Bachelorarbeit, 2020
51 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Stationäre Unterbringung
2.1 Kinder- und Jugendhilfe
2.2 Familie
2.3 Fachkräfte
2.4 Heimerziehung
3 Kinderrechte & Elternpflichten
3.1 Pflichten zur Erziehung eines Kindes
3.2 Besonderheiten der Rechtslage zur Jugendarbeit
3.3 Besonderheiten der Rechtslage zur Heimerziehung (KJHG)
4 Das System Familie
4.1 Die Familie von Heimkindern
4.2 Situation der Familien
4.3 Systemische Blickweise auf Individuum und Familie
5 Eltern- und Familienarbeit
5.1 Definition von Familienarbeit
5.2 Notwendigkeit und Ziele von Eltern- und Familienarbeit
5.3 Qualifikation der pädagogischen Mitarbeiter*innen für Eltern- und Familienarbeit
5.4 Haltung der Mitarbeiter*innen
6 Methoden und Konzepte für gelingende Kooperation
6.1 Informelle Elterngespräche
6.2 Formelle Elterngespräche
6.3 Familientherapie
6.4 Hausbesuche
6.5 Family Group Conference
6.6 Familienarbeit ohne Familie
7 Probleme, Hindernisse und Grenzen der Kooperation
8 Empfehlung für eine gelingende Kooperation zwischen Fachkräften und Familie
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Beitrag, den eine gelingende Kooperation zwischen pädagogischen Fachkräften und den Herkunftsfamilien für die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen leistet. Ziel ist es, die Notwendigkeit dieser Zusammenarbeit vor dem Hintergrund systemischer Ansätze aufzuzeigen, Hindernisse zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten.
6.5 Family Group Conference
Die Family Group Conference ist ein Verfahren zur Hilfeplanung, welches bereits in den 80er Jahren entwickelt wurde. Diese Methode wird auch Familienrat, Familiengruppenkonferenz, Verwandtschaftsrat und Family Group Decisionmaking genannt. Trotz vieler Namen ist diese Methode vom Aufbau her gleich. Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden für die Family Group Conference die Abkürzung FGC verwendet.
Das Modell FGC stammt ursprünglich aus Neuseeland. Budde und Früchtel von der Universität Bamberg sind die Entdecker der FGC in Deutschland. Sie haben durch ihre Arbeit dazu beigetragen, dass die FGC in der deutschen Jugendhilfe Thema wurde (Hampe-Grosser, A. 2007, S.1). Sie beschreiben die FGC mit folgenden Worten: „Der Familienrat ist ein Hilfeplanverfahren, das konstruktive Bewegung in Familiensysteme bringen kann, die sich in Überforderungsgefühlen und Hoffnungslosigkeit ‚festgefahren‘ haben. Gleichermaßen wird aber Vorhandenes gestärkt, weil die Potenziale privater Netzwerke und die Problemlösungskultur der Familie genutzt werden. Man ist bei der Planentwicklung unter sich und ungesteuert vom professionellen Hilfesystem (…).“ (Früchtel & Budde, 2009, S.2). FGC schafft die Veränderung einer Haltung und die daraus resultierende Organisation von Hilfeplanung (Hampe-Grosser, 2007, S.2).
Aktuell wird in Deutschland ein Hilfeplanverfahren nach §36 SGB VIII angewendet. Die geforderten Richtlinien dieser Hilfeplanung bringen die Sozialarbeiter*innen in eine Handlungserwartung: einerseits „die Funktion des staatlichen Wächteramtes“ wahrzunehmen und die „Gewährleistung des Kindeswohls sicherzustellen“ (Hansbauer, Hensen, Müller, & Spiegel, 2009, S.16). Grundsätzlich kann die FGC in allen Bereichen angewendet werden, in denen Familien eine Veränderung wollen. In der FGC liegt der Fokus auf der Einbindung der sozialen Netzwerke der betroffenen Familie und deren eigenständige Erarbeitung einer Lösung. Mithilfe der FGC können Ressourcen im Sozialraum besser erkannt werden, um sie für die Hilfeplanung nutzen zu können. Hier wird von einer „mehrdimensionalen Sichtweise“ gesprochen (Hansbauer, 2009, S. 21). Dies kann eine veränderte Situationswahrnehmung begünstigen sowie die Identifizierung mit Zielvereinbarungen erleichtern (Hansbauer, 2009, S.13ff.). In der FGC gibt es fünf Phasen:
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Bindungstheorie und die Anforderungen an die Heimerziehung ein und formuliert die zentrale Leitfrage der Arbeit.
