Bachelorarbeit, 2017
45 Seiten, Note: 1,2
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Gemeinsame Grundlage: Aristoteles’ Poetik
3. Historische Hintergründe
3.1 Lessing im gesellschaftlichen Umbruch der Aufklärung
3.2 Brecht in der beginnenden Moderne
4. Die Theorien
4.1 Wirkung und Ziele
4.1.1 Katharsis und Distanz
4.1.2 Vergnügungs- oder Lehrtheater
4.2 Methoden
4.2.1 Dramenaufbau
4.2.2 Einfühlung und Identifikation
4.2.3 Verfremdung und Verwunderung
4.3 Musik und andere technische Mittel
5. Stil und Stoßrichtung der Argumentation
5.1 Gemeinsame Einflüsse
5.2 Lessings Einfluss auf Brecht
6. Fazit: Brüder im Geiste?
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Verhältnis zwischen Gotthold Ephraim Lessing und Bertolt Brecht, um zu klären, ob ihre Theatertheorien trotz offensichtlicher Gegensätze in einer gemeinsamen Tradition stehen. Dabei wird der Frage nach Gemeinsamkeiten, insbesondere im Hinblick auf den Ausgang aus der Unmündigkeit, sowie möglichen wechselseitigen Einflüssen nachgegangen.
4.1.1 Katharsis und Distanz
Wie bei vielen anderen Punkten beruft sich Lessing auch bei der Wirkungsabsicht des Dramas auf Aristoteles. So soll es nach der damaligen Übersetzung Mitleid und Schrecken hervorrufen. Auch Lessing verwendet lange diese Übersetzung, ändert seine Meinung aber im 74. Stück der Hamburgischen Dramaturgie, wo er feststellt, dass hier ein Übersetzungsfehler vorliege. Statt Schrecken sei nämlich Furcht der passendere Terminus (vgl. HD, S. 553), da Schrecken nur eine plötzliche, überraschende Furcht sei. Das aber habe Aristoteles nicht gemeint, stattdessen verstand er unter phóbos eine Furcht, welche aus unserer Ähnlichkeit mit der leidenden Person für uns selbst entspringt; es ist die Furcht, daß die Unglücksfälle, die wir über diese verhänget sehen, uns selbst treffen können; es ist die Furcht, daß wir der bemitleidete Gegenstand selbst werden können. (HD, S. 556)
Kurz: Die Furcht ist „das auf uns selbst bezogene Mitleid.“ (HD, S. 557) Damit ist sie also etwas Tiefergehendes als bloßer Schrecken, der nur punktuell und akut auftritt, während uns die Furcht durchaus über einen längeren Zeitraum verfolgen und unser Handeln bestimmen kann. Weiterhin steht es für Lessing außer Frage, dass diese beiden Erregungen nur zusammen auftreten können und niemals getrennt voneinander, wie es z.B. Corneille in seinen Ausführungen betont hat: „Mitleidige Regungen, ohne Furcht für uns selbst, nennt er [Aristoteles, Anm. d. Verf.] Philanthropie.“ (HD, S. 563) Gleichzeitig ist die Erregung von Furcht ganz ohne Mitleid schlicht nicht möglich, da wir uns vor nichts fürchten würden, was nicht auch unser Mitleid erregt, wenn es jemand anderem widerfahren würde.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung der beiden Protagonisten und Darlegung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2. Gemeinsame Grundlage: Aristoteles’ Poetik: Analyse des Einflusses von Aristoteles als fundamentale Autorität für das Dramenverständnis sowohl von Lessing als auch von Brecht.
3. Historische Hintergründe: Einordnung beider Autoren in ihre jeweiligen, von Umbrüchen und gesellschaftlichem Wandel geprägten Epochen.
4. Die Theorien: Detaillierte Untersuchung von Wirkung, Zielen, Methoden sowie technischen Mitteln in der Dramentheorie beider Autoren.
5. Stil und Stoßrichtung der Argumentation: Analyse der diskursiven Strukturen und der gegenseitigen oder gemeinsamen Einflüsse wie Shakespeare und Diderot.
6. Fazit: Brüder im Geiste?: Abschließende Beantwortung der Ausgangsfrage, ob Lessing und Brecht trotz unterschiedlicher Ansätze eine gemeinsame Tradition teilen.
Theater, Lessing, Brecht, Aristoteles, Dramentheorie, Aufklärung, Episches Theater, Katharsis, Verfremdung, Identifikation, Mimesis, Wahrscheinlichkeit, Schauspielkunst, Moral, Unmündigkeit
Die Arbeit vergleicht die Theatertheorien von Gotthold Ephraim Lessing und Bertolt Brecht, um aufzuzeigen, dass sie trotz unterschiedlicher Ansätze in einer gemeinsamen Tradition stehen.
Im Fokus stehen die Wirkungsabsicht des Dramas, der Aufbau von Stücken, die Konzeption von Figuren sowie der Einsatz von Technik und Musik zur Zuschauerbeeinflussung.
Die Arbeit untersucht, ob Gemeinsamkeiten zwischen den Theorien bestehen und ob Lessing einen Einfluss auf Brecht ausgeübt hat, um zu beurteilen, ob beide als „Brüder im Geiste“ gelten können.
Es wird ein systematischer Vergleich auf Basis einer Einzelanalyse der Primärtexte (Lessings Hamburgische Dramaturgie und Brechts Schriften zum Theater) vorgenommen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Wirkungsabsichten (Katharsis vs. Distanz), dramaturgische Methoden, die Rolle der Fabel sowie die argumentative Struktur der Texte.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Theater, Aufklärung, Episches Theater, Katharsis, Verfremdung, Identifikation, Mimesis und Unmündigkeit.
Sowohl Lessing als auch Brecht erkennen Aristoteles als Autorität und Begründer der Dramentheorie an, wenngleich sie ihn für ihre Zwecke unterschiedlich interpretieren oder gezielt weiterentwickeln.
Während Lessing auf Identifikation und Einfühlung setzt, um eine kathartische Wirkung zu erzielen, zielt Brecht mit der Verfremdung auf Distanz und eine kritische Reflexion des Zuschauers ab.
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