Bachelorarbeit, 2017
38 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Sichtbarkeit
2.1 Das Sinnesorgan Auge
2.2 Sehen, Erkennen und Wahrnehmen
2.2.1 Signale
2.3 Sichtschutz in der Textilwissenschaft
3. Der städtische Raum
3.1 Raum
3.1.1 Öffentlicher und privater Raum
3.2. Großstadt
3.2.1 Definition
3.2.2 Urbanität
3.2.3 Die Stadt und die Fremde
3.2.4 Die Charaktereigenschaften der Großstädter
3.2.5 Öffentlichkeit in der Stadt
4. Anonymität
4.1 Anonymitätsbegriff
4.2 Anonymität in der Großstadt
5. Tarnung
5.1 Die Kunst der Anpassung
5.2 Camouflage
5.2.1 Ursprung der Camouflagetechnik- erster Weltkrieg
5.2.2 Camouflage und zweiter Weltkrieg
5.2.3 Camouflage heute- zwischen Natur, militärischer Strategie, Kunst und Alltagskultur
5.3 Tarnnetze
6. Gestalterische Umsetzung
7. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Anonymität und dem Leben in der Großstadt, um aufzuzeigen, wie textile Gestaltungsprozesse genutzt werden können, um das Bedürfnis nach Unkenntlichkeit im urbanen Raum zu verdeutlichen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie die vorherrschende Anonymität in der Großstadt durch textile Gestaltung verdeutlicht werden kann.
3.2.4 Die Charaktereigenschaften der Großstädter
Reserviertheit, Blasiertheit und Intellektualismus, diese Eigenschaften nennt Georg Simmel in Bezug auf seine Berliner Mitmenschen. Er lehrte dort, in der größten Stadt des dt. Reiches, Berlin, als Privatdozent von 1893 bis 1912. Die Großstadt spielt bei Simmels Soziologie eine maßgebliche Rolle, da sich die Formen der Art und Weise der Beziehungen zwischen Menschen mit der Zahl der beteiligten wandele. So bildet eine Gruppe von gewissem Umfang Maßregeln, Formen und Organe aus, deren es vorher nicht bedarf. Auch, dass engere Kreise Wechselwirkungen und Qualitäten aufweisen, die bei gewisser Erweiterung verloren gehen. Ein weiterer Faktor, neben der Zahl der Beteiligten, der die Form der Wechselbeziehungen zwischen den Individuen bestimmt, ist die Dichte, also die räumliche Nähe bzw. Distanz. Wie wichtig das Sinnesorgan Auge zur Wahrnehmung, gerade in der Großstadt, ist, wurde im vorherigen schon erläutert. So, dass besonders durch die Dichte an kurzen, heftigen, schnell wechselnden Eindrücken, sehr verschiedenartige Eindrücke auf den Betrachter einstürzen und so sein Nervenleben besonders stark gesteigert wird.
Die drei Charaktereigenschaften Reserviertheit, Blasiertheit und Intellektualität, die aus den vorherrschenden Umständen hervortreten lassen sich im Folgenden genauer beschreiben. Reserviertheit entsteht besonders in der Großstadt, da dort der Mensch im ständigen Kontakt mit einer Vielzahl an fremden Menschen ist. Dies zwingt die Großstädter zu einer Distanziertheit. So ist es zum Beispiel so, dass man in einer kleinen Stadt viel weniger Begegnungen mit Menschen hat. Meist sind es dort auch Begegnende, die man kennt und die so weniger innere Reaktionen hervorrufen. Würde der Mensch in der Großstadt demnach keinen inneren Schutz durch Reserviertheit aufbauen, so käme es laut Simmel zu einer inneren Atomisierung, die den Menschen in eine unausdenkbare seelische Verfassung bringen würde.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Anonymität in Großstädten entsteht und welche Rolle Wahrnehmungsprozesse sowie textile Techniken dabei spielen.
2. Sichtbarkeit: Das Kapitel erläutert die physiologischen und wahrnehmungstheoretischen Grundlagen des Sehens und wie Signale und Kleidung als Schutzmechanismen fungieren.
3. Der städtische Raum: Hier werden die soziologischen Definitionen von Raum, Großstadt und Urbanität analysiert, wobei besonders das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Fremde im Fokus steht.
4. Anonymität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Anonymität etymologisch und in seinem spezifischen Bezug zur großstädtischen Lebensweise als schützenden Rückzugsraum.
5. Tarnung: Es werden Strategien der Mimese, Mimikry und Camouflage untersucht, angefangen bei militärischen Anwendungen bis hin zur modernen Symbolik in der Alltagskultur.
6. Gestalterische Umsetzung: Dieser Teil präsentiert künstlerische Arbeiten in Form von Tarnnetzen für spezifische Orte in Dortmund, um das Konzept der Anonymität zu visualisieren.
7. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass Anonymität in der Stadt kein geografisches Produkt ist, sondern durch das Verhalten der Bewohner aktiv konstruiert wird.
Anonymität, Großstadt, Sichtbarkeit, Wahrnehmung, Urbanität, Camouflage, Tarnung, textile Gestaltung, öffentlicher Raum, Privatheit, Identität, Signale, Mimikry, Mimese, Soziologie
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Anonymität in der Großstadt und wie Menschen durch textile Gestaltung oder Tarnung aktiv Einfluss auf ihre Sichtbarkeit und Privatsphäre nehmen können.
Zentrale Themen sind die menschliche Wahrnehmung, soziologische Konzepte des städtischen Raums, die Geschichte der Camouflage und die Anwendung textiler Tarnmethoden in der Kunst.
Die Arbeit widmet sich der Kernfrage: Wie lässt sich die vorherrschende Anonymität in der Großstadt durch textile Gestaltung verdeutlichen?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung soziologischer und kulturwissenschaftlicher Literatur sowie auf eine künstlerische Forschungs- und Umsetzungspraxis.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erörterungen zur Sichtbarkeit, zur Definition des städtischen Raums, zum Anonymitätsbegriff sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit historischen und zeitgenössischen Tarnungsstrategien.
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Anonymität, Großstadt, Urbanität, Camouflage, textile Gestaltung und Wahrnehmung.
Aufgrund der Reizüberflutung und der hohen Dichte an Fremden entwickeln Großstädter Charakteristika wie Reserviertheit und Blasiertheit, um sich mental zu schützen und ihre Privatsphäre zu wahren.
Die Tarnnetze wurden individuell für Orte wie den Dortmunder Hauptbahnhof oder Einkaufsstraßen entworfen, wobei sie Farben und Strukturen der Umgebung aufnehmen, um dem Einzelnen ein ‚unsichtbares‘ Auftreten in der Masse zu ermöglichen.
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