Masterarbeit, 2019
103 Seiten, Note: 1,90
I. Einleitung
1. Thema und Fragestellung
1.1 Forschungsfrage
2. Forschungsstand
II. Hauptteil Theorie
1. Methodik/Forschungsstrategie
1.1 Das theoretische Sampling
1.2 Forschungshaltung
1.3 Gütekriterien
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Interaktion/Kommunikation
2.2 Vorurteile
2.3 Der Anti-Bias Ansatz
3. Konzeptualisierung
III. Hauptteil Praxis
1. Theoretisches Sampling
2. Ehrenamtliche im Fokus (1. Fall)
2.1 Offenes Kodieren
2.2 Axiale Kodierung
3. Stand der Praxis am Beispiel der Caritas (2. Fall)
3.1 Offenes Kodieren
3.2 Axiale Kodierung
4. „Traumatisierte Flüchtlinge“ (3. Fall)
4.1 Offenes Kodieren
4.2 Axiale Kodierung/Axial coding
5. „Kommunale Flüchtlingsdialoge“ (4. Fall)
5.1 Offenes Kodieren
5.2 Axiale Kodierung
6. Teilnehmende Beobachtung (5. Fall)
6.1 Offenes Kodieren
IV. Ergebnisse und Diskussion
1. Das Interaktionskonzept
1.1 Objektmachung als Prozess
2. Das Diskriminierungskonzept
3. Das Veränderungskonzept
4. Methodenreflexion
V. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion von Bias-Strukturen in der Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren der Flüchtlingshilfe, wie Ehrenamtlichen, Institutionen und der Politik. Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für diese unbewussten Vorurteilsprozesse zu entwickeln und auf Basis einer ethnografischen Forschungsstrategie sowie der Grounded Theory Handlungsansätze zu generieren, die zu einer diskriminierungskritischen Haltung beitragen.
1. Thema und Fragestellung
Ein seit September 2015 dominantes politisches und gesellschaftliches Thema ist die andauernde Migrationsbewegung aus den Ländern des Nahen Ostens sowie Afrika. Ziel der meisten Flüchtlinge, die vor Krieg, Armut und Verfolgung ihre Heimatländer gen Europa verlassen, ist Deutschland.
Obwohl die Zahlen rückläufig sind, steht die seinerzeit von Angela Merkel vorangetriebene Politik „der offenen Tür“ in scharfer Kritik. Argumente wie Geflüchtete seien eine Bereicherung für die Gesellschaft und deshalb willkommen zu heißen finden wenig Widerhall. Sobald eine Steigerung der Kriminalität in Verbindung mit Ausländern steht, wird oft nicht mehr danach gefragt, ob dies europäische Ausländerinnen waren oder Schutzsuchende. Allgemein kann gesagt werden, dass sich in der deutschen Gesellschaft eine Flüchtlingsdebatte entwickelt hat, die meistens auf der Grundlage von Vorurteilen geführt wird und die Situation der in Deutschland lebenden Geflüchteten wenig in den Blick nimmt. So werden beispielsweise die Geflüchteten nicht mit dringend benötigten Therapieplätzen versorgt. Andererseits gab es ab 2015 auch eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung.
Auch in meiner Wahlheimat sind im September 2015 viele Geflüchtete angekommen. Ich selbst habe mich seinerzeit mit hohem Einsatz für diese Menschen engagiert. Zur gleichen Zeit nahm ich an einer Weiterbildung zum Thema Bias teil. Bias lässt sich nicht mit einem Wort ins Deutsche übersetzen, weil der Begriff sowohl personell als auch strukturell gedacht wird. Bias bedeutet zum einen Vorurteil, bezeichnet aber auch eine gesellschaftliche Schieflage, die durch internalisierte Machtverständnisse existiert und zu Diskriminierung führt. So war es naheliegend, das ehrenamtliche oder freiwillige Engagement in der Flüchtlingsarbeit aus der Bias-Perspektive zu erforschen. Die Bias-Theorie geht davon aus, dass kein Mensch frei von Vorurteilen ist, die Welt aber eine friedlichere wäre, wenn sich die Menschen ihrer Vorurteile bewusstwerden und diese reflektieren können.
I. Einleitung: Einführung in die aktuelle Migrationssituation in Deutschland ab 2015 und Herleitung der Forschungsfrage im Kontext von Vorurteilen und Bias.
II. Hauptteil Theorie: Darstellung der methodischen Strategien wie Grounded Theory und Ethnografie sowie theoretische Auseinandersetzung mit den Themen Kommunikation, Vorurteile und dem Anti-Bias-Ansatz.
III. Hauptteil Praxis: Praktische Analyse und Fallrekonstruktionen zu unterschiedlichen Handlungstypen in der Flüchtlingshilfe, von Ehrenamtlichen bis hin zur Politik.
IV. Ergebnisse und Diskussion: Synthese der Ergebnisse, Reflexion der erarbeiteten Konzepte zu Interaktion, Diskriminierung und Veränderung im Kontext der Forschungsfrage.
V. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten mit Fokus auf die Perspektive von Geflüchteten.
Flüchtlingshilfe, Ehrenamt, Bias, Interaktion, Diskriminierung, Vorurteile, Grounded Theory, Ethnografie, Machtverhältnisse, Integration, Anti-Bias-Ansatz, Paternalismus, Objektmachung, Selbstreflexion, Kommunikation.
Die Arbeit untersucht, wie in der Flüchtlingshilfe Vorurteile und Bias-Strukturen in der Interaktion zwischen Helfenden (Ehrenamtliche, Institutionen, Politik) und Geflüchteten wirken.
Zu den Kernbereichen gehören die Analyse von Diskriminierungsprozessen, das ehrenamtliche Engagement, die theoretische Fundierung durch den Anti-Bias-Ansatz sowie die Reflexion über Machtverhältnisse.
Ziel ist es, durch die Rekonstruktion von Bias-Strukturen Werkzeuge und ein besseres Verständnis zu entwickeln, um Diskriminierung zu reduzieren und eine gleichberechtigte Integration zu fördern.
Die Arbeit basiert auf einer ethnografischen Forschungsstrategie kombiniert mit der Grounded Theory, um durch einen iterativ-zyklischen Prozess Theorien aus empirischen Daten zu generieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Kommunikation und Vorurteilen sowie einen Praxisteil mit Fallrekonstruktionen zu verschiedenen Handlungstypen in der Flüchtlingshilfe.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Flüchtlingshilfe, Bias, Interaktion, Diskriminierung, Machtverhältnisse und der Anti-Bias-Ansatz.
Das Modell zeigt den Zusammenhang zwischen persönlicher Haltung, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und diskriminierenden Ausgrenzungspraktiken auf, wobei Vorurteile als integraler Bestandteil sozialer Strukturen verstanden werden.
In Anlehnung an Sigrid Nolda wird Interaktion als wechselseitige Beeinflussung unter Kopräsenz der Beteiligten verstanden, während Kommunikation als allgemeinerer Oberbegriff betrachtet wird.
Es dient dazu, die Lernprozesse und die psychologische Verfasstheit von Akteuren zu analysieren, wobei die Lernzone als der Bereich identifiziert wird, in dem konstruktive Auseinandersetzungen mit Macht und Privilegien stattfinden können.
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