Diplomarbeit, 2001
83 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Aggression, Aggressivität, Gewalt
2.1. Gewaltdiskurse in der Öffentlichkeit
2.2. Begriffserklärungen und Definitionen
3. Theorien und Erklärungsansätze aggressiven Verhaltens
3.1. Psychologische Ansätze
3.1.1. Operantes Konditionieren
3.1.2. Imitationslernen - Lernen am Modell
3.1.3. Frustrations-Aggressions-Theorie
3.2. Gesellschaftliche Bedingungen und soziologische Erklärungsansätze
3.2.1. "Risikogesellschaft" und "Soziale Desintegration"
3.2.2. Anomie - Theorie
3.2.3. Etikettierung (Labeling Approach)
3.4. Zusammenfassung genannter Aggressionstheorien und Schlußfolgerungen aus der Sicht des Anti-Aggressivitäts-Trainings
4. Was Hänschen (nicht) lernt... - Über den Erwerb der Geschlechterrolle
4.1. Psychologische Erklärungsansätze
4.1.1.Lern - und kognitionspsychologische Erklärungsansätze
4.1.2. Das psychoanalytische Modell
4.2. Männliche Sozialisation
4.2.1. Die Mutter-Sohn-Dyade
4.2.2. Das Fehlen des Vaters, die Suche nach Männlichkeit, der "neue Mann" am Horizont
4.3. Jungenarbeit
5. Zum Begriff Prävention
6. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)
6.1. Entstehungsgeschichte und Zielgruppe des "klassischen AAT" nach Weidner / Heilemann
6.2. Verschiedene Modelle
6.3. Theoretische Bezugspunkte des klassischen AAT
6.4. Die vier Phasen des "klassischen AAT"
6.4.1. Integrations-und Deskriptionsphase
6.4.2. Konfrontationsphase
6.4.3. Gewaltverringerungsphase
6.4.4. Nachbetreuungsphase
6.5. Notwendigkeit der Provokation und Konfrontation aus Sicht des Weidner'schen AAT-Modells
6.6. Kritische Betrachtung des klassischen Weidner'schen Ansatzes
7. Das AAT (Hamelner Mode ll) als wachstumsförderndes und emanzipatorisches Pädagogik- und Lernmodell
7.1. Die Grundform: Das Hamelner Modell "2000"
7.1.1. Leitbild: Von der Kritikkultur zur Lobkultur
7.1.2.Das Attraktivitätstraining als zentrale Phase
7.2. Vom Hamelner Modell 2000 zum "Jungencoaching" - "neues Lernen" für "neue Männlichkeit"
8. Braucht Schule "neues Lernen"?
8.1. Schule in der Krise - Krise in der Schule? Zur Situation der Schule in der Gegenwart.
8.2. "Selbstachtung und Körperorientierung"- "neues Lernen" für Lehrer und Schüler? (Vorstellungen zur Entwicklung eines neuen Schulfaches nach Heilemann)
8.2.1. Schutzauftrag geht vor pädagogische Arbeit - Thesen für Schulleiter und Lehrer
8.2.2. Curriculare Eckpfeiler für "Selbstachtung und Körperorientierung" an Grundschulen
8.2.3. Empfehlung an die SchulpolitikXV
9. Zusammenfassende Schlußbetrachtung
10. Anmerkungen
11. Literaturverzeichnis
Die Diplomarbeit untersucht, ob die theoretischen Hintergründe, methodischen Elemente und praktischen Erfahrungen des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) für eine gewaltpräventive Arbeit in Schule und Jugendarbeit adaptiert werden können, um neue Lernformen zu etablieren und destruktives Verhalten zu reduzieren.
2.1. Gewaltdiskurse in der Öffentlichkeit
Gewalt von und unter Kindern und Jugendlichen ist seit Beginn der neunziger Jahre sowohl in den Medien als auch in der (fach-) öffentlichen Diskussion zum „Leitlinienthema“ (Simon 1996, S.17) geworden. Vor allem durch die fremdenfeindlichen Anschläge in verschiedenen Städten der alten und neuen Bundesländer, ist die Öffentlichkeit seit dieser Zeit, gegenüber allen Formen von Jugendgewalt und jugendlicher Devianz, in erhöhtem Maße sensibilisiert. Der Umgang mit und die Reaktionen auf diese(r) Thematik ließen den Eindruck entstehen, als ginge es um eine noch nie dagewesene Problematik. Devianz von Jugendlichen und insbesondere Jugendgewalt ist jedoch kein Phänomen der neunziger Jahre und beschäftigt auch nicht erst seit der „Wendezeit“ Politiker, Medien und Öffentlichkeit. Vielmehr ist Jugendgewalt ein „zeitloses Phänomen“, wie Titus Simon in seiner eingehenden Betrachtung der „Sozialgeschichte aggressiver Jugendkulturen“ aufzeigt, und „in unserer Gesellschaft mindestens so alt wie das Automobil“ (Simon 1996, S. 15-23).
