Masterarbeit, 2018
111 Seiten, Note: 1,3
1. Ausgangspunkt: Soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem
2. Zum Verhältnis von Soziologie und Erwachsenenbildung
2.1 Die Soziologie als Partialtheorie der Erwachsenenbildung
2.2 Konkretisierung in Sozialisationstheorie, Jugendforschung und Musikpädagogik
2.3 Pädagogische Soziologie vs. Bildungssoziologie
2.4 Konsequenzen für die Erwachsenenbildung
3. Zur Person Pierre Bourdieu
4. Das Theoriewerk Pierre Bourdieus
4.1 Praxeologischer Ansatz
4.2 Die Rahmenbedingungen der Habitusgenese
4.2.1 Kapital
4.2.2 Sozialer Raum
4.3 Habitus
4.3.1 Primäre Sozialisation durch Familie und Milieu
4.3.2 Klassenspezifischer Habitus
4.3.3 Sekundäre Sozialisation durch Bildungsinstitutionen
4.4 Veränderung der Reproduktionsstrategien der Eliten
4.5 Kulturelle Reproduktion der Eliten in Deutschland
4.6 Zwischenfazit
4.7 Die Rolle der Erwachsenenbildung zur Reproduktion sozialer Ungleichheit
4.7.1 Weiterbildungsquoten in Deutschland – AES-Trendbericht 2016
4.7.2 Fahrstuhleffekt in der Erwachsenen-/Weiterbildung
5. Überleitung - Das Habituskonzept im pädagogischen Diskurs
6. Habitustransformation
6.1 Zur Veränderbarkeit des Habitus
6.2 Lerngründe – Auslöser für Habitustransformationen
6.3 Ambivalenzen von Habitustransformationen
7. Zielgruppenplanung als Instrument zur Abwendung sozialer Ungleichheit
7.1 Zur Problematik des Zielgruppenbegriffs
7.2 Soziale Milieuforschung
7.2.1 Klassen, Schichten und Milieus in der Erwachsenenbildungsforschung
7.2.2 Soziale Milieus als Zielgruppen der Erwachsenenbildung
7.2.3 Zur Studie ‚Soziale Milieus und Weiterbildung in Deutschland’
7.2.4 Kritische Diskussion der milieubasierten Zielgruppenorientierung
8. Zur Notwendigkeit einer reflexiven Pädagogik
8.1 Habituelles Anerkennen sozialer Ungleichheit im Bildungssystem
8.2 Reflexive Pädagogik – pädagogische Reflexivität
8.2.1 Starke Bildungsstandards zur Abwendung sozialer Bildungsungleichheit
8.2.2 Habitussensibilität als professionelle Kompetenz
8.2.3 Exkurs: Bourdieus Kritik am legitimen Bildungsbegriff
8.2.4 Zur Umsetzbarkeit einer reflexiven Pädagogik
9. Zusammenfassung und Fazit
10. Forschungsdesiderate
11. Schlussbemerkung
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem auf Basis des Theoriewerks von Pierre Bourdieu zu analysieren und zu untersuchen, wie eine reflexive Pädagogik dazu beitragen kann, dieser Reproduktion sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Verhältnis von Habitus, Bildung und pädagogischem Handeln sowie die Potenziale einer zielgruppenorientierten und reflexiven Bildungsplanung.
4.2.1 Kapital
Bourdieu legte in seinem Werk einen Fokus auf die Untersuchung der Reproduktionsmechanismen der Gesellschaft. Das Forschungsinteresse richtet sich insbesondere auf die Bedeutung des Bildungssystems für die Reproduktion von sozialer und ökonomischer Ungleichheit (vgl. TIPPELT/HIPPEL 2005, S.39). Ökonomie wird dabei von Bourdieu nicht im engen Verständnis der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften verstanden. Er erweitert den Ökonomiebegriff um den erweiterten Kapitalbegriff, der die verschiedenen Formen von Reichtum differenziert erfasst. Bourdieu unterscheidet Formen des Kapitals, die sich im Einzelnen aus folgenden Arten zusammensetzen (vgl. BURZAN 2011, S.125f.; HEIMANN 2009, S.62ff.; KOLLER 2012, S.30):
Das ökonomische Kapital fasst Geldvermögen und Eigentumsgegenstände zusammen, die relativ direkt in Geld konvertierbar sind.
Kulturelles Kapital differenziert Bourdieu in drei Ausprägungsformen: Es könne in inkorporierter, objektivierter und institutionalisierter Form auftreten (vgl. BOURDIEU 2001a, S.112ff.). Das inkorporierte Kulturkapital meint Bildung und Wissen, das sowohl in Bildungsinstitutionen als auch durch Erziehung in der Familie erworben wird. Der Erwerb dieses Kapitals erfordert (Lern-)Zeit, man kann es nicht kurzfristig kaufen oder verschenken. Die Umstände der ersten Aneignung prägen die Person in hohem Maße, z.B. ihre Sprechweise. Objektiviertes Kulturkapital hat die Form von kulturellen Gütern, die man besitzt, z.B. Bücher, Gemälde, Instrumente. Sie können auf andere übertragen werden, gewinnen aber nur dann an Bedeutung, wenn der Handelnde es sich aneignet und strategisch einsetzt. Er muss z.B. über ausreichend inkorporiertes Kapital verfügen, um ein Gemälde auch als wertvoll erkennen zu können. Institutionalisiertes Kulturkapital bezeichnet Bildungstitel. Der Inhaber hat ein Zeugnis kultureller Kompetenz mit einem relativ dauerhaften und rechtlich garantierten Wert, der Titel ist also institutionell anerkannt und sichert eine gewisse Übertragbarkeit in ökonomisches Kapital, die sich im Zeitverlauf allerdings ändern kann.
