Masterarbeit, 2017
74 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Märchen als literarische Gattung
2.1. Die Bedeutung des Wortes Märchen
2.2. Entstehungsgeschichte der Märchen
2.3. Literarische und allgemeine Gattungsmerkmale
2.4. Ursprüngliche Funktion der Märchenerzählungen
3. Die Aktualität der Märchen
3.1. Die Allensbach-Studie
3.2. Das Weiterleben der alten Märchen in den modernen Bildmedien
3.3. Der interkulturelle Wert der Märchen
4. Notwendigkeit der Märchen für die kindliche Entwicklung
4.1. Das Märchenalter und die Fantasie des Kindes
4.2. Märchen aus der Sicht der Tiefenpsychologie
4.2.1. Die Archetypen des Unbewussten nach C.G. Jung
4.2.2. Hilfe bei kindlichen Entwicklungsstufen
4.3. Grausamkeit in Volksmärchen
4.4. Märchen in der Bibliotherapie
5. Die Märchenwelt - Orte der Verzauberung
5.1. Der Märchenort als Projektionsfeld des Unbewussten
5.2. Der Märchenwald
5.2.1. Der Baum im Märchenwald
5.2.2. Das Waldhaus
5.3. Der See und das Element des Wassers
5.4. Der (Glas-) Berg und das Symbol der Leiter
6. Der verzauberte Märchenwald – eine exemplarische Unterrichtsreihe
6.1. Die Thematisierung des Märchenwaldes im Kontext aktueller Vermittlungsfragen
6.2. Legitimation durch den Lehrplan
6.3. Die Lerngruppe
6.4. Exemplarische Unterrichtsreihe
6.4.1. Tabellarischer Verlaufsplan der Unterrichtsreihe
6.4.2. Erste Stunde: Die Gebrüder Grimm und ihre Märchen
6.4.3. Zweite Stunde: Fantasiestiftende Märchen
6.4.4. Dritte Stunde: Illustrationen - Worte werden Bilder
6.4.5. Vierte Stunde: Der Wald als Märchenort
6.4.6. Fünfte Stunde: Franz Marc ,,Rehe im Wald II‘‘
6.4.7. Sechste Stunde: „Rehe im Wald II“ erste Schritte einer Bildanalyse
6.4.8. Siebte Stunde: Der grüne Märchenwald
6.4.9. Achte und neunte Stunde: Unheimliche Bäume und Geister im Märchenwald
6.4.10. Praktische Abschlussarbeit
6.5. Reflexion und Auswertung der Unterrichtsreihe
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und das pädagogische Potenzial von Märchen aus literaturwissenschaftlicher und tiefenpsychologischer Perspektive und transferiert diese Erkenntnisse in eine exemplarische, praktisch erprobte Unterrichtsreihe für das Fach Kunst in der sechsten Klasse.
5.2.1. Der Baum im Märchenwald
An dieser Stelle sei zudem auf die große Symbolkraft des einzelnen Baumes verwiesen. Der Baum ist das stärkste Symbol des Waldes und gleichzeitig ein sehr komplexes und ambivalentes Symbol. Wie der Wald, so ist auch der Baum ein Ort des Unbewussten und ,,eine Art Projektionsort von Angst- und Wunscherfüllung.‘‘
„Im Baum verdichtet sich das Naturgeschehen: das Wachsen, Blühen, Reifen, Früchtetragen und schliesslich [sic!] das Welken und Vergehen, das Gefälltwerden.“ Aus diesem Grund hat der Mensch sein Leben immer wieder im Bild des Baumes gesehen. So ist es beispielsweise noch heute ein weit verbreiteter Brauch, für ein neugeborenes Kind einen Baum zu pflanzen. Der junge gepflanzte Baum steht für das neue Leben, das wachsen soll. Demgegenüber steht der alte Brauch, einen Baum auf das Grab eines Verstorbenen zu pflanzen. So haften dem Baum auch heute noch sehr ambivalente symbolische Bedeutungen an: „der Baum ist Lebensbaum wie Todesbaum, Paradiesbaum und Kreuzesstamm, Dorflinde und Galgen, Geburts- wie Grabesbaum.“ Die anthropomorphe Deutung des Baumsymbols findet sich auch in zahlreichen Märchen wieder, wenn ein Baum beispielsweise von einer verstorbenen Seele beseelt wird. In dem Grimmschen Märchen vom Singenden Knochen wächst ein Baum aus dem Grab eines Getöteten. Eine Flöte, die aus dem Holz des Baumes geschnitzt wird, berichtet schließlich von dem Verbrechen und überführt den Mörder. Ein weiteres Beispiel für den beseelten Baum findet sich in dem Märchen Aschenputtel der Gebrüder Grimm. Ein junges Mädchen, dessen Mutter stirbt, wird von seiner bösen Stiefmutter und Stieftöchtern gepeinigt. Nachdem es jedoch den Reis eines Haselstrauches auf das Grab der verstorbenen Mutter legt, wächst an eben dieser Stelle ein Haselbaum.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Märchens ein, beleuchtet Kritikpunkte im Zeitalter der Digitalisierung und skizziert das Ziel der Arbeit, das pädagogische Potenzial des Märchens durch eine Kombination aus literaturwissenschaftlichen, psychologischen und fachdidaktischen Ansätzen zu erfassen.
