Masterarbeit, 2020
115 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Chronobiologie
2.1 Körperzeit
2.1.1 Funktionen
2.1.2 Rhythmen und die innere Uhr
2.1.3 Chronotypen
2.1.4 Zeitgeber
2.2 Rhythmusstörungen
2.2.1 Faktor Stress
2.2.2 Faktor Schlaf
2.3 Kritik
3 Soziologische Zeitbetrachtung
3.1 Soziale Zeit
3.1.1 Zeiträume
3.1.2 Eigenzeit
3.1.3 Synchronisation
3.1.4 Zeittypen
3.2 Negative Zeitauswirkungen
3.2.1 Gesellschaft und Individuum
3.2.2 Beschleunigung
3.2.3 Desynchronisierung
3.2.4 Pathologie der Zeit
3.3 Kritik
4 Psychologie und Psychiatrie des Zeitgefühls
4.1 Innere Zeit
4.1.1 Wahrnehmung von Dauer
4.1.2 Zeiträume
4.2 Zeitpathologie
4.2.1 Zeittypen
4.2.2 Psychosen
4.2.3 Depressionen
4.3 Kritik
5 Philosophisches Zeitbewusstsein
5.1 Zeitanalyse
5.2 Zeitstörungen
5.2.1 Zeittypen
5.2.2 Entkopplungen
5.2.3 Zeitigungsstörung
5.3 Kritik
6 Interdisziplinäre Zeitessenzen
6.1 Zeitwahrnehmung
6.2 Funktionen
6.3 Zeitraumkonzepte
6.4 Moderne Entwicklungen
6.5 Krankhafte Zeitwahrnehmung
6.6 Zeithilfen
6.7 Kritik
7 Sozialpsychiatrische Beratungsgrundlagen
7.1 Haltung
7.2 Fachwissen
7.3 Methoden
7.4 Kritik
8 Zeitsynthese im Beratungskontext
8.1 Zeit-Haltungen
8.1.1 Zeit-Ethik
8.1.2 Zeit-Bildung
8.1.3 Zeit-Reflexion
8.1.4 Zeit-Haltungsaspekte
8.2 Zeit-Fachwissen
8.2.1 Zeitwahrnehmung bei psychischen Erkrankungen
8.2.2 Bewältigungsstrategien
8.2.3 Zeit-Rahmen
8.3 Zeit-Methoden
8.3.1 Erhebung zeitdiagnostischer Daten
8.3.2 Psychoedukation
8.3.3 Arbeit mit Zeitraumkonzepten
8.3.4 Systemische Zeit-Fragen
8.3.5 Gruppenübung
9 Fazit
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Zeitwahrnehmung für die professionelle Beratungspraxis von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, interdisziplinäre Erkenntnisse aus Chronobiologie, Soziologie, Psychologie, Psychiatrie und Philosophie zu bündeln, um eine zeitsensitive Beratungsarbeit zu etablieren, die das Zeiterleben als wesentlichen Faktor in den Beratungsprozess integriert.
4.2.2 Psychosen
Bei einer Psychose ist das Denken, Fühlen, Empfinden zum eigenen Körper und der Kontakt zu anderen Menschen verändert, es fällt schwer zwischen der Wirklichkeit und der eigenen, subjektiven Wahrnehmung zu unterscheiden.
Die Kernsymptome einer Psychose sind:
- Positive Symptome (Wahn, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen mit den jeweils dazugehörigen Einzelsymptomen),
- Negative Symptome (Antriebsarmut, sozialer Rückzug),
- Kognitive Symptome (Denkstörungen, neurokognitive Symptome).90
Die Zeitperspektive (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) ist bei Psychosen verändert.91 Mitterauer erklärt das mit dem Verlust der Selbstgrenze am Beispiel der Schizophrenie. Er geht davon aus, dass auf Molekularebene unbalancierte Synapsen einen permanenten Informationsfluss in Gang halten. Diese entstehen, wenn nicht-codierte Introne bei der RNA-Synthese dort verbleiben und funktionsunfähige Proteine produzieren. Dieser Fluss führt zu einer Störung des Zeitgefühls, zu einem "ewigen Jetzt".92 Und damit verbunden zu dem Gefühl, die Zeit befinde sich nur in einem Zeitraum, beispielsweise der Gegenwart. Die anderen Zeiträume werden unscharf und werden nicht wahrgenommen.