1. Ausgangspunkt: Soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem: Einführung in die Thematik der sozialen Selektivität in der Bildung und Begründung der Relevanz von Bourdieus Theoriewerk für die Erwachsenenbildung.
2. Zum Verhältnis von Soziologie und Erwachsenenbildung: Auseinandersetzung mit der fachlichen Debatte über die Bezugswissenschaften und das Verhältnis von soziologischer Theorie und pädagogischer Praxis.
3. Zur Person Pierre Bourdieu: Biografischer Überblick über den Theoretiker und Einordnung seines wissenschaftlichen Werks.
4. Das Theoriewerk Pierre Bourdieus: Detaillierte Darstellung der zentralen Begriffe Kapital, Sozialer Raum und Habitus sowie deren Bedeutung für die soziale Reproduktion.
5. Überleitung - Das Habituskonzept im pädagogischen Diskurs: Überleitung zur Frage, wie Lernprozesse und pädagogisches Handeln mit dem Habituskonzept verknüpft werden können.
6. Habitustransformation: Diskussion der Veränderbarkeit des Habitus, der Bedingungen für Habitustransformationen sowie deren Ambivalenzen.
7. Zielgruppenplanung als Instrument zur Abwendung sozialer Ungleichheit: Analyse der zielgruppenorientierten Planung in der Erwachsenenbildung unter Nutzung von Milieuforschung.
8. Zur Notwendigkeit einer reflexiven Pädagogik: Herleitung der Notwendigkeit für reflexive pädagogische Ansätze zur Verringerung von Bildungsungleichheit.
9. Zusammenfassung und Fazit: Rückblick auf die zentralen Ergebnisse der Arbeit und Bewertung des Nutzens von Bourdieus Konzepten für die pädagogische Praxis.
10. Forschungsdesiderate: Aufzeigen weiterführender Forschungsfragen und bestehender Lücken im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs.
11. Schlussbemerkung: Abschließende Einordnung der Bedeutung reflexiver Pädagogik als notwendige professionelle Kompetenz.
Pierre Bourdieu, Habitus, Erwachsenenbildung, soziale Ungleichheit, soziale Milieus, Bildungssoziologie, Kapitalbegriff, pädagogische Reflexivität, Zielgruppenplanung, Habitustransformation, Chancengleichheit, Bildungsbarrieren, reflexive Pädagogik, soziale Reproduktion.
Die Arbeit untersucht, wie das Theoriewerk von Pierre Bourdieu genutzt werden kann, um soziale Selektivitätsmechanismen im Bildungssystem besser zu verstehen und durch eine reflexive Pädagogik der Reproduktion von Ungleichheit in der Erwachsenenbildung entgegenzuwirken.
Die zentralen Felder umfassen die Soziologie der Erwachsenenbildung, die Analyse sozialer Milieus, die Funktionsweise von Habitus und Kapital sowie die Entwicklung professioneller pädagogischer Reflexivität.
Das primäre Ziel ist es, den Mehrwert von Bourdieus Theoriewerk für die Praxis der Erwachsenenbildung herauszuarbeiten, um durch zielgruppenorientierte Planung und Reflexion mehr Chancengleichheit zu ermöglichen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Primär- und Sekundärliteratur zu Pierre Bourdieu sowie eine Auswertung empirischer Studien zur Bildungsbeteiligung und Milieuforschung in Deutschland.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundbegriffe (Kapital, Habitus, Soziales Feld) erläutert, die Bedeutung für die Elitenreproduktion diskutiert, die Möglichkeiten von Habitustransformationen untersucht und die Anwendung der Milieuforschung in der zielgruppenorientierten Erwachsenenbildung kritisch geprüft.
Wichtige Begriffe sind Bourdieu, Habitus, soziale Ungleichheit, Milieuforschung und reflexive Pädagogik.
Es dient als Analyseinstrument, um zu verstehen, warum bildungsferne Schichten trotz formaler Chancengleichheit strukturelle Hürden erfahren und wie Bildungsangebote milieuspezifisch angepasst werden können.
Sie ermöglicht eine differenziertere Ansprache von Lernenden, indem sie über sozio-ökonomische Daten hinaus die lebensweltlichen Wertorientierungen und Einstellungen verschiedener Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.
Weil sie von Lehrkräften hohe Anforderungen an die Selbstreflexion und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und dem Bildungssystem erfordert, was unter den aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen institutionell oft wenig gestützt wird.
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