Diplomarbeit, 2007
67 Seiten, Note: 1,3
Einführung
1 Theoretischer Kontext der „Motivierenden Gesprächsführung“
1.1 Motivationspsychologische Überlegungen
1.2 Kognitive Dissonanztheorie
1.3 Theorie der psychologischen Reaktanz
1.4 Selbstwirksamkeitstheorie
1.5 Selbstwahrnehmungstheorie
1.6 Selbstregulationstheorie
1.7 Transtheoretisches Modell der intentionalen Verhaltensänderung
1.8 Klientenzentrierte Therapie
1.9 Zusammenfassung der Grundannahmen und -haltung
1.9.1 Grundannahmen
1.9.2 Grundhaltung
2 Prinzipien, Methoden und Ablauf der „Motivierenden Gesprächsführung“
2.1 Der Ansatz im Überblick
2.2 Interventionsprinzipien
2.2.1 Empathie ausdrücken
2.2.2 Diskrepanzen entwickeln
2.2.3 Widerstand umlenken
2.2.4 Selbstwirksamkeit fördern
2.2.5 Ethische Leitlinien
2.3 Basismethoden
2.3.1 Aktives Zuhören
2.3.2 Offene Fragen
2.3.3 Bestätigung
2.3.4 Zusammenfassen
2.4 Spezielle Methoden
2.4.1 Brainstorming
2.4.2 Bilanz bzw. Vier-Felder-Entscheidungsmatrix
2.4.3 Skalierungen
2.4.4 Reframing
2.4.5 Zukunft imaginieren / hypothetische Veränderung
2.5 Ablauf / Phasen
2.5.1 Phase 1 - Aufbau von Änderungsbereitschaft
2.5.2 Phase 2 – Selbstverpflichtung für Veränderung stärken
2.6 Grenzen des Ansatzes
3 Anwendung und Wirksamkeit in der Suchthilfe
3.1 Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten (FRED)
3.2 Motivational Case Management (MOCA)
4 Schlussfolgerungen
4.1 Zur Theorie und Methode
4.2 Zur Praxis
Die Arbeit untersucht den theoretischen Kontext, die methodische Anwendung sowie die aktuelle Bedeutung und Wirksamkeit der „Motivierenden Gesprächsführung“ (Motivational Interviewing) in der Suchthilfe, um ein besseres Verständnis für die Förderung von Veränderungsmotivation bei Klienten zu entwickeln.
1.2 Kognitive Dissonanztheorie
Der kognitiven Dissonanztheorie nach Leon Festinger liegt die Annahme zugrunde, dass Menschen nach Harmonie, Konsistenz oder Übereinstimmung zwischen ihren Kognitionen streben. Paare von Kognitionen können in einer irrelevanten (füreinander ohne Bedeutung) oder einer relevanten konsonanten (eine Kognition folgt aus der anderen) oder relevanten dissonanten (das Gegenteil der einen Kognition folgt aus der anderen) Beziehung zueinander stehen. Letzteres ist ein unausgewogener Zustand, der einen Druck zur Reduktion dieses Spannungszustandes erzeugt. Die Stärke der Dissonanz ist u. a. direkt abhängig von der wahrgenommenen Wichtigkeit der beiden Kognitionen. Eine große Dissonanz erhöht die Stärke des Drucks zur Reduktion der Dissonanz (vgl. Festinger 1978, S. 253 ff.) Es wird davon ausgegangen, dass Dissonanz „... ein eigenständiger motivierender Faktor ist“ (Festinger 1987, S.17).
Dissonanzreduktion ist möglich, indem die Kognition des Verhaltens geändert wird, also die Ursache der Dissonanz beseitigt wird (vgl. ebd., S. 31), neue konsonante Kognitionen hinzugefügt werden, die Relevanz der dissonanten Kognitionen heruntergestuft werden oder die Relevanz der konsonanten Kognitionen heraufgesetzt werden (vgl. ebd., S. 256).