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz des Zeitgefühls für die Soziale Arbeit und Definition der Forschungsfrage.
2 Chronobiologie: Untersuchung körperlicher Rhythmen, der inneren Uhr und der Auswirkungen von Stress und Schlaf auf das biologische Zeitgleichgewicht.
3 Soziologische Zeitbetrachtung: Analyse der sozialen Zeit, ihrer Beschleunigungstendenzen und der Entstehung von Desynchronisierungsprozessen zwischen Gesellschaft und Individuum.
4 Psychologie und Psychiatrie des Zeitgefühls: Darstellung pathologischer Zeitmuster bei psychischen Störungen wie Psychosen und Depressionen.
5 Philosophisches Zeitbewusstsein: Reflexion über Zeitstrukturen mittels einer Zeitanalyse und Untersuchung von Zeitigungsstörungen.
6 Interdisziplinäre Zeitessenzen: Bündelung der Erkenntnisse aus den verschiedenen Disziplinen zur Bedeutung der Zeitwahrnehmung und ihrer Funktionen.
7 Sozialpsychiatrische Beratungsgrundlagen: Definition der professionellen Haltung, des Fachwissens und der Methoden für die psychiatrische Beratungsarbeit.
8 Zeitsynthese im Beratungskontext: Übertragung der interdisziplinären Zeitessenzen auf die praktische Haltung, das Fachwissen und die Methoden der Sozialen Arbeit.
9 Fazit: Zusammenfassende Bilanzierung der Ergebnisse und Ausblick auf die Relevanz der zeitsensitiven Arbeit.
Zeitwahrnehmung, Beratung, Psychische Erkrankungen, Soziale Arbeit, Interdisziplinarität, Chronobiologie, Eigenzeit, Beschleunigung, Desynchronisierung, Zeitdiagnose, Zeitigung, Psychoedukation, Biografieforschung, Systemische Beratung.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen mit psychischen Erkrankungen Zeit wahrnehmen und welche Bedeutung dieses Zeiterleben für die professionelle Beratung in der Sozialen Arbeit hat.
Die zentralen Themen sind die biologischen, soziologischen, psychologischen und philosophischen Grundlagen des menschlichen Zeitverständnisses sowie deren praktische Anwendung in der psychiatrischen Beratung.
Das Ziel ist die Etablierung eines "zeitsensitiven" Beratungsansatzes, der hilft, Klienten bei der Synchronisation ihres Lebensrhythmus und der Bewältigung von zeitbezogenen Krisen zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und hermeneutischen Verfahren, um das Verständnis von Zeit über verschiedene Disziplinen hinweg interdisziplinär zu synthetisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Betrachtung der Zeit aus der Sicht von Biologie, Soziologie, Psychologie und Philosophie sowie deren konkrete Anwendung in Beratungskontexten.
Wesentliche Begriffe sind Zeitwahrnehmung, Beschleunigung, Desynchronisierung, Zeit-Ethik, Psychoedukation und die praktische Anwendung durch systemische Zeitfragen.
Während bei Depressionen häufig eine Verlangsamung und ein übermächtiger Vergangenheitsbezug dominiert, ist das Zeiterleben bei Psychosen oft durch Konfusionszustände, ein "ewiges Jetzt" oder extreme Zeitdehnungen/-raffungen gekennzeichnet.
Die Zeithaltung ermöglicht es Beratenden, ihre eigenen zeitlichen Muster zu reflektieren, um Klienten besser zu verstehen und professionelle Unterstützung bei der Strukturierung des Alltags zu leisten.
Es handelt sich um eine Erweiterung der klassischen Sozialdiagnostik um den Faktor Zeit, bei der Lebensbereiche wie Tagesstruktur und persönliches Zeitempfinden explizit erfasst werden, um passgenaue Hilfsangebote zu entwickeln.
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