Diplomarbeit, 2008
223 Seiten, Note: 1,0
A. THEORETISCHE EXPLIKATIONEN
I. EINLEITUNG
II. WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN: DIE KRITISCHE THEORIE DER GESELLSCHAFT ALS WELTERSCHLIEBENDE KRITIK
1. Prolog
2. Kritische und Traditionelle Theorie: Ein Kontrast in mehreren Gesichtspunkten
2.1 In welchem Bedeutungszusammenhang findet die Kategorie der Kritik Verwendung?
2.2 Verknüpfung oder Separation von Objekt und Subjekt? Oder: Wie ist Erkenntnis objektivierbar?
2.3 Ein kurzer Exkurs zu den paradigmatischen Kernpunkten des Kritischen Rationalismus nach Karl R. Poppers
2.4 Das Verhältnis von Theorie und Praxis: Welche gesellschaftliche Stellung besitzt Wissenschaft und inwieweit darf sie überhaupt Stellung beziehen?
2.5 Ist das Subjekt oder die zu vermittelnde Subjekt-Objekt-Relation Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse?
2.6 Inwiefern spiegelt Wissenschaft die verdinglichten Verhältnisse wider?
3. Das grundlegende Postulat der kritischen Theorie der Gesellschaft
3.1 Theorieimmanente Ausgangspunkte der kritischen Theorie
3.2 Welche Divergenz wird zwischen den theoretischen Implikationen und der praktischer Realisierung in den Studien der alten kritischen Theorie deutlich?
4. Jürgen Habermas als Protagonist der neuen kritischen Theorie
4.1 Die kommunikationstheoretische Wende der Dialektik der Aufklärung, hin zu einer neuen kritischen Theorie der Gesellschaft
4.2 Theorie und Praxis: Habermas und das Moment des Sozialen
4.3 Ein kurzer Exkurs zur Kritik an Adorno und Michel Foucault
4.4 Erkenntnis und Interesse: Die Logik der Forschung
4.5 Kommunikatives Handeln: Das Fundament des Sozialen
4.6 Die Sphären der gesellschaftlichen Reproduktion: Lebenswelt und System
4.7 Die Kolonialisierung der Lebenswelt
4.8 Strukturwandel der Öffentlichkeit: Der herrschaftsfreie Dialog mündiger Bürger als Gewähr des Sozialen und Korrektiv der systemischen Kolonialisierung
4.9 Kritische Fragen an eine neue kritische Theorie
5. Epilog
III. METHODOLOGISCHE EXPLIKATION: QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG IM LICHTE EINER KRITISCHEN GESELLSCHAFTTHEORIE
1. Prolog
2. Der kontextuelle Bezug der Sozialforschung
3. Methodologische Ausgangs- und Abgrenzungspunkte zwischen den Paradigmen der Qualitativen und Quantitativen Sozialforschung
3.1 Das Lebensweltkonzept als theoretischer Bezugsrahmen der qualitativen Analyse
3.2 Methodologische Implikationen der Qualitativen und Quantitativen Forschungsrichtungen
3.2.1 Deduktives Erklären vs. Induktives Verstehen
3.2.2 Theoriegenerierung vs. Theorieprüfung
3.2.3 Unterschiede innerhalb der Datenerhebung
3.3 Prinzipien der Qualitativen Sozialforschung
3.3.1 Offenheit im theoretischen und methodischen Zugang zum Feld
3.3.2 Forschung als Kommunikation
3.3.3 Reflexivität des Forschers
3.3.4 Explikation des flexiblen Untersuchungsverlaufs
3.4 Gütekriterien der qualitativen Sozialforschung
3.4.1 Verfahrensdokumentation
3.4.2 Regelgeleitetheit
3.4.3 Gegenstandsangemessenheit und Indikation
3.4.4 Argumentative Interpretationsabsicherung
3.4.5 Empirische Verankerung
3.4.6 Triangulation
4. Resümierender Exkurs
5. Epilog
