Diplomarbeit, 2008
119 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Der strukturelle Wandel der Gesellschaft
2.1 Entgrenzungsprozesse in Arbeit und Beruf
2.1.1 Verlust der Orientierungsfunktion des Berufs
2.1.2 Vom Lebensberuf zum flexiblen Arbeitskraftunternehmer
2.1.3 Lebenszeit wird zu Bildungszeit – Das Konzept des lebenslangen Lernens
2.2 Individualisierung: Aus der Enge der Traditionen in neue Zwänge
2.3 Entstrukturalisierung des Lebenslaufs
2.4 Bedingungen des Aufwachsens heute Jugendlicher und junger Erwachsener
3 Identität
3.1 Identität als Kontinuität und Konsistenz
3.2 Der Umgang mit Diskontinuität und Inkonsistenz
3.3 Die Patchwork-Identität – Identitätsarbeit in der Postmoderne
3.3.1 Exkurs: Die Bedeutung des Kohärenzsinns
3.3.2 Der Prozess der Identitätsentwicklung als alltägliche Identitätsarbeit
3.4 Identitätsarbeit als Kern einer subjektorientierten Kompetenzentwicklung in der politischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen
4 Der Kompetenzbegriff
4.1 Der Kompetenzbegriff im erziehungswissenschaftlichen Diskurs
4.1.1 Das Verhältnis von Kompetenz und Bildung
4.1.2 Der Kompetenzbegriff im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Pädagogik
4.1.3 Von der Bildung zur Kompetenzentwicklung
4.2 Kompetenz definiert
4.2.1 Reflexive Handlungsfähigkeit
4.2.2 Kern- und Veränderungskompetenz
5 Kompetenzentwickelndes Lernen
5.1 Zur Begrifflichkeit des informellen Lernens
5.1.1 Formelles Lernen
5.1.2 Informelles Lernen als unbewusstes Lernen
5.1.3 Informelles Lernen als bewusstes Lernen
5.1.4 Stufen informellen Lernens
5.2 Weiterführung: zur theoretischen Anschlussfähigkeit und Aktualität informellen Lernens
5.2.1 Systemisch-konstruktivistische Begründung des Selbstlernens
5.2.2 Lernen als Verfügungserweiterung: Subjektstandpunkt und Lernbegründung in der Lerntheorie von Klaus Holzkamp (1995)
5.2.3 Irritation als Mobilisierungsereignis kontextübergreifender Aneignungsprozesse
5.3 Lernen und Lehre neu denken
5.3.1 Ermöglichungsdidaktische Implikationen
6 Resümee
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der Kompetenzentwicklung als zukunftsfähige Basis für die politische Jugend- und junge Erwachsenenbildung dienen kann. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Bildungsarbeit in einer durch Globalisierung und strukturellen Wandel geprägten Gesellschaft gestaltet sein muss, um Identitätsentwicklung und die Handlungsfähigkeit der Subjekte zu fördern, ohne dabei in eine rein ökonomische Verwertungslogik zu verfallen.
2.1.1 Verlust der Orientierungsfunktion des Berufs
Ulrich Becks Metapher vom „Geisterbahnhof“ verdeutlicht sehr eindringlich gerade die Situation Jugendlicher, die am Beginn ihrer Ausbildung stehen. „Ein […] Geisterbahnhof, […] in dem die Züge nicht mehr nach Fahrplan verkehren. Dennoch läuft alles nach alten Mustern ab. Wer verreisen will – und wer will schon zu Hause bleiben, wo das Zuhausebleiben Zukunftslosigkeit bedeutet-, muss sich in irgendwelchen Warteschlangen zu den Schaltern anreihen, an den Fahrscheine für Züge vergeben werden, die meist sowieso überfüllt sind, oder nicht mehr mit der ausgezeichneten Zielrichtung abfahren. Als sei nichts geschehen, verteilen die Bildungsbeamten hinter den Fahrkartenschaltern mit großem bürokratischem Aufwand Fahrkarten ins Nirgendwohin und halten die sich vor ihnen bildenden Menschenschlangen mit der >>Drohung<< in Schach: >>Ohne Fahrkarten werdet ihr nie mit dem Zug fahren können! << Und das Schlimme ist, sie haben auch noch recht…!“(Beck 1986, S. 238; Hervorhebungen im Original).
