Examensarbeit, 2020
65 Seiten, Note: 1,0
1. Aspekte der Migration in der Eulenspiegel-Forschung
2. Migranten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
2.1. Der Migrationsbegriff in der Anwendung für Mittelalter und Frühe Neuzeit
2.2. Wer gehört zum „Fahrenden Volk“?
2.2.1. Spielleute und Gaukler
2.2.2. Fahrende Handwerker
2.2.3. „Der betrügerische Außenseiter“
3. Aspekte der Migration im Eulenspiegelbuch
3.1. Eulenspiegel, Herkunft, Kindheit und Jugend
3.2. Migration und missglückte Kommunikation
3.3. Eulenspiegel als „betrügerischer Außenseiter“
3.3.1. Eulenspiegel als fahrender Handwerker
3.3.2. Verkleidungen und Verstellungen
3.4. Konflikte mit der Obrigkeit – Motive der Verfolgung
3.5. Reiserouten und Orte
4. Eulenspiegels Migration im Kontext der Schwank- und Schelmenliteratur
4.1. Biographische Struktur und Reiseschema
4.2. Eulenspiegel als Schelm?
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht Eulenspiegels Lebensform als spätmittelalterlicher beziehungsweise frühneuzeitlicher Migrant und analysiert dessen Funktion innerhalb der Gesamtkonzeption des Textes. Dabei wird erforscht, wie sich die Motive und Lebensbedingungen des Protagonisten darstellen, welche Rolle soziale Diskriminierung und Marginalisierung spielen und inwiefern Eulenspiegels Verhalten mit den Gattungskonventionen des Schwankromans korrespondiert.
1. Aspekte der Migration in der Eulenspiegel-Forschung
Die verstärkte literarurhistorische und sozialgeschichtliche Ausrichtung der Germanistik seit Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, hatte auch Auswirkungen auf die Eulenspiegel-Forschung. So entstanden eine Reihe von Arbeiten, die darauf abhoben, „die Titelfigur und ihr Verhalten aus den geschichtlichen Bedingungen und gesellschaftlichen Verhältnissen des frühen 16. Jahrhunderts verständlich zu machen“. Hans WISWE etwa versucht „die Persönlichkeit, die dem Verfasser des Volksbuches vorgeschwebt beziehungsweise die er seinen Darstellungen zugrunde gelegt hat, aus der Gesellschaftsstruktur des ausgehenden Mittelalters“ zu beleuchten. Dabei lässt er dahingestellt, ob eine reale historische Person Eulenspiegel je existiert habe und geht von einer literarischen „Typisierung“ aus, die es ermögliche, Eulenspiegel Taten zuzuschreiben, die aus anderen Kontexten übernommen worden waren. Als Typ schreibt WISWE Eulenspiegel auf die Rolle des betrügerischen Gauklers und Landfahrers fest, dessen Streiche für Bote und seine Leser alles andere gewesen seien als die Taten eines „harmlosen Spaßmachers“, sondern ihn eher „dem Typ des Bösewichts“ zuzuordnen.
Wie eine solche eindimensional negative Bewertung der Eulenspiegel-Figur mit der Verfasserintention der Vorrede zusammen passt, „nur allein um ein fröhlich Gemüt zu machen in schweren Zeiten“, und auf didaktische Absichten gänzlich zu verzichten, erscheint an dieser Stelle nicht plausibel. Ein ambivalentes und facettenreicheres Bild Eulenspiegels zeichnet Wolfgang LINDOW, indem er, gängige Zuschreibungen der Forschung resümierend, das große Spektrum möglicher und zugleich paradoxer Perspektiven auf die Figur darstellt. Die Etiketten mit denen Eulenspiegel demnach versehen wurde, reichen vom dummen und törichten „Schelmen“ und „Hanswurst“ bis zum „Spötter“, „Zyniker“ und zeitkritischen „Wahrheitsfanatiker und gar zum Weisen“. Die Ambivalenz der Figur ist für LINDOW schon in der Bezeichnung „Schalck“ angelegt, die „sowohl einen groben arglistigen Betrüger bezeichnen kann, als auch eine Person, welche andere durch unschuldig scheinendes Betragen nur im Scherze zu hintergehen sucht.“
1. Aspekte der Migration in der Eulenspiegel-Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die forschungsgeschichtliche Debatte zur Figur, von der typisierten „Teufelsfigur“ bis zur ambivalenten Identität des „Schalcks“.
2. Migranten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit: Hier werden theoretische Grundlagen des Migrationsbegriffs erörtert und die heterogene Gruppe des „Fahrenden Volkes“, bestehend aus Spielleuten, Gauklern und Handwerkern, historisch verortet.
3. Aspekte der Migration im Eulenspiegelbuch: Der Hauptteil analysiert die konkrete literarische Ausgestaltung von Eulenspiegels Herkunft, seiner Wanderungen, der missglückten Kommunikation und seiner verschiedenen Rollen als „betrügerischer Außenseiter“.
4. Eulenspiegels Migration im Kontext der Schwank- und Schelmenliteratur: Das Kapitel vergleicht die biographische Struktur des Eulenspiegelbuchs mit anderen zeitgenössischen literarischen Vorbildern und untersucht das Potenzial für eine Einordnung in die Schelmenliteratur.
5. Resümee: Die abschließenden Ausführungen fassen die Ergebnisse zusammen und bestätigen die Figur des Eulenspiegel als einzigartiges, ambivalentes Phänomen zwischen Migrant und literarischem Typus.
Eulenspiegel, Migration, Schwankroman, Schelmenliteratur, Mittelalter, Frühe Neuzeit, fahrendes Volk, Außenseiter, Sozialgeschichte, Mobilität, Identität, Volksbuch, Reiseschema, Literaturwissenschaft, Marginalisierung
Die Arbeit untersucht die Figur des Till Eulenspiegel unter einem sozialgeschichtlichen Blickwinkel, wobei der Fokus auf seiner Lebensweise als Migrant und den damit verbundenen gesellschaftlichen und narrativen Aspekten liegt.
Zentral sind die historische Einordnung von Migration im Mittelalter, die soziologische Abgrenzung von Randgruppen, die literarische Analyse von Verhaltensmustern (wie Betrug oder Rollenwechsel) sowie der Gattungsvergleich.
Ziel ist es, Eulenspiegels Funktion als Migrant im Text aufzuzeigen und zu analysieren, wie seine Identität als „fahrender Außenseiter“ durch das Zusammenspiel von Mobilität, Betrug und gesellschaftlicher Ausgrenzung konstituiert wird.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch sozialhistorische Forschungsergebnisse zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit gestützt wird, um sowohl den historischen Kontext als auch die literarische Struktur zu erfassen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Eulenspiegels Lebensgeschichte, seiner Interaktion mit verschiedenen sozialen Schichten, der Bedeutung seiner Reiserouten und der Analyse spezifischer Schwänke, die seinen Status als Außenseiter verdeutlichen.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Migration, Schwankroman, Außenseiterstatus, soziale Marginalisierung, Mobilität und biographische Struktur definieren.
Eulenspiegel weist eine hohe Ambiguität auf; während andere literarische Figuren oft klare Intentionen (wie religiöse oder wirtschaftliche Zwecke) verfolgen, agiert Eulenspiegel oft unmotiviert oder durch situative Not getrieben, was ihn von klassischen Typen unterscheidet.
Die Sprache fungiert als Instrument des Ausschlusses oder des Betrugs; Eulenspiegel missachtet bewusst oder unbewusst die Konventionen der jeweiligen „Diskursgemeinschaft“ seiner Opfer, was seine soziale Distanz unterstreicht.
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