Masterarbeit, 2018
67 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
1.2. Zur Forschungsliteratur
1.3. Definition des Tragikbegriffs und anzuwendende Methode
Teil I
2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86)
2.2. Ein moderater und einsichtsfähiger König: Kyros' Gespräche mit Kroisos (Hdt. I,87-90 / 154-156)
2.3. Zum Königsein geboren: Kyros' schicksalhafte Bestimmung (Hdt. I,114-115 / 125-126) – Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik
2.4. Ein tragischer Held? – Zusammenfassung und Zwischenfazit
Teil II
3.1. Hybris: des Menschen Verderben
3.2. Der Beginn einer neuen machtpolitischen Phase: Kyros' Umgang mit den griechischen Delegationen (Hdt. I,141 und 152/153)
3.3. Die erste Grenzüberschreitung: Kyros' Rache am Gyndes (Hdt. I,189)
3.4. Tomyris' und Kroisos' missachtete Mahnreden: Kyros' erster verhängnisvoller Fehler (Hdt. I,201-208) – Weitere Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik
3.5. Verkannte Warnungen: Kyros' Verblendung und sein letzter Schritt ins Verderben (Hdt. I,209-212)
3.6. Der eigenen Epithymia zum Opfer gefallen: Kyros' tragischer Tod und seine sinnbildliche Darstellung durch Herodot (Hdt. 213-214)
3.7. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen zur Tragik in der herodoteischen Darstellung des Kyros
Diese Arbeit untersucht die herodoteische Darstellung des Perserkönigs Kyros unter dem Fokus seines tragischen Scheiterns, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit Kyros' Handlungen, seine Charakterentwicklung und seine Fehlentscheidungen als tragisch im aristotelischen Sinne zu deuten sind.
2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86)
Sardeis, die Hauptstadt des lydischen Reiches, ist bereits erobert und Kroisos vom persischen Anführer und nunmehrigen Machtinhaber Kyros gefangen genommen. Möchte man den Charakter des Perserkönigs, wie dieser in den Historien dargestellt wird, näher untersuchen, ist die vorliegende Passage von zentraler Bedeutung, wird doch in ihr ein Bild vom ihm präsentiert, das bei der Beurteilung seines im weiteren Verlauf des Logos aufgewiesenen Handelns und der darin enthaltenden Tragik einen wichtigen ersten Anhaltspunkt liefert. Bevor jedoch Kyros selbst in den Blickpunkt der Betrachtung rückt, erscheint es sinnvoll, neben der herodoteischen auch weitere Überlieferungen der Geschichte von Kroisos' Ende anzuführen und einander gegenüberzustellen, da dies Rückschlüsse auf Herodots Darstellungsabsicht erlaubt und die Analyse der vorliegenden Szene erleichtert.
Kroisos wird also laut Herodot nach seiner Niederlage und der Einnahme der Stadt gefangen genommen, vor Kyros gebracht und auf den Scheiterhaufen geführt. Im Angesicht des Todes kommen Kroisos wie durch göttliche Eingebung die Worte des Solon in den Sinn, der ihm einst auf dem Höhepunkt seiner Macht als Antwort auf die Frage, wer seiner Meinung nach der glücklichste Mensch sei, die Vergänglichkeit des irdischen Lebens sowie die Wechselfälle des Schicksals vor Augen führte; kein Mensch, so der Grieche, könne für wahrhaftig glücklich gehalten werden, wenn er nach einem gelungenen Leben nicht auch ein gutes Ende finde. In Erinnerung an diese Worte, ruft Kroisos dreimal den Namen des Solon, wodurch die Neugier des Kyros geweckt wird, der den Lyder sodann durch einen seiner Dolmetscher fragen lässt, wen er da anrufe. Nach einer für den Perser zunächst seltsam anmutenden Antwort und einem langen Schweigen des Kroisos, erzählt dieser schließlich von seinem einstigen Gespräch mit dem griechischen Weisen. Als dann die äußeren Ränder des Scheiterhaufens in Brand stehen, entschließt sich Kyros, dem Lyderkönig das Leben zu schenken, und befiehlt darauf das Feuer zu löschen.
1. Einführung: Überblick über den Forschungsstand zur herodoteischen Tragik und Definition des methodischen Rahmens.
2.1. Die Scheiterhaufenszene: Kyros' Milde und Gottesfurcht (Hdt. I,86): Analyse von Kyros' Begnadigung des Kroisos als Beweis für seine anfängliche Milde und Gottesfurcht.
2.2. Ein moderater und einsichtsfähiger König: Kyros' Gespräche mit Kroisos (Hdt. I,87-90 / 154-156): Betrachtung von Kyros' Zugänglichkeit für guten Rat und seine rationale Entscheidungsfindung.
