Examensarbeit, 2006
98 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
I. Einleitung
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
2. Anmerkungen zum Forschungsstand und zur verwendeten Literatur
3. Annäherung an den Begriff ‚Identität’. ‚Identität’ in der abendländischen Philosophie
II. Theorien zur ‚Personalen Identität’
1. Der Identitätsbegriff in der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der psychoanalytischen Ich-Psychologie Erik H. Eriksons
2. ‚Symbolischer Interaktionismus’ – George Herbert Mead, Irving Goffman und Lothar Krappmann
3. ‚Patchworkidentitäten’ – Der Ansatz Heiner Keupps
III. Theorien zur ‚Kollektiven Identität’
1. Allgemeines
2. ‚Kollektive Identität’ als heuristisches Modell in der Psychologie, Interaktionsforschung und Kultursoziologie – Jürgen Straub und Alois Hahn
3. Bernhard Giesens Konzept
4. Der Begriff ‚Kollektive Identität’ zwischen ‚Plastikwort’ und heuristischer Terminologie
IV. Aspekte der identitätsstiftenden Wirkung der jüdischen Religion
V. ‚Identität’ und jüdische Geschichtswissenschaft
VI. Perspektivenkatalog zur Quellenanalyse
1. Allgemeines
2. Die mediale Perspektive
2.1. Die Narrativität der Identitätskonstruktionen
2.2. Der Appellcharakter der Identitätskonstruktionen
3. Interaktive Zuschreibungsmechanismen
3.1. Die ‚abgrenzende Zuschreibung’
3.2. Die ‚apologetische Zuschreibung’
3.3. Die ‚kompilatorische Zuschreibung’
4. Arten des Umgangs mit Brüchen und Auflösungserscheinungen
4.1. Die Haltung gegenüber veränderten Lebensumständen
4.2. Die Konstruktion über bestimmte Anknüpfungspunkte
VII. Analyse der Quellen
1. Einführung in die Quellen
2. Analyse
2.1. Die mediale Perspektive
2.1.1. Die Narrativität der Identitätskonstruktionen
2.1.2. Der Appellcharakter der Identitätskonstruktionen
2.2. Interaktive Zuschreibungsmechanismen kollektiver Identität
2.2.1. Abgrenzende Zuschreibung
2.2.2. Apologetische Zuschreibung
2.2.3. Kompilatorische Zuschreibung
2.3. Arten des Umgangs mit Brüchen und Auflösungserscheinungen
2.3.1. Die Haltung gegenüber veränderten Lebensumständen
2.3.2. Die Konstruktion über Anknüpfungspunkte
VIII. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen jüdisch-ungarischer Identitätskonstruktionen im 19. Jahrhundert
1. Herkunft, Einwanderung, Bevölkerungsentwicklung und Zusammensetzung des ungarischen Judentums
2. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen jüdisch-ungarischer Identitätskonstruktionen von der Reformzeit bis zur Jahrhundertwende
3. Der Beginn des politischen Antisemitismus in Ungarn
4. Die Ausdifferenzierung des ungarischen Judentums
IX. Systematisierung und Typologie der Ergebnisse
1. Einleitung
2. Adressatenkreise und Textarten
3. Typen des Identitätsangebots und der Identitätskonstruktion
4. Mythen
4.1. Zu den Begriffen ‚Mythos’ und ‚Mythologie’
4.2. ‚Mythen’ und ‚Mythologisierung’ als Mittel der Identitätskonstruktion
5. Das Symbol als Ausdruck der Identität
5.1. Der Begriff ‚Symbol’
5.2. Die Wehrhaftigkeit als Symbol ungarisch-jüdischer Identität
6. Utopien
6.1. Der Begriff ‚Utopie’
6.2. Utopien als Mittel der Identitätskonstruktion
X. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung
XI. Ausblick
XII. Literatur
Die Arbeit untersucht historiographische Schriften aus Ungarn zwischen 1848 und 1900, um zu analysieren, wie jüdische Autoren Identität narrativ konstruierten und welche Identitätsmuster sie ihren jüdischen sowie nicht-jüdischen Lesern vermittelten. Dabei wird erforscht, welchen Einflüssen diese Identitätskonstruktionen unterlagen und welche Bedeutung die ungarische Geschichte und Politik für diese Identitätsbildung hatte.
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
Die vorliegende Arbeit geht von der Hypothese aus, dass personale und kollektive Identitäten Konstruktionen sind. Ihre Quellen sind historiographische Schriften, die zwischen 1848 und 1900 in Ungarn erschienen sind und sich mit ungarisch-jüdischer Geschichte beschäftigen. Die Arbeit fragt danach, wie Autoren jüdische Identität und jüdische Geschichte narrativ konstruierten und sie nach außen in ihren Schriften vertraten. Welche Identitätsmuster gaben sie ihren jüdischen Lesern an die Hand? Welche ‚Identitätspolitik’ verfolgten sie nicht-jüdischen Lesern gegenüber? Ferner beleuchtet die Analyse die innerjüdischen Einflüsse, denen Identitätskonstruktionen unterlagen. Auch die Rahmenbedingungen der Identitätskonstruktionen zwischen 1848 und 1900 werden in die Analyse mit einbezogen. Eignen sich Texte der Geschichtsschreibung ähnlich gut für eine Untersuchung über Identitäten wie autobiographische Schriften, Briefe, Interviews und Texte mit politischem Inhalt, die meist dafür herangezogen werden?
