Fachbuch, 2000
171 Seiten, Note: 1
1 Vorwort zur Buchausgabe
2 Einleitung
2.1 Thema
2.2 Methode
2.3 Quellen und Sekundärliteratur
2.4 Aufbau
3 Die Grundzüge von Voegelins Philosophie
3.1 Voegelins theoretischer Ansatz
3.1.1 Die Kritik des Positivismus
3.1.2 Politikwissenschaft als Ordnungswissenschaft
3.2 Voegelins Geschichtsdeutung
3.2.1 Geschichte als Geschichte der spirituellen Entwicklung der Menschheit
3.2.2 Exkurs: Die Begriffe ”Kompaktheit“ und ”Differenzierung“
3.2.3 Der Sinn der Geschichte
3.3 Gnosisbegriff und Zeitkritik
4 Voegelins Bewusstseinsphilosophie (”Anamnesis“ – Teil I)
4.1 Voegelin über Husserls ”Krisis der europäischen Wissenschaften“
4.1.1 Husserls Krisis-Schrift
4.1.2 Voegelins Kritik des Husserlschen Geschichtsbildes
4.1.3 Voegelins Einwände gegen die Fortschrittsgeschichte
4.1.4 Voegelins Descartes-Deutung
4.2 ”Zur Theorie des Bewußtseins“
4.2.1 Voegelins Schrift ”Zur Theorie des Bewußtseins“
4.2.2 Kritik von Voegelins Theorie des Bewusstseins
4.3 Die ”anamnetischen Experimente“ Voegelins
5 ”Was ist politische Realität?“ (Anamnesis - Teil III)
5.1 Naturwissenschaft und Politikwissenschaft
5.2 Voegelins Begriff der Realität
5.2.1 Die ”Spannung zum Grund“ als Ursprung der Ordnung
5.2.2 Die ”noetische“ Exegese bei Aristoteles
5.2.3 Der Begriff der politischen Realität
5.3 Kritik von Voegelins Realitätsbegriff
5.3.1 Die Verwechselung von gewöhnlichem und spirituellem Realitätsverlust
5.3.2 Die Zirkularität der Begründung von Voegelins Realitätsbegriff
5.3.3 Die Fragwürdigkeit von Voegelins Seinserfahrung
5.4 Die Theorie der sprachlichen Indizes
5.5 Kritik von Voegelins Sprachtheorie
5.6 Die Stufen des Ordnungswissens
5.7 Kritik von Voegelins Bodin- und Camus-Deutung
5.8 Der Leib-Geist-Dualismus in der Theorie der Politik
5.9 Kritik: Die Unerheblichkeit des Leib-Geist Dualismus
5.10 ”Common Sense“ als kompaktes Ordnungswissen
5.11 Kritik: ”Common Sense“ ist kein Ordnungswissen
5.12 Fazit
6 Ergebnis: Das Scheitern von Voegelins Bewusstseinsphilosophie
6.1 Die ungelösten Fundamentalprobleme von Voegelins Ansatz
6.2 Was sind Transzendenzerfahrungen?
7 Die Schlüsselfrage: Braucht Politik spirituelle Grundlagen?
7.1 Spirituelle Wahrheit und politische Ordnung bei Voegelin
7.2 Gibt es spirituelle Sachzwänge?
7.3 Bedarf die Legitimation der politischen Ordnung einer religiösen Komponente?
7.4 Wertbegründung und -konsens in der pluralistischen Gesellschaft
7.5 Sinngebung durch die politische Ordnung?
8 Was bleibt von Eric Voegelin?
8.1 Zum Charakter von Voegelins Philosophie
8.2 Zur Frage der Aktualität von Voegelins Ordnungsentwurf
8.3 Was sollte dennoch bleiben?
Die Arbeit untersucht kritisch die Bewusstseinsphilosophie des Politikphilosophen Eric Voegelin unter besonderer Berücksichtigung seiner These, dass spirituelle Bewusstseinserfahrungen die notwendige Grundlage einer guten politischen Ordnung bilden. Der Autor hinterfragt, ob eine solche religiös-metaphysische Grundlegung für moderne, pluralistische Gesellschaften erstrebenswert oder überhaupt wissenschaftlich haltbar ist.
Die Kritik des Positivismus
Eric Voegelin entwickelte seinen eigenen wissenschaftlichen Ansatz in ausdrücklicher Opposition zu den herkömmlichen Vorgehensweisen in den Sozialwissenschaften, wobei er sich insbesondere gegen die ”szientistischen“ Ansätze in den Gesellschaftswissenschaften wandte. Diese kritische Seite der wissenschaftlichen Neuorientierung, die Voegelin in der ”Neue[n] Wissenschaft der Politik“ vornimmt, betrifft das an den Naturwissenschaften orientierte Methodenideal des Positivismus sowie die von Max Weber aufgestellte Forderung der Wertfreiheit der Wissenschaft.
