Bachelorarbeit, 2020
79 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Darstellung der Texte von Johanna Haarer
2.1 Historische Einordnung und Biographie Johanna Haarers
2.2 Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind
2.3 Unsere kleinen Kinder
2.4 Mutter, erzähl von Adolf Hitler
2.5 Auseinandersetzung mit den Kernaspekten Johanna Haarers
3. Bindungstheorie
3.1 Ursprung und Grundlagen
3.2 Gängige Forschungsmethoden
3.3 Bindungsmuster und Bindungsrepräsentationen
3.4 Exkurs: Bindungsstörungen
3.5 Einordnung der Erziehung nach Johanna Haarer
4. Die transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern
4.1 Stabilität der Bindungsqualität
4.2 Bindung zwischen Generationen
4.3 Potentielle Folgen der Erziehung nach Johanna Haarer
5. Reflexion
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der NS-Pädagogik, insbesondere basierend auf den Erziehungsratgebern von Dr. Johanna Haarer, auf die Entwicklung von Bindungsmustern nachfolgender Generationen. Ziel ist es, diese historisch wirkmächtigen Erziehungskonzepte durch die Linse der modernen Bindungstheorie kritisch zu analysieren und deren langfristige Auswirkungen auf das Individuum sowie die Gesellschaft zu beleuchten.
1. Einleitung
Über eine Million verkaufte Exemplare. Eine erstrebenswerte Bilanz für jeden Autoren und Schriftsteller. Umso beeindruckender, wenn es sich hierbei nicht um einen fesselnden Roman, sondern um einen Erziehungsratgeber zur Säuglingspflege handelt. Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind wurde 1934 veröffentlicht und hat die Erziehung einer ganzen Generation geprägt. Die Konformität mit den ideologischen Vorstellungen der nationalsozialistischen Führung des Dritten Reichs verhalf zu einer weitläufigen Verbreitung innerhalb der Gesellschaft.
Die flächendeckende Verbreitung der Werke in allen Gesellschaftsschichten, in Verbindung mit der Übereinstimmung des pädagogischen Inhaltes mit den politischen Interessen des Staates, ergibt eine interessante Ausgangslage für wissenschaftliche Nachforschungen. Die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit in Hinblick auf die Pädagogik des Nationalsozialismus findet meist im Kontext der damaligen Schul- und Freizeitgestaltung statt. Die familiäre, private Erziehung wird selten thematisiert. Aufgrund dieser lückenhaften Auseinandersetzung ist davon auszugehen, dass die nachwirkenden Folgen der frühkindlichen Erziehung zudem weitestgehend unbekannt sind. Die Forschungsfrage dieser Ausarbeitung lautet aus diesem Grund: Welchen Einfluss haben die Auswirkungen der Erziehung nach dem Vorbild Johanna Haarers auf die Bindungsmuster nachfolgender Generationen?
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich der langfristigen Folgen der Erziehung nach Johanna Haarer für die Bindungsfähigkeit kommender Generationen.
2. Darstellung der Texte von Johanna Haarer: Detaillierte inhaltliche Analyse der drei Hauptwerke Haarers sowie eine historische Einordnung ihrer Biographie und Intention.
3. Bindungstheorie: Einführung in die bindungstheoretischen Grundlagen, Forschungsmethoden und die Klassifizierung von Bindungsmustern.
4. Die transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern: Erörterung der Stabilität von Bindungsqualität über Generationen hinweg und Anwendung auf die Erziehungsmethoden Haarers.
5. Reflexion: Kritische Würdigung der methodischen Grenzen der Arbeit und der Einbettung in den historischen Kontext.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Erkenntnisse über den Einfluss der NS-Pädagogik auf die Bindungsentwicklung.
Johanna Haarer, NS-Pädagogik, Bindungstheorie, transgenerationale Weitergabe, Erziehung, Bindungsmuster, Säuglingspflege, Nationalsozialismus, Bindungsstörung, Erziehungsratgeber, Verhaltensmodelle, psychische Entwicklung, Kameradschaft.
Die Arbeit analysiert die Erziehungskonzepte von Dr. Johanna Haarer aus der NS-Zeit und deren mögliche bindungstheoretische Auswirkungen auf nachfolgende Generationen.
Themen sind die Analyse nationalsozialistischer Erziehungsratgeber, die Grundlagen der Bindungstheorie sowie der Prozess der transgenerationalen Weitergabe von Verhaltensmustern.
Ziel ist es zu klären, wie die von Haarer propagierte Erziehung (Distanz, Abhärtung, Gehorsam) die Bindungsfähigkeit der damit erzogenen Kinder beeinflusst haben könnte.
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse der Schriften von Haarer in Verbindung mit der theoretischen Rahmung durch die moderne Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth.
Im Hauptteil werden die Texte Haarers inhaltlich zusammengefasst, die Bindungstheorie theoretisch fundiert und diese Erkenntnisse in einer Zusammenschau auf Haarers Erziehungsmethoden angewandt.
Wichtige Begriffe sind Bindungsmuster, NS-Pädagogik, Transgenerationalität, Gehorsamkeit und Abhärtung.
Haarer lehnt emotionale Nähe und Zärtlichkeit als „Affenliebe“ ab, da diese das Kind angeblich verweichlichen würden, was aus bindungstheoretischer Sicht als schädlich für die Entwicklung eingestuft wird.
Ruhe dient als Legitimationsgrundlage für die räumliche Isolation des Kindes und die Reduktion von Interaktionen, was nach modernen Erkenntnissen eine sichere Bindungsbildung verhindert.
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