Zunächst werden Identitätstheorien aus der Philosophie, Psychoanalyse, Sozialpsychologie und Soziologie kritisch aufgearbeitet. Dabei hat die Arbeit sowohl Theorien zur ‚Personalen Identität’ als auch zur ‚Kollektiven Identität’ im Blick, da die Forschungen zur ‚Kollektiven Identität’ fast ausnahmslos auf denen zur ‚Personalen Identität’ fußen, das eine ohne das andere auch kaum verständlich ist. Diese Herangehensweise entspricht zudem dem Charakter der Quellen. Denn die Autoren sind Einzelpersonen, die selbst die Herausforderung der Konstruktion personaler Identität meistern mussten, und sie sind gleichzeitig Multiplikatoren dieser Identitätsmuster. Die nächsten beiden Abschnitte beschäftigen sich mit der identitätsstiftenden Wirkung der jüdischen Religion und der Verbindung der Identitätsfrage mit dem Entstehen der jüdischen Geschichtsschreibung
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage und die theoretischen Grundlagen der Untersuchung zur Konstruktion jüdischer Identität in Ungarn vor.
II. Theorien zur ‚Personalen Identität’: Das Kapitel arbeitet psychologische und soziologische Identitätstheorien auf, um das Verständnis individueller Identitätsarbeit zu schärfen.
III. Theorien zur ‚Kollektiven Identität’: Hier werden Modelle der Gruppenidentität diskutiert, um die Möglichkeiten und Grenzen kollektiver Identitätsstiftung zu beleuchten.
IV. Aspekte der identitätsstiftenden Wirkung der jüdischen Religion: Das Kapitel analysiert, wie die Religion als identitätsstiftendes Element in verschiedenen Epochen fungierte.
V. ‚Identität’ und jüdische Geschichtswissenschaft: Es wird untersucht, welche Rolle die Geschichtsschreibung bei der Neudefinition jüdischer Identität im 19. Jahrhundert spielte.
VI. Perspektivenkatalog zur Quellenanalyse: Hier wird das methodische Instrumentarium für die anschließende Quellenanalyse entwickelt und strukturiert.
VII. Analyse der Quellen: Dieser Teil führt in die historiographischen Texte ein und wendet den zuvor entwickelten Perspektivenkatalog auf die Quellen an.
VIII. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen jüdisch-ungarischer Identitätskonstruktionen im 19. Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet die sozio-politischen Faktoren, die Identitätskonstruktionen der ungarischen Juden prägten.
IX. Systematisierung und Typologie der Ergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden hier systematisiert, typologisiert und in einen interpretativen Rahmen gesetzt.
X. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Konstruktionsweisen ungarisch-jüdischer Identität zusammen.
XI. Ausblick: Der Ausblick deutet mögliche weitere Forschungsfragen an, die sich aus dieser Untersuchung ergeben.
XII. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die für die Arbeit herangezogene Forschungsliteratur auf.
Identität, Ungarn, jüdische Identität, Identitätskonstruktion, 19. Jahrhundert, Geschichtsschreibung, Kollektive Identität, Antisemitismus, Emanzipation, Integration, Magyarisierung, Reformjudentum, Orthodoxie, Identitätsarbeit, Quellenanalyse.
Die Arbeit analysiert, wie jüdische Historiker und Publizisten in Ungarn zwischen 1848 und 1900 in ihren Schriften jüdische Identität konstruierten und nach außen vertraten.
Zentrale Themen sind die Identitätstheorien, das Verhältnis von Religion und Identität, die Rolle der Geschichtsschreibung sowie die sozio-politischen Rahmenbedingungen wie Emanzipation und Antisemitismus in Ungarn.
Das Ziel ist es, die narrative Konstruktion von Identität in historiographischen Quellen zu verstehen und herauszuarbeiten, welche Identitätsmuster den Lesern damals zur Verfügung gestellt wurden.
Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, indem sie Identitätstheorien aus Philosophie, Psychoanalyse und Soziologie mit der Methode der historischen Textkritik verbindet, um einen Katalog zur Quellenanalyse zu erstellen.
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Aufarbeitung von Identitätskonzepten als auch die detaillierte Analyse spezifischer historiographischer Texte sowie die historische Einordnung der Lebensbedingungen des ungarischen Judentums.
Wichtige Begriffe sind Identität, Identitätskonstruktion, ungarisches Judentum, 19. Jahrhundert, Emanzipation und Magyarisierung.
Die Autorin zeigt auf, dass der Chasaren-Mythos von Sámuel Kohn als historisierendes Instrument diente, um die jüdische Präsenz in Ungarn in eine schicksalsgemeinschaftliche Geschichte mit den Magyaren einzubetten und so die Emanzipation zu rechtfertigen.
Leopold Löw nimmt eine zentrale Rolle ein, da er als Reformrabbiner und Publizist intensiv an der Konstruktion einer ungarisch-jüdischen Identität arbeitete und versuchte, religiöse Reformen mit nationalen Idealen zu verbinden.
Sie kritisiert Niethammers radikale Dekonstruktion des Identitätsbegriffs und seinen Vorschlag, Identität durch „Wir-Aussagen“ zu ersetzen, als wenig überzeugend, da sie an der Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen konstruktivistischen und essentialistischen Identitätsmodellen festhält.
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