Examensarbeit, 2007
90 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Aufrüstung Westdeutschlands
2.1. Überlegungen der Westalliierten
2.2. Überlegungen Adenauers
3. Das erste Angebot einer militärischen Beteiligung
3.1. Das Speidelmemorandum
3.2. Bedrohungsanalyse und notwendige Konsequenzen
3.3. Erste Ideen einer Europa-Armee
3.3.1. Churchills Idee einer Europa-Armee
3.3.2. Adenauers Vorstellungen und Bestrebungen
3.4. Die Memoranden Adenauers vom August 1950
3.5. New Yorker Außenministerkonferenz und NATO-Ratstagung
3.6. Adenauers Reaktion auf die New Yorker Konferenzen
3.7. Zwischenfazit I
4. Der Pleven-Plan
4.1. Konzept
4.2. Der Pleven-Plan aus der Sicht Adenauers
4.3. Zwischenlösung: Spofford-Kompromiss
4.4. Petersberg oder Paris?- Die Brüsseler Beschlüsse
4.5. Petersberg-Gespräche
5. Die Pleven-Plan-Verhandlungen
5.1. Adenauers Ausgangslage
5.2. Verhandlungen bis Juni 1951
5.3. Ausweg aus festgefahrenen Verhandlungen: EVG
5.3.1. Amerikanisches und britisches Einlenken
5.3.2. Umdenken bei Adenauer
5.4. Verhandlungen bis zum Zwischenbericht
5.5. Zwischenbericht
5.6. Adenauer schwenkt auf EVG-Kurs
5.7. Sicherheitsvertrag und Zwischenlösung
5.8. Überlegungen über den politischen Rahmen der EVG
5.9. Zwischenfazit II
6. Das Drängen Adenauers auf Gleichberechtigung
6.1. Junktim zwischen EVG- und Generalvertrag
6.2. Schwierige Verhandlungspunkte
6.2.1. Verknüpfung von EVG und NATO
6.2.2. Rüstungskontrolle
6.2.3. Problem der Finanzierung
7. Störfeuer
7.1. Saarfrage als Hemmfaktor
7.2. Stalin-Note
8. Die Unterzeichnung der Verträge
8.1. Schwierigkeiten kurz vor der Unterzeichnung
8.2. EVG-Vertrag samt Zusatzverträgen
9. Ratifizierung in der Bundesrepublik
9.1. Innenpolitische Wertung
9.2. Ratifizierungsvorhaben
9.3. Verlauf der Ratifizierung
9.3.1. Klage vor dem Bundesverfassungsgericht
9.3.2. Gutachten für den Bundespräsidenten
9.3.3. Zweite Lesung und Feststellungsklage
9.3.4. Dritte Lesung der Verträge und Ratifizierung
10. Die Europäische Politische Gemeinschaft
11. Der Todeskampf der EVG
11.1. Warten auf die Ratifizierung durch Frankreich
11.2. Berliner Außenministerkonferenz
11.3. Regierungswechsel in Frankreich
11.4. Brüsseler Außenministerkonferenz
12. Das Scheitern der EVG
13. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den ersten Versuch der militärischen Integration Westdeutschlands durch die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG). Das zentrale Ziel besteht darin, die Strategie von Konrad Adenauer zu analysieren, durch einen Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik politische Souveränität und internationale Anerkennung zu gewinnen, sowie die Rolle der Westalliierten und die komplexen Verhandlungsprozesse vor dem Hintergrund des Kalten Krieges aufzuarbeiten.
3.1. Das Speidelmemorandum
Aufgrund der Zurückhaltung der Hohen Kommission fasste Adenauer den Entschluss, nicht weiter abzuwarten, ob die Westmächte bereit seien, die Besatzungs- und Entwaffnungspolitik der Bundesrepublik neu zu überdenken. Er ergriff abermals seinerseits die Initiative, auf die fälligen Entscheidungen einzuwirken. Er wollte den Westmächten eine Westdeutsche Beteiligung an den militärischen Anstrengungen anbieten.
Um zu klären, in welchem Umfang eine solche Unterstützung möglich sei, wurden die Generalleutnante a.D. Dr. Hans Speidel und Adolf Heusinger und der General der Infanterie a.D. Hermann Foertsch um die Ausarbeitung einer Denkschrift zur Frage der äußeren Sicherheit der Bundesrepublik gebeten. In dieser Denkschrift, die am 7. 8. 1950 dem Bundeskanzler vorlag, wurde einerseits Bezug auf die Sicherheitslage der Bundesrepublik genommen, andererseits ging man direkt auf die Struktur einer deutschen Armee und die Voraussetzungen für einen deutschen Verteidigungsbeitrag ein. Festgestellt wurde, dass die Lage Westdeutschlands so kritisch wie noch nie sei. Die Bundesrepublik habe sich für den Westen entschieden. Eine Gegenentscheidung der Westmächte, die Bundesrepublik fest dem Westen anzugliedern, läge aber nicht vor. Die Besatzungstruppen seien zu schwach, um der Bundesrepublik den nötigen Schutz gewährleisten zu können. Als Vorrausetzungen für einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag nannten die Autoren Gleichberechtigung und Sicherheit.