In seinen historisch differenzierten Vergleichen verschiedener Jugendkulturen und deviant-aggressiver Gruppen – von den „Edelweißpiraten“ im Dritten Reich bis zu den Hooligans, Punks und Skinheads in der heutigen Zeit – weist Simon darauf hin, daß gewalttätige Handlungen in allen Jugendkulturen mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen „korrespondierten“. Sie gingen zu allen Zeiten einher mit den, aus gesellschaftlichen Wandlungsprozessen resultierenden, Verunsicherungen und Krisen. Sie waren seit jeher Ausdruck jugendspezifischer Auflehnung und Abgrenzung, von Anpassungsdruck in Cliquen, von Reizsuche und nicht zuletzt auch Bestandteil „maskuliner Orientierung“, sowie der Pflege eines tradierten Männlichkeitskults. Ebenso wenig neu ist, so Simon, der Einfluß der Sensationsberichterstattung durch die Medien, die damals wie heute wesentlich zur Gewaltförderung- und nachahmung beitrug und beiträgt.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Bedarf an neuen gewaltpräventiven Impulsen in Jugendhilfe und Schule angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und prüft das AAT als mögliches Modell.
2. Aggression, Aggressivität, Gewalt: Dieses Kapitel analysiert öffentliche Gewaltdiskurse und definiert die zentralen Begriffe, um ein Verständnis für die komplexen Erscheinungsformen zu schaffen.
3. Theorien und Erklärungsansätze aggressiven Verhaltens: Es werden psychologische, soziologische und gesellschaftliche Ansätze dargelegt, die als theoretisches Fundament für Interventionsmodelle dienen.
4. Was Hänschen (nicht) lernt... - Über den Erwerb der Geschlechterrolle: Hier wird der Zusammenhang zwischen männlicher Sozialisation, dem Streben nach Männlichkeit und Gewaltpotential sowie die Notwendigkeit von Jungenarbeit untersucht.
5. Zum Begriff Prävention: Dieses Kapitel verortet den Präventionsbegriff im sozialpädagogischen Kontext und differenziert zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention.
6. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT): Detaillierte Betrachtung der Entstehung, der Modelle, der Phasen sowie der theoretischen Grundlagen und Kritikpunkte des AAT.
7. Das AAT (Hamelner Mode ll) als wachstumsförderndes und emanzipatorisches Pädagogik- und Lernmodell: Vorstellung der Modifikation zum "Konzept 2000" mit Fokus auf "Lobkultur" und Kompetenzerweiterung für Jungen.
8. Braucht Schule "neues Lernen"?: Analyse der gegenwärtigen Schulkrisen und Diskussion über die Übertragbarkeit von Leitideen des AAT auf den Schulalltag zur Verbesserung des Schulklimas.
9. Zusammenfassende Schlußbetrachtung: Fazit über die Möglichkeiten, durch neue Lernformen und geschlechtsspezifische Arbeit langfristig zur Gewaltreduzierung beizutragen.
Anti-Aggressivitäts-Training, AAT, Gewaltprävention, Jungenarbeit, Jungencoaching, Schule, Sozialisation, Männlichkeit, pädagogische Intervention, Konfliktbewältigung, Lobkultur, Hamelner Modell, soziale Kompetenz, jugendliche Gewalt, Schulentwicklung.
Die Diplomarbeit untersucht, wie Methoden aus dem Anti-Aggressivitäts-Training genutzt werden können, um gewaltpräventive Impulse für Schule und Jugendarbeit zu gewinnen.
Die Arbeit behandelt Aggressionstheorien, geschlechtsspezifische Sozialisation von Jungen, das AAT als pädagogisches Modell und die notwendige Schulentwicklung in der modernen Gesellschaft.
Ziel ist es zu prüfen, ob das AAT-Modell Impulse für ein "neues Lernen" bieten kann, das solidarische Verhaltensweisen fördert und männliches Rollenverhalten positiv beeinflusst.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, psychologischer und pädagogischer Ansätze sowie auf der Auswertung von Konzepten und Erfahrungen aus der Praxis des AAT.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonstruktionen, die detaillierte Darstellung des AAT und Überlegungen zur Übertragbarkeit dieser Ansätze auf den Schulalltag.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gewaltprävention, Jungenarbeit, AAT, Männlichkeit und Schulentwicklung charakterisiert.
Während das klassische AAT stark konfrontativ und auf Verhaltensregulierung fokussiert ist, legt das "Konzept 2000" den Schwerpunkt auf eine "Lobkultur" und eine ganzheitliche Wachstumsförderung durch Kompetenzerwerb.
Da körperliche Gewalt in der Regel ein männliches Phänomen ist, setzt die Arbeit an der Entwicklung einer friedfertigen Männlichkeit und dem Abbau tradierter Rollenmuster an, um Gewalt bei Jungen ursächlich entgegenzuwirken.
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