2 Stationäre Unterbringung: Dieser Abschnitt definiert die Rahmenbedingungen der stationären Unterbringung und erläutert die Rollen von Kinder- und Jugendhilfe, Familie und den agierenden Fachkräften.
3 Kinderrechte & Elternpflichten: Es werden die rechtlichen Grundlagen der Kinderrechte und die Erziehungspflichten der Eltern sowie die gesetzlichen Besonderheiten der Heimerziehung (KJHG) erörtert.
4 Das System Familie: Dieser Teil betrachtet die Familie aus einer systemischen Perspektive, analysiert die Situation betroffener Familien und hinterfragt das Verständnis von Individuum und Familiendynamik.
5 Eltern- und Familienarbeit: Hier werden Definitionen, Notwendigkeiten, Ziele sowie die fachliche Qualifikation und Haltung der Mitarbeiter*innen für eine gelingende Familienarbeit diskutiert.
6 Methoden und Konzepte für gelingende Kooperation: Vorstellung verschiedener methodischer Ansätze wie Elterngespräche, Familientherapie, Hausbesuche und die Family Group Conference.
7 Probleme, Hindernisse und Grenzen der Kooperation: Kritische Auseinandersetzung mit strukturellen und persönlichen Barrieren, die eine effektive Kooperation zwischen Fachkräften und Familien erschweren oder verhindern.
8 Empfehlung für eine gelingende Kooperation zwischen Fachkräften und Familie: Zusammenfassung von praktischen Anregungen zur Verbesserung der Prozessqualität, der Elternrolle, der Transparenz und der Kommunikation in der stationären Jugendhilfe.
Heimerziehung, Familienarbeit, Kooperation, Jugendhilfe, Kindeswohl, Systemische Pädagogik, Elternarbeit, Hilfeplanung, Bindungstheorie, Familiendynamik, Erziehungspartnerschaft, Biografiearbeit, Partizipation, Sozialpädagogik, Fremdunterbringung
Die Arbeit befasst sich mit der essenziellen Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften in stationären Einrichtungen und den Herkunftsfamilien der dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen.
Zu den Schwerpunkten gehören das systemische Verständnis von Familie, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Heimerziehung, die Methodik der Elternarbeit und die Analyse von Hindernissen, die eine Kooperation erschweren.
Die zentrale Leitfrage ist, welchen Beitrag eine gelingende Kooperation von Fachkräften und Familie zur Verbesserung der Lebenssituation der betroffenen Kinder und Jugendlichen innerhalb der Einrichtung leistet.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine fundierte Literaturrecherche, um den Stand der wissenschaftlichen Debatte und die Anwendung systemischer Ansätze in der stationären Jugendhilfe aufzuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert das Familiensystem, definiert Familienarbeit, stellt konkrete Kooperationsmethoden vor und beleuchtet kritisch die Probleme und Grenzen der Zusammenarbeit.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Heimerziehung, Familienarbeit, Kooperation, Kindeswohl, Systemische Pädagogik und Partizipation maßgeblich charakterisiert.
Die FGC legt den Fokus auf die Einbindung des sozialen Netzwerkes der Familie und deren eigenständige, ungesteuerte Lösungserarbeitung, statt rein vom professionellen Hilfesystem gesteuert zu sein.
Eine respektvolle und wertschätzende Haltung der Fachkräfte ist Grundvoraussetzung, um Eltern als Partner zu gewinnen und bei ihnen eine Reflexionsbereitschaft zu schaffen, die für den Hilfeprozess notwendig ist.
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