Diplomarbeit, 2007
72 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Religionssoziologische Grundlagen
2.1. Was ist Religion?
2.1.1. Der Begriff „Religion“
2.1. 2. Religion als soziale Konstruktion
2.2. Die Säkularisierung
2.2.1. Säkularisierung: Der historische Kontext
2.2.2. Säkularisierung im soziologischen Kontext
2.2.3. Nachhaltigkeit und Unumkehrbarkeit
2.3. Die Individualisierung des Glaubens
2.3.1. Perspektiven für das 21. Jahrhundert
2.3.2. Individualisierung und Privatisierung des Glaubens
2.4. Der Wandel von religiöser Ausübungsformen
2.4.1. Wertewandel
2.4.1.1. Der Begriff „Wert“
2.4.1.2. Materialismus versus Postmaterialismus
2.4.1.3. Das Konzept der Wertsynthese
2.4.2. Der Einfluss des Wertewandels auf Religion und Glaube
2.5. Glaube im 21. Jahrhundert
2.5.1. Die Zahl der Kirchenmitglieder
2.5.2. Verbreitung von Glaube und Interesse an religiösen Handlungen
3.Organisationstheoretische Grundlagen
3.1. Organisationen in der modernen Welt
3.1.1. Zur Definition von Organisationen
3.1.2 Abgrenzung zur Institution
3.1.3. Gesichtspunkte zur Analyse von Organisationen
3.1.3.1 Ziele
3.1.3.2. Mitglieder
3.1.3.3. Formale Struktur
3.2. Das Modell der Ressourcenzusammenlegung
3.2.1. Grundlegende Gedanken
3.2.2. Investition von Ressourcen
3.2.3. Initiierungs- und Beteiligungsprobleme
3.2.4. Entscheidungsprobleme
3.2.5.Verteilungsprobleme
3.2.6. Korporationserträge als Kollektivgüter
3.2.7. Wertrationalität und „bounded rationality“
3.3. Kirchen als Interessenorganisationen?
3.3.1. Differenzierung des Begriffes Kirche
3.3.2. Kirche als Interessenorganisation
3.3.3. Die Struktur der Evangelischen Kirche in Deutschland
3.3.3.1. Ein kurzer Abriss über die Entwicklung der Struktur
3.3.3.2. Die Organe der EKD
3.3.3.3. Kirchen als besondere Organisationen
3.3.4. Zur Situation der EKD
3.3.4.1. Die demographische Entwicklung
3.3.4.2. Die Personalsituation
4. „Kirche der Freiheit“: Das Impulspapier der EKD
4.1. Leuchtfeuer als Orientierungspunkte
4.2. Die Zusammenfassung der Leuchtfeuer
4.2.1. Aufbruch in den kirchlichen Kernangeboten
4.2.2. Aufbruch bei allen kirchlich Mitarbeitenden
4.2.3. Aufbruch beim kirchlichen Handeln in der Welt
4.2.4. Aufbruch bei der kirchlichen Selbstorganisation
5. Kirche der Freiheit? Eine Auseinandersetzung mit dem Impulspapier
5.1. Rückbesinnung auf das eigene Profil
5.1.1. Was ist evangelisch?
5.1.2. Themen setzen
5.1.3. Das Profil in konkreter Arbeit schärfen
5.1.4. Geistliche Heimat bieten?
5.2. Die Heterogenität der Mitglieder
5.2.1. Kirche als Bekenntnisgemeinschaft
5.2.1.1. Enthomogenisierung der Mitglieder
5.2.1.2. Die Rolle der Pfarrerinnen und Pfarrer
5.2.1.3. Neue Wege in der Verkündigung?
5.2.2. Kirche als Organisation
5.2.2.1. Das Verhältnis von Organisation und Kirche
5.2.2.2. Die Möglichkeiten von Strukturreformen
5.2.2.3. Praktische Grenzen der Möglichkeiten
5.2.2.4. Planungsdilemma und Professionalisierungsfalle
5.2.2.5. Probleme, Menschen wieder an die Kirche heranzuführen
5.3. Reformen in der EKD – Frühere Versuche
5.4. Der Einfluss der Bürokratie auf Reformen
5.5. Der Trend zur Eventisierung
6. Fazit
Die Arbeit analysiert die Ziele der EKD, wie sie im Impulspapier „Kirche der Freiheit“ sowie auf dem Zukunftskongress 2007 formuliert wurden, und untersucht, welche organisationssoziologischen Probleme deren Verwirklichung entgegenstehen. Im Zentrum steht die These, dass die spezifische demokratische Struktur der evangelischen Landeskirchen, in Kombination mit dem Prinzip „Kirche von unten“, die Umsetzung strategischer Reformen erschweren oder verhindern kann, sobald Autonomie und Einzelinteressen berührt werden.