2. Das Märchen als literarische Gattung: In diesem Kapitel werden die Etymologie des Wortes Märchen, die Entstehungsgeschichte der Gattung sowie grundlegende literarische Merkmale, wie Eindimensionalität und Flächenhaftigkeit, definiert.
3. Die Aktualität der Märchen: Dieses Kapitel belegt anhand von Studien wie der Allensbach-Studie sowie der Präsenz von Märchenmotiven in modernen Medien und der Werbung die ungebrochene Bedeutung des Märchens in der heutigen Gesellschaft.
4. Notwendigkeit der Märchen für die kindliche Entwicklung: Hier wird der psychologische Wert der Märchen diskutiert, wobei die Theorien von C.G. Jung und Bruno Bettelheim den zentralen Rahmen bilden, um die Bedeutung für die kindliche Identitätsbildung und Konfliktbewältigung zu erklären.
5. Die Märchenwelt - Orte der Verzauberung: Dieses Kapitel analysiert symbolisch aufgeladene Schauplätze wie den Wald, den Baum, den See und den Berg als Projektionsflächen des menschlichen Unbewussten und als Orte der Wandlung und Reifung.
6. Der verzauberte Märchenwald – eine exemplarische Unterrichtsreihe: Der fachdidaktische Hauptteil erläutert eine konkret erprobte Kunstunterrichtsreihe für die sechste Klasse, inklusive Lehrplanbezug, Stundenverläufen und Reflexionen der Schülerarbeiten.
7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass Märchen ein wertvolles pädagogisches Werkzeug sind, das den Kunstunterricht durch vielfältige ästhetische Zugänge bereichern kann.
Märchen, Gebrüder Grimm, Kunsterziehung, Tiefenpsychologie, Symbolik, Märchenwald, kindliche Entwicklung, Bildanalyse, Bibliotherapie, Märchenorte, Archetypen, C.G. Jung, Bruno Bettelheim, Unterrichtsreihe, Illustration.
Die Arbeit untersucht das Märchen als literarische Gattung und deren psychologische sowie pädagogische Relevanz für Kinder, um daraus Konzepte für den Kunstunterricht abzuleiten.
Die zentralen Felder umfassen die literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse, tiefenpsychologische Deutungen (Archetypen), die Symbolik von Märchenorten sowie die fachdidaktische Vermittlung dieser Inhalte im Kunstunterricht.
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen und die Notwendigkeit von Märchen für die kindliche Entwicklung aufzuzeigen und durch eine exemplarische Unterrichtsreihe das Potenzial von Märchenmotiven für den Kunstunterricht praktisch zu demonstrieren.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis literaturwissenschaftlicher und psychologischer Literatur sowie eine empirische, fachdidaktische Erprobung und Reflexion einer Unterrichtsreihe in einer Schulklasse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Gattungsmerkmale und Psychologie des Märchens sowie die symbolische Analyse von Orten und schließlich einen praktischen Teil zur Erprobung einer Unterrichtsreihe zum Thema „verzauberter Märchenwald“.
Die wichtigsten Begriffe sind Märchen, Gebrüder Grimm, Kunstunterricht, Psychologie, Symbolik, Märchenwald, Bildung und Kindliche Entwicklung.
Da Märchen auf eine detaillierte Beschreibung verzichten, bieten sie dem Kind „Rohmaterial“, das es durch die eigene Fantasie ausfüllen kann, was sie besonders für die kindliche Entwicklung attraktiv macht.
Der Märchenwald wird als ein Ort der Herausforderung und Prüfung gesehen, in dem der Märchenheld durch das Bestehen von Ängsten und Hindernissen einen Reifungsprozess durchläuft und als geläuterter Mensch zurückkehrt.
Die Vertreter der Bibliotherapie nutzen Märchen aufgrund ihrer verdichteten menschlichen Urerfahrungen, die als Lebenshilfe fungieren, um Kindern und Erwachsenen bei der Reflexion und Bewältigung innerer Probleme zu helfen.
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