Bachelorarbeit, 2020
105 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Stereotyp
2.2. Stereotypformen
3. Hypothesen zum Prestige und Stigma von Dialekten
4. Das sprachbiographische Interview
4.1. Die Methode: Vor- und Nachteile
4.2. Durchführung
4.3. Auswertung
5. Interviewergebnisse
5.1. Katharina
5.2. Kian
5.3. Nora
5.4. Torsten
5.5. Sten
6. Stereotype im Dialektkonzept Sächsisch
7. Fazit und Forschungsausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stereotype innerhalb des Dialektkonzepts "Sächsisch" bei linguistischen Laien aus dem norddeutschen und sächsischen Sprachraum. Ziel ist es, durch die Analyse sprachbiographischer Interviews aufzudecken, welche kognitiven Repräsentationen und außersprachlichen Assoziationen zur negativen Bewertung des sächsischen Dialekts führen und inwiefern diese Stereotype trotz gegenteiliger persönlicher Erfahrungen Bestand haben.
1. Einleitung
„Die „schlimmsten“ Dialekte sind Sächsisch, Thüringisch und Bayrisch, wobei sich Sachsen durch große Lautstärke besonders hervortuen, es ist möglich, daß sie denken sie hätten den schönsten und besten Dialekt und alle anderen müßten das hören. Wenn ich das Sächsisch höre, dann macht es klick – aha die „Zonis“ sind unterwegs.“ (Verfasser unbekannt)
Das obige Zitat ist einem Internetforum aus dem Jahr 2005 entnommen und untermauert auf den ersten Blick die Umfrageergebnisse diverser Beliebtheitsstudien zu deutschen Dialekten. Demnach führt Sächsisch stets die Tabelle der unbeliebtesten Dialekte an (vgl. Stickel/Volz 1999: 31 & Plewnia/Rothe 2012: 27), wenngleich sämtliche Umfragen zur Beliebtheit von Dialekten erhebliche methodische Mängel aufweisen (vgl. Hundt 2011: 80 – 88).1 Ein wesentlicher Kritikpunkt an Umfragen zur Beliebtheit von Dialekten ist, dass das aufgerufene Dialektkonzept des Laien bei der Bewertung stets unklar bleibt.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der dialektologischen Wahrnehmungsforschung ein und formuliert die Fragestellung basierend auf dem methodischen Mangel herkömmlicher Beliebtheitsumfragen.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie der Stereotypenbegriff sowie verschiedene Stereotypformen definiert, um ein theoretisches Fundament für die anschließende Analyse zu schaffen.
3. Hypothesen zum Prestige und Stigma von Dialekten: Das Kapitel erläutert wissenschaftliche Hypothesen zur Entstehung von Prestige und Stigma bei Sprachvarietäten, insbesondere unter Einbeziehung außersprachlicher Faktoren.
4. Das sprachbiographische Interview: Vorstellung und methodologische Einordnung des sprachbiographischen Interviews als qualitative Untersuchungsmethode inklusive einer Reflexion über Chancen und Schwächen.
5. Interviewergebnisse: Deskriptive Darstellung der geführten Interviews, getrennt nach den jeweiligen Gewährspersonen, unter Fokus auf deren individuelle Dialektkonzepte und Begründungsansätze.
6. Stereotype im Dialektkonzept Sächsisch: Auswertung, Interpretation und Diskussion der Ergebnisse, wobei die identifizierten Stereotype auf die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Hypothesen angewandt werden.
7. Fazit und Forschungsausblick: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse der Arbeit sowie Beantwortung der Forschungsfragen, ergänzt um Vorschläge für zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Sächsisch, Dialektkonzept, Wahrnehmungsdialektologie, Stereotyp, Heterostereotyp, Autostereotyp, Stigma, Prestige, sprachbiographisches Interview, Normdekrethypothese, Sprachwahrnehmung, Laienlinguistik, soziale Erwünschtheit, Identität, DDR-Assoziation.
Die Arbeit untersucht, welche Stereotype linguistische Laien mit dem sächsischen Dialekt verknüpfen und warum dieser in Beliebtheitsumfragen regelmäßig negativ abschneidet.
Im Mittelpunkt stehen die Wahrnehmungsdialektologie, die Theorie zu Stereotypen sowie der Einfluss von sozialen und historischen Faktoren auf die Dialektbewertung.
Die Forschung fragt danach, welche Stereotype Teil des Dialektkonzepts Sächsisch sind und ob diese als Erklärungsansatz für die beobachtete Negativbewertung in Umfragen dienen können.
Es werden sprachbiographische Interviews als qualitative Methode genutzt, um die individuellen mentalen Konzepte der Probanden offen zu erheben.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die methodische Einordnung, die detaillierte Darstellung der Interviewergebnisse und deren anschließende Interpretation.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Sächsisch, Dialektkonzept, Stereotyp, Wahrnehmungsdialektologie und Normdekrethypothese charakterisieren.
Die Arbeit nutzt die Normdekrethypothese als zentralen Erklärungsansatz, um zu zeigen, dass die Stigmatisierung von Sächsisch durch außersprachliche, soziale und historische Faktoren (wie z.B. DDR-Assoziationen) begründet wird.
Die Arbeit zeigt, dass die Probanden ihre negativen Stereotype aufrechterhalten und die positiven persönlichen Kontakte lediglich als exzeptionelle "Ausnahmen" innerhalb ihres ansonsten starren mentalen Bildes deklarieren.
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