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage Adenauers und der Forschungsfragen bezüglich der militärischen Integration Westdeutschlands im Kontext des Kalten Krieges.
2. Die Aufrüstung Westdeutschlands: Analyse der sicherheitspolitischen Überlegungen der Westalliierten und der sicherheitspolitischen Motivation Adenauers unter dem Druck des Koreakrieges.
3. Das erste Angebot einer militärischen Beteiligung: Untersuchung der deutschen Initiativen zur Wiederbewaffnung, insbesondere durch das Speidel-Memorandum und die ersten Europa-Armee-Konzepte.
4. Der Pleven-Plan: Analyse des französischen Plans einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft und Adenauers taktischer Umgang damit sowie der Spofford-Kompromiss.
5. Die Pleven-Plan-Verhandlungen: Dokumentation der langwierigen Verhandlungen bis zum Zwischenbericht und der schließlichen Akzeptanz des EVG-Kurses durch Adenauer.
6. Das Drängen Adenauers auf Gleichberechtigung: Untersuchung der Bemühungen um militärische Gleichstellung durch das Junktim mit dem Generalvertrag, NATO-Verknüpfung und Rüstungskontrolle.
7. Störfeuer: Analyse externer Belastungsfaktoren wie der Saarfrage und der sowjetischen Stalin-Note.
8. Die Unterzeichnung der Verträge: Schilderung der letzten Hürden kurz vor dem Vertragsabschluss und der Struktur des EVG-Vertragswerks.
9. Ratifizierung in der Bundesrepublik: Darstellung des innenpolitischen Kampfes, der Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und der parlamentarischen Lesungen.
10. Die Europäische Politische Gemeinschaft: Untersuchung der Versuche, die militärische Integration durch eine politische Föderation zu ergänzen.
11. Der Todeskampf der EVG: Analyse der französischen Zögerlichkeit, der internationalen Konferenzen und der letztendlichen politischen Blockade in Frankreich.
12. Das Scheitern der EVG: Dokumentation des endgültigen Scheiterns durch das französische Parlament und Adenauers Reaktion darauf.
13. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Adenauerschen Strategie zwischen militärischer Sicherheit und europäischer Integration sowie der Bedeutung der Pariser Verträge.
Konrad Adenauer, Europäische Verteidigungsgemeinschaft, EVG, Pleven-Plan, Wiederbewaffnung, NATO, Souveränität, Westintegration, Kalter Krieg, Sicherheitspolitik, Stalin-Note, Ratifizierung, Gleichberechtigung, Rüstungskontrolle, Saarfrage.
Die Hausarbeit behandelt die Bemühungen Konrad Adenauers zur militärischen Integration der Bundesrepublik Deutschland in den Westen zwischen 1949 und 1954, speziell den Prozess um die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG).
Die zentralen Felder umfassen die sicherheitspolitische Konstellation des Kalten Krieges, die französisch-deutschen Beziehungen, die Frage der Gleichberechtigung Westdeutschlands sowie die organisatorischen und innenpolitischen Aspekte der EVG-Ratifizierung.
Es wird untersucht, wie Adenauer durch die militärische Integration als Hebel die volle Souveränität der Bundesrepublik zu erreichen versuchte und welche Rolle dabei die Europäische Verteidigungsgemeinschaft als Bindeglied zur Westintegration spielte.
Der Autor stützt sich auf eine fundierte historische Analyse unter Verwendung zeitgenössischer Dokumente, Denkschriften, Kabinettsprotokolle und relevanter geschichtswissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den ersten Überlegungen nach 1945 über den Pleven-Plan und die zähen Verhandlungen bis hin zum Ratifizierungsprozess im Bundestag und dem Scheitern der EVG im französischen Parlament.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Adenauer-Ära, EVG, Wiederbewaffnung, Souveränität, transatlantische Sicherheit und europäische Einigung charakterisieren.
Die Stalin-Note diente als Test der deutschen Politik; Adenauer sah in ihr ein Störmanöver, das durch Festhalten an der militärischen Westintegration entlarvt werden musste, um die Westbindung nicht zu gefährden.
Das Scheitern lag primär in der innenpolitischen Instabilität und den Sicherheitsbedenken Frankreichs begründet, wo das Parlament dem supranationalen Projekt 1954 die Zustimmung verweigerte.
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