als Konsequenz aus dem engen Bezug zur wissenschaftlich Expertise der fachsprachliche Anteil des Diskurses sehr ausgeprägt ist. Mit zunehmendem Verlauf der Pandemie gelangen immer mehr Lexeme in die Alltagssprache, welche zum Teil auf hochwissenschaftliche Phänome zurückgehen oder komplexe Datenmengen abbilden. Inwiefern deren Verwendung tatsächlich angemessen und zielführend ist, lässt sich in Einzelfällen mitunter schwer beurteilen, grundsätzlich ist deren Häufigkeit aber erstmal bemerkenswert. Transtextuell besonders verbreitet sind hier vor allem die Lexeme „R-Wert“, mitunter auch „R0-Wert“ (26), „R-Faktor“ (4-3) oder „Reproduktionsfaktor“ (z.B. 4, 9:30), „Verdoppelungsrate“ (16, 18:40), „lineares“ bzw. „exponentielles Wachstum“ (4, 0:20), „Zahl der Neuinfektionen“ (10, 1:16; 16, 18:50), „Infektionsketten“ (4, 9:00), sowie einige Bezeichnungen für medizinische Gerätschaften und Verfahren wie z.B. „Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit“ (6, 3:35). Es wären auch zahlreiche weitere Beispiele wie Debatten über das Abflachen von Infektionskurven (z.B. in 21), die Typklassen von Atemschutzmasken u.v.m. zu nennen.
Als ein Grund für das gehäufte Auftreten dieser fachsprachlichen Lexeme kann der persuasive Grundzug politischer Kommunikation angenommen werden. Wie Klein (2009: 2114) beschreibt, zielen persuasive Gesprächstaktiken darauf ab, „Adressaten zu überzeugen und Vertrauen in die Richtigkeit des Gesagten, aber auch in den Emittenten zu schaffen“. Eine vermehrte Verwendung fachsprachlicher Lexeme impliziert Fachkenntnis und schafft das angesprochene Vertrauen, welches essentiell notwendig für die Durchsetzung der verhängten Maßnahmen ist. Insofern aktivieren die Emittenten mit der Verwendung dieser Lexeme den Topos einer wissenschaftlichen Aussage, wodurch die Rezipienten Fakten und inhaltliche Richtigkeit annehmen und dem Gesagten gegenüber womöglich weniger kritisch eingestellt sind. Diese Argumentationstechnik lässt sich exemplarisch am Beispiel des „Corona“-Lexems und seinen Alternativen veranschaulichen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die linguistische Relevanz des öffentlichen politischen Diskurses während der Corona-Pandemie 2020 ein und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2. Forschungsgegenstand: In diesem Kapitel wird die Einzigartigkeit der untersuchten Thematik im Kontext gesellschaftlicher Umbruchsituationen dargelegt und die Rechtfertigung für die Wahl der linguistischen Diskursanalyse begründet.
3. Theoretische Fundierung: Dieser theoretische Rahmen definiert die zentralen Begriffe Diskurs, Textkorpus und Diskursanalyse und erläutert das methodische Vorgehen basierend auf dem DIMEAN-Modell von Jürgen Spitzmüller.
4. Korpusbeschreibung: Das Kapitel erläutert die Auswahl und Struktur des Korpus, das 37 Diskursbeiträge aus unterschiedlichen Zeitphasen und Akteursgruppen umfasst.
5. Diskursverlauf: Hier wird die zeitliche Entwicklung des Diskurses von den ersten Spekulationen bis hin zur etablierten Debatte über Lockerungsmaßnahmen und Normalität nachgezeichnet.
6. Analyse der Argumentationsstruktur im öffentlichen politischen Diskurs: Das Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung der Topoi, der Nutzung fachsprachlicher Mittel sowie der Rolle von Experteninstanzen und Schlagworten in der politischen Argumentation.
7. Exkurs: Diskurskritik und Gegenargumentation: Dieser Abschnitt analysiert das Aufkommen von Gegenpositionen aus Opposition, Medien und Rezipienten und beleuchtet die Dynamik der kritischen Auseinandersetzung mit Regierungsentscheidungen.
8. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Ergebnisse der Analyse hinsichtlich der persuasiven Macht der politischen Sprache und ihrer Strategien zur Wissenskonstruktion.
9. Reflexion: Der Autor reflektiert das Forschungsdesign, die methodischen Herausforderungen bei der Literaturrecherche unter Pandemiebedingungen sowie die Anwendbarkeit des DIMEAN-Modells auf den konkreten Korpus.
10. Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel würdigt die erreichten Ergebnisse und skizziert Anknüpfungspunkte für weiterführende Forschung in der diskurslinguistischen Analyse politischer Krisenkommunikation.
Corona-Virus, Pandemie, Diskursanalyse, DIMEAN-Modell, Politische Kommunikation, Argumentationsstruktur, Wissenskonstruktion, Solidarität, Fachsprache, Topoi, Legitimationsdebatte, Krisenkommunikation, Politische Rhetorik, Neue Normalität, Expertenwissen
Die Arbeit analysiert, wie in der deutschen Politik während der Corona-Pandemie Wissen konstruiert und durch den Einsatz bestimmter sprachlicher Mittel politisch legitimiert wurde.
Im Zentrum stehen die Legitimationsstrategien der Politik, der Einsatz wissenschaftlicher Fachsprache zur Autoritätsstärkung sowie die semantische Aufladung von Begriffen wie Solidarität und Normalität.
Das Ziel ist eine deskriptive Analyse, um aufzuzeigen, wie transtextuell Wissen durch Argumentationsmuster in der öffentlichen politischen Kommunikation erzeugt wird.
Die Arbeit nutzt das diskurslinguistische DIMEAN-Modell von Jürgen Spitzmüller, ergänzt um Josef Kleins Topos-Schema zur Argumentationsanalyse.
Der Hauptteil analysiert, wie Politiker Fachtermini verwenden, wissenschaftliche Experten als Autoritäten instrumentalisieren und Krisenbegriffe wie "neue Normalität" definieren, um Akzeptanz für Maßnahmen zu generieren.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Diskursanalyse, DIMEAN-Modell, Politische Kommunikation, Argumentationsstruktur, Wissenskonstruktion und Legitimationsdebatte.
Während Politiker die Fachsprache zur Legitimierung exekutiven Handelns nutzen, setzen Rezipienten diese Termini häufiger ein, um staatliche Prognosen ironisch zu hinterfragen oder kritische Gegenpositionen auf der Meta-Ebene zu formulieren.
Das RKI fungiert als zentrale, wissenschaftliche Instanz, deren fachliche Autorität von der Politik genutzt wird, um Maßnahmen eine wissenschaftliche Grundlage zu verleihen, wobei dies oft über undefinierte Oberbegriffe wie "die Wissenschaft" geschieht.
Er dient als flexibles Schlagwort, um temporäre Einschränkungen als gegeben zu markieren, gleichzeitig Sicherheit zu suggerieren und eine Verselbstständigung der kritischen Exit-Debatte zu verhindern.
Der Autor stuft das Forschungsdesign als praktikabel ein, weist jedoch auf die durch die Pandemie bedingten Einschränkungen bei der Literaturrecherche und die methodische Komplexität des umfassenden DIMEAN-Modells hin.
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