IV. SOZIOLOGIE SOZIALER PROBLEME: DAS SOZIALE PROBLEM DER WOHNUNGS- UND OBDACHLOSIGKEIT IM SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN DISKURS
1. Prolog
2. Die Soziologie sozialer Probleme
2.1 Wesensmerkmale der Soziologie sozialer Probleme
2.2 Der Begriff des Soziales Problems im Kontext alltagssprachlicher Verwendung
2.3 Das Soziale Problem als sozialwissenschaftliche Kategorie
3. Das soziale Problem der Wohnungs- und Obdachlosigkeit
3.1 Forschungsstand: Wohnungs- und Obdachlosigkeit im wissenschaftlichen Diskurs
3.2 Jugendliche Betroffene als besondere Problemgruppe
4. Epilog
V. DESINTEGRATIONS- UND EXKLUSIONSYNAMIKEN IM SPIEGEL EINER KRITISCHEN GESELLSCHAFTSANALYSE: PRÄLUDIUM DER VEREINSEITIGUNG GESELLSCHAFTLICHER RATIONALITÄT – WIDER DER ENTFALTUNG EINES VERNÜNFTGEN ALLGEMEINEN
1. Prolog
2. Die Frage nach der gelungenen Integration
2.1 Gegenstand des sozialwissenschaftliches Diskurses: die Integrationsfrage
2.2 Die Abgrenzung des Integrationsbegriff
2.3 Die überflüssige Frage nach der gelungenen Integration?
2.4 Das Selbstverständnis der Moderne im Spiegel der Integrationsproblematik
2.5 Drei forschungsrelevante Dimensionen einer gelungenen Integration
3. Desintegrative Tendenzen: im Bannkreis zwischen Integration und Exklusion
3.1 Überlegungen zum Desintegrationsansatz
3.2 Desintegration und ihre Vermittlung durch Anerkennungsbilanzen
3.2.1 Anerkennungstheoretische Ebenen des Desintegrationsansatzes
3.2.2 Die Folgen von Anerkennungsbeschädigungen
3.2.3 Operationalisierung von Desintegrationstendenzen
4. Exklusion: Die paradoxe Gleichzeitigkeit des Drinnen und Draußen
4.1 Das gut Gewissen der Aufklärung: das Soziale Bewusstsein
4.2 Die underclass-debate: Ein urbanes sozialräumliches Phänomen
4.3 Zum Begriff der exclusion: Ausschluss trotz Integration
4.4 Die forschungsleitende Exklusionsfigur
4.5 Exkurs: Desintegrations- und Exklusionsdynamiken im Spiegel der kritischen Theorie, oder: Die Einbeziehung des Anderen
5. Epilog
B. EMPIRISCHE ANALYSE
VI. METHODISCHE VERFAHREN: DIE VERMITTLUNG ZWISCHEN SUBJEKT UND OBJEKT ANHAND LEITFADENBASIERENDER INTERVIEWS
1. Prolog
2. Das Problemzentrierte Interview als Erhebungsinstrument
2.1 Basale Prinzipien des problemzentrierten Interviews
2.2 Instrumente des problemzentrierten Interviews
2.3 Vergleichende Systematisierung als Ziel des Auswertungsprozesses
3. Das Experteninterview als qualitatives Erhebungsinstrument
3.1 Typologische Grundlagen des theoriegenerierenden Experteninterviews
3.2 Diskurs- und Auswertungsverläufe des Experteninterviews
4. Methodisches Vorgehen der Datenerhebung
4.1 Fragestellung der Untersuchung
4.2 Konzeption der Hypothesen
4.3 Einstieg ins Untersuchungsfeld
4.4 Interviewphase: Befragung und Transkription der Betroffenen und Experten
5. Epilog
VII. VOM TEXT ZUR THEORIE: DIE ZUSAMMENFASSENDE INHALTSANALYSE ALS AUSWERTUNGSVERFAHREN
1. Prolog
2. Die Inhaltsanalyse als Auswertungsverfahren
2.1 Basale Merkmale der Inhaltsanalyse
2.2 Qualitativ-Interpretative und Quantitativ-Normative Inhaltsanalyse
3. Ablaufmodell der Inhaltsanalyse
3.1 Ablaufschema des Instrumentariums
3.2 Applikation des Kategorienschemas
3.2.1 Prozesshafte Dynamik