2.3. Zum Königsein geboren: Kyros' schicksalhafte Bestimmung (Hdt. I,114-115 / 125-126) – Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik: Erörterung der Kindheitsgeschichte und der Etablierung des Kyros als zum Herrschen Auserkorener.
2.4. Ein tragischer Held? – Zusammenfassung und Zwischenfazit: Rekapitulation der bisherigen Ergebnisse hinsichtlich Kyros' positiver Charaktereigenschaften vor seinem Machtaufstieg.
3.1. Hybris: des Menschen Verderben: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Hybris-Begriff und seiner Rolle in der antiken Literatur als Auslöser für Untergang.
3.2. Der Beginn einer neuen machtpolitischen Phase: Kyros' Umgang mit den griechischen Delegationen (Hdt. I,141 und 152/153): Analyse der ersten Anzeichen von Härte und Arroganz gegenüber den Ioniern und Spartanern.
3.3. Die erste Grenzüberschreitung: Kyros' Rache am Gyndes (Hdt. I,189): Untersuchung der symbolischen Bestrafung des Flusses als eklatante Wende ins Übermütige.
3.4. Tomyris' und Kroisos' missachtete Mahnreden: Kyros' erster verhängnisvoller Fehler (Hdt. I,201-208) – Weitere Betrachtungen zu Herodots Erzähltechnik: Analyse der Ignoranz gegenüber Warnungen im Kontext des Feldzugs gegen die Massageten.
3.5. Verkannte Warnungen: Kyros' Verblendung und sein letzter Schritt ins Verderben (Hdt. I,209-212): Diskussion des Traumgesichts und seiner Fehlinterpretation durch den verblendeten Perserkönig.
3.6. Der eigenen Epithymia zum Opfer gefallen: Kyros' tragischer Tod und seine sinnbildliche Darstellung durch Herodot (Hdt. 213-214): Untersuchung des Untergangs und der symbolischen Bedeutung der Schändung des Leichnams.
3.7. Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen zur Tragik in der herodoteischen Darstellung des Kyros: Zusammenführende Diskussion der Ergebnisse unter Anwendung aristotelischer Kriterien.
Kyros, Herodot, Historien, Tragik, Hybris, Aristoteles, Hamartia, Kroisos, Tomyris, Epithymia, Schicksal, Macht, Verblendung, Charakterzeichnung, Perserreich.
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Perserkönigs Kyros im Geschichtswerk des Herodot unter dem speziellen Fokus, ob und wie Herodot Kyros als tragische Figur im aristotelischen Sinne konzipiert hat.
Die Arbeit verknüpft historische Analyse mit literaturwissenschaftlichen Aspekten, insbesondere der Untersuchung von Charakterentwicklung, Machtausübung, göttlicher Determination und dem Einfluss der attischen Tragödie auf Herodots Erzählweise.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Herodots Kyros-Porträt nicht rein historisch-faktisch, sondern dramaturgisch-tragisch angelegt ist, wobei die Forschungsfrage untersucht, inwieweit Kyros' Untergang als selbstverschuldet und tragisch (Hamartia) gedeutet werden kann.
Es wird eine philologisch-analytische Methode angewandt, die Herodots Textpassagen im direkten Rekurs auf die aristotelische Poetik und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur auf tragische Strukturmerkmale hin untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Charakteranalyse vor dem Aufstieg Kyros' und eine Untersuchung seines Niedergangs, wobei Schlüsselmomente wie die Scheiterhaufenszene, die Bestrafung des Gyndes und die ignorierte Mahnrede der Tomyris detailliert analysiert werden.
Wichtige Schlagworte sind Kyros, Herodot, Hybris, Hamartia, Tragik, Macht, Gier (Epithymia), Verblendung und die aristotelischen Konzepte von Wahrscheinlichkeit und Notwendigkeit.
Die Bestrafung des Flusses Gyndes durch Kyros dient als Wendepunkt in der Analyse, da sie als Beweis für den Verlust von Milde und Einsichtsfähigkeit zugunsten einer gottlosen Arroganz (Hybris) gewertet wird.
Während Kroisos durch den Anblick des Todes und die Warnungen zur Einsicht gelangt (Anagnorisis) und eine Läuterung erfährt, bleibt Kyros diese Erkenntnis vor seinem Tod verwehrt, da er bis zum Ende in seinem Wahn verharrt.
Der Autor argumentiert, dass Herodot diese Szenen als literarische Mittel nutzte, um die innere Charakterentwicklung (Mimesis) und die moralisch-didaktische Wirkung des Werkes für den damaligen Leser zu intensivieren, auch wenn sie historisch nicht belegbar sind.
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