Bachelorarbeit, 2018
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Grundlagen und Definitionen der Bindungstheorie
2.1. Begriffserklärungen
2.2. Die Phasen der Bindungsentwicklung
2.3. Die Fremden Situation
2.4. Das Adult Attachment Interview
2.5. Bindungsstörungen
3. Stationäre Hilfen zur Erziehung
3.1. Die Entwicklung der Heimerziehung seit den 60er Jahren
3.2. Aufgaben und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe
3.3. Betreuungsformen der stationären Jugendhilfe
3.4. Lebensweltorientierung und Partizipation
3.5. Die Hilfeplanung in stationären Jugendhilfen
4. Die Gestaltung der stationären Jugendhilfe im Kontext der Bindungstheorie
4.1. Erziehung in einer Gruppe
4.2. Die professionelle Beziehung
4.3. Anforderungen an die Qualifikation der Fachkräfte
4.4. Problematiken des Schichtdienstes
5. Bindungsarbeit im Kontext der stationären Jugendhilfe
5.1. Das Bezugsbetreuersystem
5.2. Korrigierende Bindungserfahrungen in stationären Jugendhilfen
5.3. Elternarbeit und Loyalitätskonflikte
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Bedeutung des Bindungsverhaltens bei Kindern und Jugendlichen in stationären Hilfen zur Erziehung und analysiert die daraus resultierenden Konsequenzen für die pädagogische Gestaltung in der Sozialen Arbeit.
2.1. Begriffserklärungen
Zunächst sollen die wichtigsten Begriffe definiert werden, um einen Einblick in die Bindungstheorie geben zu können.
Bindung entsteht, wenn ein spezifischer Mensch, zumeist die Eltern, über einen langen Zeitraum hinweg feinfühlig auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht. Außerdem kann das Kind Vertrauen und Sicherheit von der Bindungsperson erwarten (vgl. Schleiffer 2014, S. 30). Laut Ainsworth wird Bindung „als ein imaginäres Band zwischen zwei Personen gedacht, das in den Gefühlen verankert ist und sie über Raum und Zeit hinweg miteinander verbindet“ (Ainsworth 1979 zitiert nach Grossmann/Grossmann 2017, S. 71).
Eine Bindung zu mehreren Personen ist möglich, beispielsweise zu den Eltern, zu den Geschwistern, den Großeltern, der Tagesmutter und anderen Personen, welche sich regelmäßig um das Kind sorgen. Dies kann hierarchisch gesehen werden: Würde sich das zu betreuende Kind beispielsweise durch Krankheit unwohl fühlen, wird der Kontakt zur primären Bindungsperson, also häufig den Eltern, favorisiert (vgl. Grossmann und Grossmann 2004, S. 68f.).
Das Bindungssystem besteht zwischen der Bindungsperson und dem Kind und ist bereits genetisch verankert. Es entwickelt sich jedoch erst nach der Geburt im ersten Lebensjahr und ist für das Wohlbefinden des Kindes ausschlaggebend (vgl. Brisch 2000, S. 35f.). Durch das ebenfalls biologisch verankerte Pflegesystem werden die Bedürfnisse des Kindes von den Eltern befriedigt, ohne dass das elterliche Verhalten gelehrt werden muss. Das Pflegesystem wird durch kindliche Merkmale, wie die großen runden Augen des Kindes, aktiviert (vgl. Schleiffer, S. 31). Kommt es zu einer Gefahrensituation sucht das Kind die Nähe zur Bindungsperson, um Schutz und Sicherheit zu erlangen (vgl. Schleiffer 2014, S. 30). Solange das Kind Sichtkontakt zur Bindungsperson hat kann es die Umgebung explorieren; es besteht ein unsichtbares Band. Wenn sich diese sichere Bindungsperson anders verhält und unzuverlässig wird, reagiert das Kind stark emotional (vgl. Holmes 1993 übersetzt von Wimmer 2002 S.91). Das Bindungsverhalten wird demnach besonders in Angstsituationen aktiviert, beispielsweise bei Trennung oder körperlichen Beschwerden. Das Kind zeigt offen, wenn es an Nähe und Schutz bedarf, indem es Sichtkontakt oder auch engen Körperkontakt sucht (vgl. Brisch 2000, S. 36).
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Bindungstheorie für die Heimerziehung und benennt die Zielsetzung der Arbeit, die Bindungssituation von Heimkindern zu erforschen.
2. Grundlagen und Definitionen der Bindungstheorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Wurzeln der Bindungstheorie sowie deren Bewertungsinstrumente und klinische Störungsbilder.
3. Stationäre Hilfen zur Erziehung: Hier wird die historische Entwicklung der Heimerziehung dargestellt und die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Betreuungsformen erläutert.
4. Die Gestaltung der stationären Jugendhilfe im Kontext der Bindungstheorie: Der Fokus liegt auf der professionellen Gestaltung des Gruppenalltags, der Beziehungsarbeit und den spezifischen Herausforderungen durch den Schichtdienst.
5. Bindungsarbeit im Kontext der stationären Jugendhilfe: Dieses Kapitel widmet sich dem Bezugsbetreuersystem, korrigierenden Erfahrungen im Heim und der komplexen Elternarbeit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und formuliert Empfehlungen für eine bindungsorientierte Weiterentwicklung der stationären Hilfen.
Bindungstheorie, Heimerziehung, stationäre Jugendhilfe, Bezugsbetreuer, Beziehungsaufbau, Bindungsstörungen, Kindeswohl, Lebensweltorientierung, Partizipation, innere Arbeitsmodelle, Korrigierende Bindungserfahrung, Elternarbeit, Loyalitätskonflikte, Professionelle Haltung, Schichtdienst
Die Arbeit untersucht, wie das Bindungsverhalten von Kindern und Jugendlichen durch die stationäre Jugendhilfe beeinflusst wird und wie Fachkräfte durch professionelle Beziehungsgestaltung korrigierende Bindungserfahrungen ermöglichen können.
Zu den Kernbereichen gehören die Bindungstheorie, die rechtliche und praktische Ausgestaltung der Heimerziehung, das Bezugsbetreuermodell sowie die Rolle der Elternarbeit innerhalb institutioneller Unterbringungen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie stationäre Einrichtungen so gestaltet werden können, dass sie trotz struktureller Herausforderungen wie Schichtdienst eine sichere Bindungsbasis für die Bewohner bieten können.
Die Arbeit basiert auf einer hermeneutischen Auseinandersetzung mit der Fachliteratur sowie einer qualitativen Auswertung von Interviews mit Fachkräften aus verschiedenen Wohngruppen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Bindungsmustern, eine Darstellung der stationären Praxis sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Bindungsarbeit und dem professionellen Handeln im Gruppenkontext.
Wichtige Begriffe sind Bindungstheorie, Bezugsbetreuung, Lebensweltorientierung, Partizipation, Beziehungsgestaltung und korrigierende Bindungserfahrung.
Es dient als methodisches Instrument, um trotz des personalintensiven Schichtdienstes eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit in der Beziehung zwischen Fachkraft und Bewohner sicherzustellen.
Die Interviews zeigen, dass ein professioneller Umgang durch Vorbereitung der Jugendlichen, transparente Kommunikation im Team und die Reflexion der eigenen Haltung in Supervisionen essenziell ist, um Enttäuschungen abzumildern.
Obwohl eine Rückführung oft das Ziel ist, führt die enge Bindung zur Fachkraft häufig zu Loyalitätskonflikten bei den Jugendlichen, weshalb eine einvernehmliche und transparente Zusammenarbeit zwischen Eltern und Heim als entscheidender Erfolgsfaktor gilt.
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