3.1.1. Zur Definition von Organisationen
Etzioni grenzt Organisationen von anderen sozialen Einheiten als solche ab, die gebildet wurden, um spezifische Ziele zu erreichen. Organisationen sind dabei für ihn durch drei Merkmale charakterisiert. Organisationen sind gegliedert nach einer bewusst geplanten Arbeitsteilung und somit nach Machtteilung und Verantwortungsdelegation. Es ist mindestens ein Machtzentrum zur Kontrolle der Organisation vorhanden, welches die geleistete Arbeit überprüft und gegebenenfalls den Arbeitsablauf verbessert. Weiterhin sind Arbeitskräfte substituierbar.76 Für Türk sind Organisationen neuere soziale Gebilde, die erst im Zuge der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts entstanden sind und als Vergesellschaftungsform durch ebenfalls drei Kriterien gekennzeichnet werden können: Prinzipiell ist für ihn die Möglichkeit des Ein- und Austritts der Mitglieder freiwillig. Strukturen und Prozesse innerhalb der Organisation können je nach Situation, in der sich die Organisation befindet, frei gestaltet werden. Prinzipiell gibt es außerdem eine freie Zwecksetzung, welche die Organisation auf eine funktionale Spezifizität ausrichtet.77
Allerdings ist Türks erstes Kriterium in Bezug auf „totale Organisationen“ zu hinterfragen. Weiterhin stellt sich auch in Hinblick auf Kirche als Organisation die Frage des freiwilligen Ein- und Austritts. In den evangelischen Kirchen ist das Eintrittskriterium die vollzogene Taufe. „Die Taufe ist das Sakrament der Initiation. Sie markiert Anfang, Grund und Grenzen des Christseins.“78 Allerdings ist hierbei immer noch die Kindstaufe allgemein üblich, bei der die Erziehungsberechtigten, in der Regel also die Eltern des Kindes, als deren Vertreter über Eintritt in eine Kirche entscheiden. Die Taufe wird auch in der evangelischen Theologie als ein einmaliger und somit nicht wiederholbarer und endgültiger Akt angesehen.79 Müller-Jentsch definiert Organisation als „das planmäßig koordinierte und zielorientierte Zusammenwirken von Menschen zur Erstellung eines gemeinsamen materiellen oder immateriellen Produkts.“80 Er weist daraufhin, dass Organisationen „keine sachlich fassbaren Gegenstände“ sind, sondern vielmehr „aus einem unsichtbaren Netz aufeinander bezogener Handlungen“ bestehen. Zwar besitzen Organisationen lokalisierbare Zentren und Büros, doch gebildet werden sie erst von Menschen.81 Er folgt damit Luhmann, der davon ausgeht, dass Organisationen nur aus der Kommunikation von Entscheidungen bestehen.
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage der EKD sowie der Forschungsfrage zur Umsetzbarkeit der Ziele aus dem Impulspapier „Kirche der Freiheit“ unter Berücksichtigung organisationssoziologischer Aspekte.
2. Religionssoziologische Grundlagen: Theoretische Herleitung des Wertewandels und der Individualisierungsprozesse, die den Kontext für das aktuelle Verhältnis zwischen Individuen und Kirche bilden.
3. Organisationstheoretische Grundlagen: Erläuterung zentraler organisationssoziologischer Konzepte, wie das Modell der Ressourcenzusammenlegung, um die EKD als korporativen Akteur und Interessenorganisation theoretisch einzuordnen.
4. „Kirche der Freiheit“: Das Impulspapier der EKD: Zusammenfassung der vom Rat der EKD formulierten „Leuchtfeuer“, welche als qualitative und quantitative Ziele für das Jahr 2030 dienen.
5. Kirche der Freiheit? Eine Auseinandersetzung mit dem Impulspapier: Kritische Analyse der Reformvorschläge des Impulspapiers, insbesondere hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit angesichts der Heterogenität der Mitglieder und der spezifischen Struktur der Landeskirchen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Herausforderungen, vor denen die EKD bei der Verbindung von geistlichem Anspruch und notwendiger organisatorischer Erneuerung steht.
7. Anhang: Bereitstellung ergänzender Daten, Statistiken und historischer Anmerkungen zur Entwicklung der Kirchenmitglieder und Bekenntnisse.
8. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Monographien, Artikel und Internetquellen.
EKD, Kirche der Freiheit, Religionssoziologie, Organisationssoziologie, Säkularisierung, Individualisierung, Wertewandel, Landeskirchen, Kirchenmitgliedschaft, Reformprozess, Korporativer Akteur, Interessenorganisation, Strukturreform, Kirchensteuer, Ehrenamt.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der strategischen Reformziele der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wie sie im Impulspapier „Kirche der Freiheit“ festgelegt wurden.
Die Themenfelder umfassen die religionssoziologischen Rahmenbedingungen der Säkularisierung und Individualisierung sowie die organisationstheoretische Untersuchung der EKD als Interessenorganisation.
Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern die spezifische demokratische Struktur der EKD und ihrer Landeskirchen die Umsetzung der im Impulspapier formulierten Strategien erschweren oder verhindern könnte.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Ansatz, basierend auf religionssoziologischen Grundlagen und organisationstheoretischen Modellen, insbesondere zur Analyse korporativer Akteure.
Im Hauptteil werden das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ sowie die damit verbundenen organisatorischen Reformmöglichkeiten und die daraus resultierenden praktischen Probleme und Widerstände innerhalb der EKD analysiert.
Zentrale Schlüsselwörter sind EKD, Säkularisierung, Individualisierung, Organisationssoziologie, Strukturreform, Interessenorganisation und der Wertewandel.
Es dient dazu, die Kirche nicht nur als Glaubensgemeinschaft, sondern als Organisation zu verstehen, in die Mitglieder Ressourcen (wie Kirchensteuer, Zeit) einbringen, um kollektive Güter und Leistungen zu erhalten.
Die unterschiedlichen Motive und Bindungstypen der Mitglieder (hoch verbundene Aktive vs. distanzierte Passive) erschweren einheitliche Reformmaßnahmen, da diese bei einer Gruppe Zuspruch finden und bei einer anderen zu Entfremdung führen können.
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