Magisterarbeit, 2007
82 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Kurzer historischer Abriss des Krieges 1991-1995
3. Krieg und Literatur am Beispiel der Sowjetliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg
3.1 Zur Situation der Literatur in Kroatien von 1990-2000
3.2 Vergleich mit der Sowjetliteratur
4. Der Roman Ovce od gipsa von Jurica Pavičić
4.1 Figurenzeichnung
4.2 Das Kriegsbild
4.2.1 Figurenkonzeption: Darstellung ausgewählter Kriegscharaktere
4.2.2 Erzählverfahren: die Perspektive von der Front und die Auswirkungen auf das zivile Leben
4.2.3 Handlungsführung: Inversion, das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung tritt ein
5. Kurze Einführung zur Gattung Tagebuch
6. Das Tagebuch Kratki izlet – zapisi iz domovinskog rata von Ratko Cvetnić
6.1 Das Kriegsbild
6.1.1 Die kulturelle Ebene: Religion und Medien
6.1.2 Die politische Ebene: Internationale und nationale Politik
6.1.3 Die militärische Ebene: die kroatische Armee
6.1.4 Die persönliche Ebene: Zivilbevölkerung und der Abschied
7. Die Kurzgeschichten von Ivan Aralica
7.1 Sokak triju ruža
7.2 Most i mostovi
7.3 Parabole o Škabrnji
8. Fazit
Diese Arbeit analysiert drei ausgewählte Werke der kroatischen Gegenwartsprosa, um das darin vermittelte Kriegsbild und die verwendeten literarischen Mittel im Kontext des Heimatkrieges (1991–1995) zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen.
Die Darstellung von Kriegsgräuel erfolgt durch Krešo am Ende des Romans als Slave Mila umbringen will.
Hier berichtet er vom gesehenen Grauen des Krieges, indem er gedanklich aufzählt, was er alles im Krieg sah: Gedärme, die über den Boden schleiften, abgetrennte Gliedmassen, durchlöcherte Körper, sein eigenes zertrümmertes Bein.
Im Werk gibt es ein Kapitel, das Ovce od gipsa heißt. Es handelt sich um die Schilderung eines Traums, den Krešo immer wieder träumt. Es ist die deutlichste Darstellung des Krieges in diesem Werk. Er träumt von der Einkehr in ein zerstörtes Dorf. Es ist eine nüchterne dichte Darstellung des Anblicks. Die Schilderung scheint durch Krešos Perspektive zu erfolgen, sie könnte aber auch auktorial sein.
Protivnik se iz sela izvukao dan ili dva prije, ostavljajući za sobom mnoštvo mina i nezamisliv nered. Malih, plošnih pašteta bilo je svuda: pod školskim parketom, u vodokotlićima, na ulazu u očuvanije kuće, u travi i oko bunara. Posvuda je bilo vojničkog smeća: slupanih čuturica, čahura puščanog kalibra, upotrijebljenih zavoja i novina istrganih u jednake komade upotrebljive za klozet papir. Selo je bilo spaljeno, i to, činilo se, ne tako davno: grede su se još crnjele, a zrakom se osjećao oštar vonj zgarišta. I leševa: naokolo je bilo trupala koliko hoćeš. U crkvenom dvorištu nalazio se golemi civilni bager pogođen nekakvim protutenkovskim oružjem, napola sparušen i crn, a napola kričavo žut. I u njemu je bilo tijelo: nekog trbušastog civila poluokretnutog prema crkvi. Tijela su bila posuta mrvljenim vapnom da ne smrde odviše. Smrdjelo je zato vapno i grizalo nosice.
1. Einleitung: Die Verfasserin stellt das Ziel der Arbeit dar, das bisher kaum literaturwissenschaftlich untersuchte Kriegsbild in drei ausgewählten Werken der kroatischen Gegenwartsprosa zu analysieren.
2. Kurzer historischer Abriss des Krieges 1991-1995: Ein Überblick über die politischen Umbrüche und den Zerfall Jugoslawiens, um den historischen Hintergrund für die literarischen Analysen zu liefern.
3. Krieg und Literatur am Beispiel der Sowjetliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg: Diese Untersuchung dient als Vergleichsgrundlage, da die Sowjetliteratur den Kampf im eigenen Land thematisierte, was Parallelen zum kroatischen Heimatkrieg aufweist.
4. Der Roman Ovce od gipsa von Jurica Pavičić: Das Kapitel analysiert den realistischen Roman Pavičićs und dessen kriegskritische sowie gesellschaftskritische Funktion durch komplexe Figurenkonzeptionen.
5. Kurze Einführung zur Gattung Tagebuch: Ein theoretischer Exkurs über die Gattung Tagebuch als Medium der Selbstreflexion und der Aufzeichnung von Kriegserfahrungen.
6. Das Tagebuch Kratki izlet – zapisi iz domovinskog rata von Ratko Cvetnić: Untersuchung des Tagebuchs, das den Krieg aus der Perspektive eines Frontsoldaten und intellektuellen Beobachters differenziert darstellt.
7. Die Kurzgeschichten von Ivan Aralica: Eine Analyse von Aralicas Kurzgeschichten, die als publizistische Texte eine euphorische, nationalistische Sichtweise des Krieges einnehmen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der analysierten Werke, wobei die Unterschiede zwischen der kriegskritischen Haltung von Pavičić und Cvetnić und der nationalistischen Sichtweise von Aralica hervorgehoben werden.
Kroatien, Heimatkrieg, Kriegsprosa, Kriegsbild, Literaturwissenschaft, Realismus, Kriegstagebuch, Kurzgeschichten, Identität, Nationalismus, Zivilbevölkerung, Soldaten, Korruption, Schuld, Aufarbeitung
Die Arbeit untersucht das in drei kroatischen Werken der Gegenwartsprosa dargestellte Kriegsbild des sogenannten Heimatkrieges (1991–1995).
Im Zentrum stehen die literarischen Mittel der Kriegsdarstellung, der Vergleich mit anderen Kriegsliteraturtraditionen sowie die gesellschaftliche Funktion dieser Texte.
Das Ziel ist eine literaturwissenschaftliche Untersuchung bisher kaum analysierter Werke im Hinblick darauf, wie der Krieg in den Texten verarbeitet und bewertet wird.
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Gattungen (Roman, Tagebuch, Kurzgeschichte) anhand ihrer spezifischen Erzählverfahren und Figurengestaltung betrachtet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei ausgewählten Autoren Pavičić, Cvetnić und Aralica, deren Texte hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Perspektiven auf den Krieg untersucht werden.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Kroatien, Heimatkrieg, Kriegsprosa, Kriegsbild, Nationalismus, Identität und Aufarbeitung aus.
Der Vergleich dient dazu, die Besonderheiten der kroatischen Kriegsprosa herauszuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf den "Kampf im eigenen Land" und die staatliche Instrumentalisierung der Literatur.
Aralica wurde gewählt, weil seine Texte eine euphorische, publizistisch-nationalistische Sicht auf den Krieg bieten, die einen bewussten Gegenpol zu den kriegskritischen Ansätzen der anderen beiden Autoren bildet.
Das Tagebuch zeichnet sich durch seine subjektive, oft ironische und intellektuell reflektierte Perspektive eines Soldaten aus, der zunehmend an seinen eigenen Idealen und der Realität des Krieges verzweifelt.
Pavičićs Roman wird als kriegskritisches und sozialkritisches Werk gewertet, das den Krieg nicht als reinigende Kraft, sondern als Ursache für Leid und moralischen Zerfall innerhalb der zivilen Gesellschaft darstellt.
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