Die Bereiche Arbeit und Beruf haben sich gerade auch durch die zuvor skizzierten Prozesse der Globalisierung in entscheidendem Maß gewandelt. Von dem vorindustriellen Berufskonzept und seiner gesellschaftlichen Funktion ist in inhaltlicher, normativer und sozialer Sicht nicht mehr viel übrig geblieben (vgl. Wittwer 1996, S. 82).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Kompetenzentwicklung ein und begründet die Themenwahl durch den gesellschaftlichen Wandel und die persönlichen Erfahrungen im Bereich der politischen Bildung.
2 Der strukturelle Wandel der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die globalen Entgrenzungsprozesse, Individualisierung und die damit verbundenen Anforderungen an Jugendliche und junge Erwachsene.
3 Identität: Hier wird der Identitätsbegriff von der Moderne zur Postmoderne hin untersucht, wobei das Konzept der Patchwork-Identität als Grundlage für moderne Identitätsarbeit dient.
4 Der Kompetenzbegriff: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der Definition von Kompetenz auseinander und hinterfragt die Ökonomisierung des Begriffs im Vergleich zum klassischen Bildungsbegriff.
5 Kompetenzentwickelndes Lernen: Hier werden die lerntheoretischen Grundlagen des informellen Lernens sowie systemisch-konstruktivistische Ansätze für die politische Bildungsarbeit diskutiert.
6 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Argumente zusammen und betont die Notwendigkeit einer subjektorientierten politischen Bildungsarbeit, die Identitätsentwicklung und Eigensinn fördert.
Kompetenzentwicklung, Identitätsarbeit, Politische Bildung, Globalisierung, Individualisierung, Postmoderne, Patchwork-Identität, Informelles Lernen, Ermöglichungsdidaktik, Subjektorientierung, Lebenslanges Lernen, Strukturwandel, Soziale Anerkennung, Handlungsfähigkeit
Die Arbeit untersucht das Konzept der Kompetenzentwicklung im Kontext der politischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse.
Zentrale Themen sind die Identitätsentwicklung in der Postmoderne, der strukturelle Wandel der Gesellschaft, der kritische Kompetenzbegriff und Ansätze für ein kompetenzentwickelndes, informelles Lernen.
Das Ziel ist es, ein zukunftsfähiges Verständnis von Kompetenzentwicklung zu definieren, das die Autonomie und Persönlichkeitsbildung des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt, anstatt sich primär an wirtschaftlichen Verwertungsinteressen zu orientieren.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung erziehungswissenschaftlicher Diskurse, die kritisch-konstruktiv verknüpft werden, um pädagogische Implikationen abzuleiten.
Der Hauptteil analysiert den gesellschaftlichen Wandel, definiert das Konzept der Patchwork-Identität, hinterfragt den aktuellen Kompetenzdiskurs und entwickelt ein pädagogisches Verständnis für kompetenzentwickelndes Lernen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätsarbeit, Subjektorientierung, Postmoderne, Kompetenzentwicklung und Ermöglichungsdidaktik geprägt.
Es beschreibt Identität nicht mehr als festen, statischen Kern, sondern als einen permanenten Prozess der narrativen Konstruktion, bei dem das Individuum widersprüchliche Erfahrungen und Lebensbereiche zu einer authentischen, wenn auch fragilen Einheit zusammenfügt.
Der Begriff wird als Gegenentwurf zur bloßen Anpassung und Marktkonformität genutzt, um zu verdeutlichen, dass politische Bildung Jugendliche dazu ermutigen sollte, eigenständig zu denken und ihre eigene Lebensgestaltung als politische Handlung zu begreifen.
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