3.2.2 Sozialstrukturell-Funktionale Koordination
3.2.3 Institutionell-Moralische Integrität
3.2.4 Personal-Expressive Gemeinschaft
3.2.5 Desintegration- und Exklusionskategorien
3.2.6 Moderierende Variablen
3.3 Ergebnisdarstellung der Kategorien
3.4 Hypothesenprüfung
4. Epilog
VIII. ABSCHLUSSDISKUSSION
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dynamiken von Desintegration und Exklusion bei jugendlichen Wohnungs- und Obdachlosen in Hamburg unter Verwendung der Kritischen Theorie. Das Hauptziel ist die theoretische Differenzierung und empirische Analyse der prekären Lebenslage dieser Zielgruppe, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Verhältnisse und strukturelle Barrieren soziale Ausgrenzungsprozesse vorantreiben.
Die Sphären der gesellschaftlichen Reproduktion: Lebenswelt und System
Um dieses Phänomen heuristisch beschreiben zu können, führt er die Trennung zweier komplementärer Bestandteile der gesellschaftlichen Entität ein: eine intentional-kommunikativ verfasste Lebenswelt und ein in ihr eingebettetes funktional strukturiertes System. Über spezifische Steuerungsmedien wird die verschränkte gesellschaftliche Entität der Gleichzeitigkeit von System und Lebenswelt (zum gesellschaftlichen Ganzen) sichtbar. Im (sub-)systemischen Kontext (politisches-, wissenschaftliches-, ökonomisches- und administratives System) wirken die Steuerungsmedien Geld und Macht. Beide sind als entsprachlichte Kommunikationsmedien zu begreifen. In der Lebenswelt hingegen wirken symbolisch-sprachliche Kommunikationsmedien, wie bspw. die Umgangssprache, die die lebensweltlichen (strukturellen) Komponenten Kultur (kulturelle Reproduktion), Gesellschaft (soziale Integration) und Person (Sozialisation), zusammenfassen. Die Lebenswelt stellt demnach ein »Reservoir von Selbstverständlichkeiten« dar, welche die Interaktionsteilnehmer zum Zwecke »kooperativer Deutungsmuster« (Habermas 1995b, Bd. 2: 189) gebrauchen und durch ihre sprachliche Kommunikation, welche in kulturell konservierter Überlieferung auftritt, stets reproduzieren – ohne sie jedoch zu thematisieren. Dabei unterstreicht Habermas, dass die Lebenswelt nicht per se als Gesellschaft identifiziert werden kann, sondern sich als unhintergehbarer Verweisungskontext darbietet. Gesellschaft konstituiert sich vielmehr durch die mannigfaltigen Verbindungen kommunikativer Kooperationen, jedoch nicht außerhalb, sondern innerhalb des lebensweltlichen Kontextes, wonach: »[die] Lebenswelt, die die Angehörigen aus gemeinsamen kulturellen Überlieferungen konstruieren, ist mit Gesellschaft koextensiv« (ebd.: 224).
I. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die soziologische Thematik ein und begründet die Wahl des wissenschaftstheoretischen Rahmens – der Kritischen Theorie – für die Untersuchung der Lebenslagen wohnungs- und obdachloser Jugendlicher.
II. WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN: DIE KRITISCHE THEORIE DER GESELLSCHAFT ALS WELTERSCHLIEBENDE KRITIK: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, den Kontrast zur Traditionellen Theorie und die Rolle der Kritischen Theorie als Instrument zur gesellschaftlichen Aufklärung.
