Bachelorarbeit, 2020
53 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
2. Das Ethos der Pflege
2.1. Was ist Ethik?
2.3. Das Berufsethos der Pflege
3. Theorien der Macht
3.1. Max Weber
3.2. Michel Foucault
4. Fallbeispiele
4.1. Euthanasie „lebensunwerten Lebens“ im Dritten Reich
4.1.1. Rahmenbedingungen für die Beendigung „lebensunwerten Lebens“
4.1.2. Margarete T.
4.1.3. Anna G.
4.1.4. Relevante Machtstrukturen für die Anstalt Meseritz-Obrawalde
4.2. Zeitgenössische Fälle
4.2.1. Rudi Z.
4.2.2. Niels H.
5. Ergebnisse
Diese Bachelorarbeit untersucht, wie Machtstrukturen Pflegekräfte dazu bringen können, das pflegerische Ethos zu verletzen, bis hin zur aktiven Tötung von Patienten. Anhand theoretischer Machtkonzepte von Max Weber und Michel Foucault werden sowohl historische Fälle aus der NS-Euthanasie als auch zeitgenössische Beispiele analysiert, um Präventionsmöglichkeiten abzuleiten.
3.1. Max Weber
„Die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“ (Weber 1985, S. 28). Diese Definition von Max Weber beschreibt Macht als eine asymmetrische soziale Beziehung, weil eine Person der anderen ihren Willen aufzwingen kann. Dabei ist es unerheblich woraus diese Asymmetrie resultiert (vgl. Müller 2007, S. 121). Die Definition von Weber lässt sich in vier Elemente zerlegen:
1. Macht findet nur in sozialen Beziehungen statt und setzt folglich Verhältnis der Interaktionspartner*innen voraus (vgl. Kaven 2006, S. 45). Sie bezeichnet die Möglichkeit einer Beziehung einen besonderen Charakter zuzuweisen. Macht findet nur innerhalb bereits bestehender Beziehungen statt, kann jedoch keine neuen schaffen. Macht ist an soziales Handeln und somit auch an Sinn gebunden. Sie dient der Durchsetzung und Stärkung der eigenen Position. Von daher ist ein entsprechender Wille, der gegen einen anderen Willen antritt, Voraussetzung für Machtausübung (vgl. ebd., S. 45 ff.). Dies bedeutet, dass ein Machtverhältnis nur zwischen mündigen und willensfähigen Individuen bestehen kann. Also beispielsweise zwischen Arbeitskolleg*innen aber auch zwischen Pflegekraft und Patient*in. Nicht jedoch, wenn diese aufgrund eines Komas nicht über einen eigens vertretenen Willen verfügt.
2. Bei der Ausübung von Macht geht es um die Durchsetzung des Willens aufgrund verschiedener Werte oder Interessen. Laut Weber gibt es einen Polytheismus der Werte, der sich aus überschneidenden Lebensordnungen wie Kunst, Politik, Religion und Wirtschaft ergeben kann. Da es in Webers Weltbild keine übergeordnete Instanz gibt, welche in Fällen eines Widerspruches entscheiden kann, welche Werte die richtigen sind, bleibt die individuelle Entscheidung als oberste Instanz. Diese getroffenen Wertentscheidungen können in Folge mit anderen in Konflikt geraten (vgl. ebd., S. 49 f.) Macht dient also dazu, die eigenen Werte gegen die Wertvorstellungen anderer zu behaupten und ihnen so Geltung verleihen zu können. So haben sich die angestellten Pflegekräfte nach dem Pflegeverständnis des sie Beschäftigenden Unternehmens zu richten.
1. Einführung: Diese Einleitung stellt die pflegerische Profession und deren Ethos dar und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Verletzung dieses Ethos durch Machtstrukturen.
2. Das Ethos der Pflege: Das Kapitel definiert Ethik und Ethos, beleuchtet zentrale Ethiktheorien (Tugend-, Pflicht-, Nutzenethik) und beschreibt die historische Entwicklung des pflegerischen Berufsethos.
3. Theorien der Macht: Hier werden die machttheoretischen Ansätze von Max Weber (soziale Beziehung, Herrschaftstypen) und Michel Foucault (strukturelle Macht, Biomacht, Gouvernementalität) detailliert analysiert.
4. Fallbeispiele: Dieser Hauptteil widmet sich vier Fallbeispielen von Tötungen durch Pflegekräfte, unterteilt in die NS-Zeit (Margarete T., Anna G.) und zeitgenössische Fälle (Rudi Z., Niels H.), und analysiert diese machttheoretisch.
5. Ergebnisse: Die Ergebnisse fassen die Analyse zusammen, identifizieren gemeinsame Muster in den Fällen und betonen die Notwendigkeit ethischer Reflexion und Supervision in der Pflegeausbildung und -praxis.
Pflegeethos, Macht, Max Weber, Michel Foucault, Euthanasie, Biomacht, Herrschaft, Patientenwohl, Pflegeausbildung, Berufsethik, Grenzüberschreitung, Krankenhaus, Verantwortung, Normalisierung, Pflichtbewusstsein.
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld, in dem sich Pflegekräfte bewegen, und analysiert, warum und unter welchen Bedingungen Machtstrukturen dazu führen, dass das pflegerische Ethos verletzt wird.
Die Arbeit verknüpft ethische Grundlagen der Pflege mit machttheoretischen Konzepten, um die Ursachen von schwerwiegenden Grenzüberschreitungen bis hin zu Tötungsdelikten in der Pflege zu verstehen.
Das Ziel ist es, aus einer machttheoretischen Analyse von Fallbeispielen Handlungsempfehlungen abzuleiten, welche die Wahrscheinlichkeit für ethische Grenzüberschreitungen in der Pflege verringern.
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die Fallbeispiele heranzieht und diese durch die theoretischen Brillen von Max Weber und Michel Foucault betrachtet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Macht und Ethik sowie eine detaillierte Fallanalyse, die sowohl historische NS-Euthanasie-Fälle als auch aktuelle Fälle wie Niels H. umfasst.
Die zentralen Begriffe sind Pflegeethos, Macht, Biomacht, Herrschaft, Berufsethik und Patientenwohl.
Die historischen Fälle sind stark von einer institutionalisierten Hierarchie und dem blinden Gehorsam gegenüber dem NS-System geprägt, während die zeitgenössischen Täter oft aus individueller Sucht nach Anerkennung oder zur Entlastung des Arbeitsalltags agierten.
Der Autor fordert eine stärkere Verankerung der ethischen Reflexionsfähigkeit in der Pflegeausbildung sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Implementierung von Supervisionen im Berufsalltag.
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