Voegelin unternimmt in der ”Neuen Wissenschaft der Politik“ nicht die Auseinandersetzung mit einer bestimmten, elaborierten positivistischen Wissenschaftstheorie. Es geht ihm vielmehr um die Charakterisierung der geistesgeschichtlichen Strömung des Positivismus und um die Kritik des geistigen Klimas, welches diese Strömung in den Gesellschaftswissenschaften hervorgerufen hat. Den Begriff des Positivismus fasst Voegelin dabei vergleichsweise weit. Seiner skizzenhaften historischen Darstellung zufolge ging der Positivismus aus der Rezeption der Newtonschen Physik durch die Aufklärer hervor und lief von diesem Ausgangspunkt über Auguste Comte als seinem ersten vorläufigen Höhepunkt fort bis zur Entwicklung der Methodologie am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Methodologie trägt als eine skeptische und ideologiekritische Erscheinung allerdings auch schon den Keim der Gegenbewegung in sich.
Das positivistische Denken führt nach Voegelins Ansicht dazu, dass als Untersuchungsgegenstand der Wissenschaft nur noch dasjenige zugelassen wird, was sich mit einem bestimmten Kanon quasi-naturwissenschaftlicher Methoden erfassen lässt. Hierdurch wird in Voegelins Augen die Relevanzordnung der Wissenschaft geradezu umgekehrt. Denn anstatt dass das Thema bzw. die wissenschaftliche Fragestellung vorgegeben ist und der Wissenschaftler sich nun nach den geeigneten Methoden zur Bearbeitung dieses Themas umsieht, gibt nach dem positivistischen Wissenschaftsverständnis der Methodenkatalog vor, welche Fragen überhaupt gestellt werden können.
1 Vorwort zur Buchausgabe: Der Autor erläutert das wachsende Interesse an Voegelin und begründet seine kritische Distanz zu dessen religiös-politischer Theorie.
2 Einleitung: Es werden das Thema, die Methode der rationalen Rekonstruktion sowie die Quellenlage des Buches dargelegt.
3 Die Grundzüge von Voegelins Philosophie: Einführung in Voegelins Kritik des Positivismus, seine Geschichtsdeutung und sein Verständnis von Politik als Ordnungswissenschaft.
4 Voegelins Bewusstseinsphilosophie (”Anamnesis“ – Teil I): Analyse von Voegelins Auseinandersetzung mit Husserl sowie Darstellung seines eigenen bewusstseinsphilosophischen Entwurfs.
5 ”Was ist politische Realität?“ (Anamnesis - Teil III): Kritische Untersuchung von Voegelins Realitätsbegriff, seiner Sprachtheorie und des Konzepts des ”Common Sense“.
6 Ergebnis: Das Scheitern von Voegelins Bewusstseinsphilosophie: Zusammenfassung der Fundamentalprobleme von Voegelins Ansatz, insbesondere bezüglich des Begriffs der spirituellen Erfahrung.
7 Die Schlüsselfrage: Braucht Politik spirituelle Grundlagen?: Diskussion der Notwendigkeit religiöser Legitimation und Wertbegründung in einer pluralistischen Gesellschaft.
8 Was bleibt von Eric Voegelin?: Abschließende Betrachtung des wissenschaftlichen Erbes Voegelins und der heutigen Aktualität seines Denkens.
Eric Voegelin, Bewusstseinsphilosophie, Politische Philosophie, Anamnesis, Gnosis, Politische Realität, Transzendenzerfahrung, Ordnungswissenschaft, Positivismuskritik, Säkularisierung, Politische Legitimation, Pluralismus, Noetische Exegese, Symbolismus.
Die Arbeit bietet eine fundierte kritische Auseinandersetzung mit der Bewusstseinsphilosophie und dem politischen Ordnungsentwurf von Eric Voegelin, wobei dessen zentrales Postulat einer religiösen Fundierung politischer Ordnung hinterfragt wird.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Begriffe der spirituellen Erfahrung, der Gnosis als Zeitkritik, die Theorie der sprachlichen Indizes und die Frage der politischen Legitimität in pluralistischen Demokratien.
Das Ziel ist es, Voegelins Systematik rational zu rekonstruieren und zu prüfen, ob sein Anspruch, eine wissenschaftliche Grundlage für eine humane und totalitarismusresistente Ordnung zu liefern, bei gleichzeitiger Ablehnung positivistischer Methoden haltbar ist.
Der Autor wendet die Methode der rationalen Rekonstruktion an, bei der die Thesen Voegelins anhand einzelner Texte analysiert und in eine intermittierende Detailkritik eingebettet werden.
Der Hauptteil widmet sich einer tiefgreifenden Detailkritik der Schriften Voegelins, insbesondere der ”Anamnesis“, sowie einer allgemeinen Untersuchung der Frage, ob politische Ordnung spirituelle Grundlagen erfordert.
Schlüsselwörter sind unter anderem Bewusstseinsphilosophie, Politische Realität, Gnosis, Transzendenzerfahrung und politische Ordnung.
Da Voegelins Denken den Versuch unternimmt, Politik religiös zu legitimieren, bietet die Kritik eine wichtige Auseinandersetzung mit der Frage, wie liberale Demokratien ihren Konsens ohne den Rückgriff auf metaphysische oder spirituelle Absolute sichern können.
Der Autor bewertet diese als wissenschaftlich unzureichend, da sie eher den Charakter persönlicher Besinnungen haben und keine intersubjektiv nachvollziehbaren Kriterien für die Gültigkeit von spirituellen Erfahrungen bieten.
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