Ein typisches Beispiel zur Dissonanzreduktion beschreibt Festinger anhand eines Gewohnheitsrauchers, welcher durch die Information, dass Rauchen schädlich für die Gesundheit sei, eine kognitive Dissonanz empfindet, da diese Information seiner an sich gesundheitsbewussten Einstellung widerspricht. Der ersten Strategie entspräche, die Ursache zu beseitigen, also mit dem Rauchen aufzuhören. Mittels der zweiten Strategie würde er seinem Wissen neue Kognitionen hinzufügen, die mit dem Rauchen konsonant sind: z. B. aktiv nach Informationen zu suchen, die bestätigen, dass Rauchen die Konzentration erhöht. Die dritte Strategie würde z. B. die Überlegung beinhalten, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen durch das Rauchen sehr viel geringer sei im Vergleich zu Folgen von Übergewicht und Bewegungsmangel, also die Wichtigkeit der dissonanten Kognition herunterstuft. Der vierten Strategie, die Relevanz der konsonanten Kognitionen heraufzusetzen, entspräche, die positiven Aspekte des Rauchens, wie z. B. subjektiv empfundene Entspannung und Gewichtskontrolle höher zu bewerten und für sich persönlich als sehr wichtig einzuschätzen (vgl. Festinger 1978, S. 31 ff.).
1 Theoretischer Kontext der „Motivierenden Gesprächsführung“: Dieses Kapitel verankert das Modell in der Motivations- und Sozialpsychologie sowie der humanistischen Psychologie, um die wissenschaftlichen Wurzeln der Arbeitsweise zu erläutern.
2 Prinzipien, Methoden und Ablauf der „Motivierenden Gesprächsführung“: Hier werden die praktischen Kommunikationsleitlinien, Phasenmodelle und konkrete methodische Techniken zur Motivationsförderung detailliert beschrieben.
3 Anwendung und Wirksamkeit in der Suchthilfe: Dieses Kapitel belegt die praktische Relevanz und Wirksamkeit durch spezifische Praxismodelle wie FRED und MOCA in verschiedenen Suchthilfebereichen.
4 Schlussfolgerungen: Die Autorin resümiert die theoretische Fundierung und praktische Anwendung, identifiziert Optimierungspotenziale und formuliert Wünsche für die Weiterentwicklung des Ansatzes in der Suchtarbeit.
Motivierende Gesprächsführung, Suchthilfe, Veränderungsmotivation, Ambivalenz, Selbstwirksamkeit, Kognitive Dissonanz, Reaktanz, Beratung, Klientenzentrierung, Suchtprävention, Motivationsförderung, Psychotherapie, Verhaltensänderung, Frühintervention, Interventionsprinzipien.
Die Arbeit beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe und die praktische Umsetzung der „Motivierenden Gesprächsführung“ (Motivational Interviewing) speziell für den Arbeitskontext der Suchthilfe.
Zu den zentralen Themen gehören motivationspsychologische Theorien, die klientenzentrierte Grundhaltung, spezifische Interventionsmethoden sowie die Anwendung und Wirksamkeit des Modells in der Praxis der Suchthilfe.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die theoretischen Quellen der Postulate zur Motivationsförderung zu ergründen, Zusammenhänge zwischen den Theorien und dem Ansatz zu beleuchten und zu klären, wie diese Methoden in der Suchthilfe erfolgreich umgesetzt werden.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die psychologische Theorien (z. B. Dissonanz- oder Selbstwirksamkeitstheorie) mit dem spezifischen Interventionsansatz der „Motivierenden Gesprächsführung“ in Bezug setzt und auf Basis von Praxismodellen evaluiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Kontextualisierung (Kapitel 1), die Darstellung der Interventionsprinzipien und Basismethoden (Kapitel 2) sowie die Beschreibung konkreter Anwendungsbeispiele in der Suchthilfe, wie etwa das FRED-Projekt (Kapitel 3).
Kernbegriffe sind Motivierende Gesprächsführung, Suchthilfe, Ambivalenz, Selbstwirksamkeit, Veränderungsmotivation und Beratung.
Widerstand wird in der „Motivierenden Gesprächsführung“ als vordergründig wertfreies interaktionelles Phänomen verstanden, das eine Ausdrucksseite der Ambivalenz darstellt, anstatt es als reines Persönlichkeitsmerkmal des Klienten zu betrachten.
Das TTM dient als zeitliches Phasenmodell zur Einordnung der Motivationsstadien, um stadienangepasste Interventionen zu ermöglichen, die den Klienten dort abholen, wo er sich aktuell in seinem Veränderungsprozess befindet.
Obwohl die Grundhaltung (Empathie, Akzeptanz) übernommen wird, gibt der Ansatz den Grundsatz der absoluten Nicht-Direktivität auf, da im Kontext der Suchthilfe ein bewusstes, direktives Vorgehen zur Förderung von Änderungssequenzen („Change Talk“) für notwendig erachtet wird.
Sie betont, dass der Ansatz als „Betriebssystem“ der Suchthilfe überzeugt, weist jedoch darauf hin, dass eine klarere theoretische Herleitung der Interventionen helfen würde, Missverständnisse zu vermeiden und die Methode weiter zu professionalisieren.
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