Bachelorarbeit, 2018
33 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Metamoderne als kultur- und literaturtheoretische Rahmung
2.1 Atopische Metaxis
2.2 Neoromantik
3. David Foster Wallace und die New Sincerity
3.1 E Unibus Pluram und This is Water
3.2 New Sincerity - Diskurs
4. Thomas Melle: Prosa
4.1 Raumforderungen einer Welt im Rücken
4.2 Sickster und 3000 Euro, zwischen postmodernem Pop und Neuem Ernst
5. Fazit/Konklusion
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das literarische Schaffen des Autors Thomas Melle in einen direkten Kontext mit der Strömung der literarischen New Sincerity gebracht werden kann. Dabei wird analysiert, ob Melles Prosa metamoderne Züge aufweist, die eine Abkehr von postmoderner Ironie hin zu einer neuen, authentischen Ernsthaftigkeit markieren, und wie sich diese Strömung in seinem Werk konkret manifestiert.
3.1 E Unibus Pluram und This is Water
Poetologische Ansätze sind nicht nur in den belletristischen Texten David Foster Wallaces zu finden, sondern in Form theoretischer Literatur- und Kulturreflexion insbesondere in seinen essayistischen Beiträgen E Unibus Pluram und This is Water. In diesem Teil der Arbeit soll daher die literaturtheoretische Komponente des Werks vordergründig behandelt und herausgestellt werden, wie diese sich um die Begriffe der Metamoderne sowie der New Sincerity anordnen. Im Anschluss daran und überleitend zum Hauptgegenstand dieser Arbeit, werden die Ergebnisse in einen Bezug zu den Texten Thomas Melles gestellt, der in Kapitel 4 entsprechend näher beleuchtet und literaturwissenschaftlich betrachtet werden kann.
Mit dem 1993 veröffentlichen Text E Unibus Pluram nimmt Wallace Bezug auf die in den späten Achtzigern erschienene Polemik Michael Sorkins mit dem Titel „Faking it“, die den bekannten US-amerikanischen Gründungsmythos invertiert: „Aus vielen Eines“ (E Pluribus Unam) wird dabei zu dem Vielen, das aus dem Einen hervorgeht (vgl. UP, S. 134). Das Eine, das ist bei Wallace gewissermaßen der Fernsehzuschauer. Wallace stellt fest: „Der Amerikaner an sich ist in seinem stets sich veränderndem Wesen schwer dingfest zu machen, doch genau das leistet das Fernsehen“ (ebd.). Anders als die Einheit stiftende Gründung einer Nation aus den vielen Einzelpionieren, der Pluralität unterschiedlichster europäischer Eroberer der sog. Neuen Welt, vollbringt das Fernsehen die Leistung, den vor der Mattscheibe sitzenden Fernsehzuschauer in einem „Millionen zählendes Publikum“ aufgehen zu lassen, „obwohl wir meistens ganz allein vor dem Apparat sitzen“ (UP, S. 134) - und das täglich durchschnittlich sechs Zeitstunden lang -, wobei diese Sogwirkung auf besonders einsame Individuen einen stärkeren Effekt übt, als auf sozial angeschlossene (vgl. UP, S. 133).
1. Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand – die Prosa von Thomas Melle im Kontext der New Sincerity – eingegrenzt und die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Autor und Strömung formuliert.
2. Metamoderne als kultur- und literaturtheoretische Rahmung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Metamoderne als Oszillation zwischen moderner und postmoderner Sensitivität und führt Konzepte wie die atopische Metaxis und Neoromantik ein.
3. David Foster Wallace und die New Sincerity: Es werden die essayistischen Arbeiten von Wallace analysiert, um die theoretischen Grundlagen der New Sincerity als Kontrastprogramm zum postmodernen Zynismus zu erarbeiten.
4. Thomas Melle: Prosa: In diesem Hauptteil wird das Werk von Thomas Melle einer detaillierten Analyse unterzogen, um aufzuzeigen, wie sich darin metamoderne Tendenzen und das Streben nach Authentizität widerspiegeln.
5. Fazit/Konklusion: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Frage beantwortet, inwiefern Thomas Melle als profunder Vertreter der New Sincerity im metamodernen Sinne gelten kann.
Metamoderne, New Sincerity, Thomas Melle, David Foster Wallace, Postmoderne, Neoromantik, Authentizität, Autofiktion, Ironie, Literaturtheorie, Gegenwartsliteratur, Literaturkritik, Erzähltexte, Ästhetik, Moral.
Die Arbeit untersucht das literarische Werk des Autors Thomas Melle im Hinblick auf seine Zugehörigkeit zur Strömung der literarischen New Sincerity und verortet ihn innerhalb des theoretischen Rahmens der Metamoderne.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von der Postmoderne hin zu einer neuen Ernsthaftigkeit, dem Konzept der atopischen Metaxis, der Rolle der Ironie in der Literatur sowie Fragen zu Autofiktion und Authentizität.
Das Ziel ist es, zu eruieren, ob ein Kontext zwischen der Prosa von Thomas Melle und der literarischen New Sincerity existiert und welche Formen dieser Zusammenhang annimmt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Theoriebeiträge zur Metamoderne interpretiert und diese auf die konkreten Erzähltexte von Thomas Melle sowie die essayistischen Schriften von David Foster Wallace anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung durch Wallace und die Metamoderne-Theoretiker sowie in eine detaillierte Erzähltextanalyse von Melles Werken, wie z.B. Sickster und Die Welt im Rücken.
Wesentliche Begriffe sind Metamoderne, New Sincerity, Authentizität, Ironie-Kritik, Autofiktion und der sogenannte „Neue Ernst“ in der zeitgenössischen Literatur.
Wallace dient als theoretischer Ausgangspunkt und Initiator der New Sincerity, dessen Analysen zur US-Fernsehkultur und zum postmodernen Zynismus als Vergleichsfolie für die psychologischen und ästhetischen Spannungsfelder in Melles Texten genutzt werden.
Die Arbeit stellt heraus, dass postmoderne Ironie oft in Apathie und Selbstreferenzialität verharrt, während die metamoderne Ironie intrinsisch mit einem Begehren nach Nähe und einer ernsthaften Suche nach Authentizität gekoppelt ist.
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