III. METHODOLOGISCHE EXPLIKATION: QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG IM LICHTE EINER KRITISCHEN GESELLSCHAFTTHEORIE: Hier werden die methodologischen Grundlagen der qualitativen Sozialforschung dargelegt und gegenüber quantitativen Ansätzen unter Rückgriff auf die Kritische Theorie abgegrenzt.
IV. SOZIOLOGIE SOZIALER PROBLEME: DAS SOZIALE PROBLEM DER WOHNUNGS- UND OBDACHLOSIGKEIT IM SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN DISKURS: Dieser Teil ordnet Wohnungs- und Obdachlosigkeit als soziales Problem in den soziologischen Diskurs ein und spezifiziert die betroffene Gruppe der Jugendlichen.
V. DESINTEGRATIONS- UND EXKLUSIONSYNAMIKEN IM SPIEGEL EINER KRITISCHEN GESELLSCHAFTSANALYSE: Das Kapitel entwickelt die theoretische Basis zur Analyse von Integrations- und Desintegrationsprozessen sowie Exklusionsmechanismen.
VI. METHODISCHE VERFAHREN: DIE VERMITTLUNG ZWISCHEN SUBJEKT UND OBJEKT ANHAND LEITFADENBASIERENDER INTERVIEWS: Die empirische Methodik wird vorgestellt, wobei der Fokus auf dem problemzentrierten Interview und dem Experteninterview liegt.
VII. VOM TEXT ZUR THEORIE: DIE ZUSAMMENFASSENDE INHALTSANALYSE ALS AUSWERTUNGSVERFAHREN: Abschließend wird die inhaltsanalytische Auswertungsmethode beschrieben, mit der das empirische Material systematisch analysiert wird.
Kritische Theorie, Sozialforschung, Wohnungslose, Obdachlose, Desintegration, Exklusion, Inhaltsanalyse, Habermas, Adorno, Lebenswelt, soziale Integration, Prekarität, Experteninterview, Systemtheorie, Anerkennung.
Die Arbeit analysiert die dynamischen Prozesse von sozialer Desintegration und Exklusion bei jugendlichen Wohnungs- und Obdachlosen in Hamburg auf Basis der Kritischen Theorie.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Grundlegung durch die Kritische Theorie, die Methodologie der qualitativen Sozialforschung, die Soziologie sozialer Probleme sowie die empirische Untersuchung von Ausgrenzungsprozessen in verschiedenen Lebensbereichen.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, welche desintegrativen Tendenzen die prekäre Lebenslage der Jugendlichen kennzeichnen und wie diese Prozesse in eine soziale Exklusion münden.
Die Arbeit nutzt qualitative Erhebungsmethoden, namentlich das problemzentrierte Interview (mit Betroffenen) sowie das Experteninterview, und wertet diese Daten mittels einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse aus.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Explikationen zur Kritischen Theorie, eine methodologische Einordnung qualitativer Forschung, eine soziologische Rahmung des Problems der Obdachlosigkeit, eine theoretische Differenzierung von Integration und Exklusion sowie eine detaillierte empirische Analyse der erhobenen Daten.
Wichtige Begriffe sind Kritische Theorie, Desintegration, Exklusion, Wohnungslose, Inhaltsanalyse, Lebenswelt und soziale Anerkennung.
Die Arbeit zeigt, dass die Kolonialisierung der Lebenswelt durch systemische Imperative (wie Geld und Macht) bei den Jugendlichen dazu führt, dass lebensweltliche Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt werden und die Abhängigkeit von bürokratischen Hilfesystemen die Prekarität weiter festigt.
Der Circulus-vitiosus-Effekt dient als zentraler Indikator für den Prozess der sozialen Exklusion, indem er verdeutlicht, wie sich negative Lebensumstände (z.B. Wohnraumverlust, Drogenkonsum) gegenseitig verstärken und den Ausstieg aus der Prekarität massiv erschweren.
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