Forschungsarbeit, 2006
44 Seiten, Note: 1,0
Teil 1 – Literatur als Soziologie?
1 Einleitung
2 Der Roman
3 Analyse ausgewählter Textpassagen
4 Schlussfolgerungen
Teil 2 – Ein Analyseversuch mit Hilfe der Grounded Theory
1 Einleitung und Problemstellung
2 Über Buch und Autor
3 Offenes Kodieren
3.1 Die Methode
3.2 Anwendung am Buch
3.2.1 Benennen der Kategorien
3.2.2 Eigenschaften und Dimensionen der Phänomene
4 Axiales Kodieren
4.1 Die Methode
4.2 Anwendung am Buch
5 Interpretation der Ergebnisse
6 Schlussfolgerungen und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Faktoren, die zur Akzeptanz des Nationalsozialismus und der bereitwilligen Unterordnung des Individuums unter dieses System führten. Dabei dient Ödön von Horváths Roman „Ein Kind unserer Zeit“ als zentrale literarische Quelle, die mit Hilfe der Methode der Grounded Theory analysiert wird, um individuelle Motive und gesellschaftliche Wirkungsmechanismen der 1930er Jahre besser zu verstehen.
Die Bedeutung der sozialen Sicherheit für die Unterordnung
Aber heut bin ich wieder froh! Denn heute weiß ich’s, wo ich hingehör. Heut kenn ich keine Angst mehr, ob ich morgen fressen werde. Und wenn die Stiefel hin sind, werden sie geflickt, und wenn der Anzug hin ist, krieg ich einen neuen, und wenn der Winter kommt, werden wir Mäntel bekommen. ... Jetzt ist alles fest. Endlich in Ordnung. Adieu, ihr täglichen Sorgen! Jetzt ist immer einer neben dir. Rechts und links, Tag und Nacht. (S. 14)
Es geht also um ganz legitime Motive. Zugehörigkeit zu einer Gruppe die einem Sicherheit bietet, sowie die Gewissheit, die elementarsten materiellen Bedürfnisse befriedigen zu können.
Jetzt hat mein Dasein plötzlich wieder Sinn! Ich war ja schon ganz verzweifelt, was ich mit meinem jungen Leben beginnen sollte. Die Welt war so aussichtslos geworden und die Zukunft so tot. Ich hatte sie schon begraben. Aber jetzt hab ich sie wieder, meine Zukunft, und lasse sie nimmer los, auferstanden aus der Gruft! (S. 11)
Teil 1 – Literatur als Soziologie?: Dieses Kapitel legt den theoretischen und historischen Kontext dar und begründet die Eignung des Romans „Ein Kind unserer Zeit“ als literarische Quelle für soziologische Analysen.
1 Einleitung: Hier werden die historischen Rahmenbedingungen der 1930er Jahre in Deutschland und Österreich sowie die Ursachen für die Attraktivität des Nationalsozialismus (wie Arbeitslosigkeit und das Bedürfnis nach Sicherheit) skizziert.
2 Der Roman: Dieses Kapitel stellt das Werk von Ödön von Horváth vor und erläutert dessen Erzähltechnik sowie den Realitätsgehalt der Schilderungen aus der Sicht eines jungen Soldaten.
3 Analyse ausgewählter Textpassagen: Dieser Teil widmet sich der inhaltlichen Untersuchung spezifischer Textstellen, die den Übergang des Akteurs in das Militär und dessen Sinnstiftung thematisieren.
4 Schlussfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse des ersten Analyseteils zusammengeführt und die Bedeutung des Romans als eine Art „Aufklärungsroman“ gegen die Ideologie des NS-Regimes hervorgehoben.
Teil 2 – Ein Analyseversuch mit Hilfe der Grounded Theory: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Neuausrichtung der Arbeit unter Anwendung der qualitativen Sozialforschung, um die Daten unabhängig von vorgefertigten Theorien zu interpretieren.
1 Einleitung und Problemstellung: Das Kapitel führt in das methodische Vorgehen der Grounded Theory ein und formuliert das Ziel, die Lebensumstände zur Akzeptanz des Nationalsozialismus anhand spezifischer Kapitel zu erforschen.
2 Über Buch und Autor: Hier werden Informationen zum Autor Ödön von Horváth und zur Einbettung seiner Romane in den politischen Kontext seiner Zeit bereitgestellt.
3 Offenes Kodieren: Das Kapitel erläutert den ersten methodischen Schritt der Extraktion von Konzepten und Kategorien aus den untersuchten Buchkapiteln.
4 Axiales Kodieren: Hier wird der Prozess der Vernetzung von Kategorien mittels des paradigmatischen Modells der Grounded Theory dargestellt, um zentrale Phänomene wie den „Sinn des Lebens“ zu identifizieren.
5 Interpretation der Ergebnisse: Dieses Kapitel integriert die Ergebnisse beider Analyseteile und arbeitet den Beitrag der Bevölkerung zum Systemaufbau sowie die Bedeutung der mangelnden Kriegserfahrung der jungen Generation heraus.
6 Schlussfolgerungen und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Anwendbarkeit der Grounded Theory auf literarische Werke und bewertet die erzielten Erkenntnisgewinne.
Nationalsozialismus, Grounded Theory, Literatursoziologie, Ödön von Horváth, Ein Kind unserer Zeit, Unterordnung, Sinnstiftung, Militär, Kriegsbegeisterung, Leistungsgesellschaft, Arbeitslosigkeit, Volksgemeinschaft, Systemerhalt, Identifikation, Historische Sozialforschung.
Die Arbeit untersucht, warum Menschen sich in den 1930er Jahren bereitwillig dem Nationalsozialismus unterordneten. Sie nutzt dazu eine literatursoziologische Analyse und eine methodisch fundierte Grounded Theory-Studie des Romans „Ein Kind unserer Zeit“ von Ödön von Horváth.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Verelendung auf das Individuum, die Rolle von Sicherheit und Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Militärs, sowie die Bedeutung politischer Propaganda für die Bildung kollektiver Identitäten.
Das Hauptziel ist es, die persönlichen Motive und die gesellschaftlichen Bedingungen aufzudecken, die einen durchschnittlichen Menschen dazu brachten, zum „Systemerhalter“ des nationalsozialistischen Regimes zu werden.
Die Arbeit kombiniert eine literatursoziologische Betrachtungsweise mit dem qualitativen Verfahren der „Grounded Theory“, um aus dem Text des Romans Kategorien und Theorien über das Handeln des Protagonisten zu entwickeln.
Der Hauptteil gliedert sich in eine einleitende literatursoziologische Analyse und einen zweiten Teil, in dem durch offenes und axiales Kodieren Kategorien wie „Sinn des Lebens“ und „Kriegsbegeisterung“ systematisch aus dem Text extrahiert und interpretiert werden.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Sinnstiftung“, „Leistungsgesellschaft“, „Untertanenmentalität“, „Militär als Ersatzreligion“ und „Kriegseuphorie“ charakterisiert.
Im Gegensatz zu klassischen Untertanen-Figuren, die aus Kadavergehorsam handeln, wird der Akteur im Roman durch ein tiefes Bedürfnis nach existenzieller Sicherheit und Sinnsuche nach einer Phase massiver Arbeitslosigkeit getrieben.
Die Kriegsbegeisterung wird als Handlungsstrategie identifiziert, die durch eine Kombination aus mangelnder Kriegserfahrung der jungen Generation, der Suche nach Neuanfang und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Erneuerung motiviert ist.
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