Bachelorarbeit, 2020
29 Seiten, Note: 1.7
1 Einleitung
2 Zum Begriff der Sucht
2.1 Geschichtliches
2.2 Abhängigkeit und substanzbezogene Störung
2.3 Abstinenzfestlegung in der Therapie
3 Nicht-pathologische Formen des Substanzkonsums
3.1 Rekreationaler Substanzgebrauch
3.2 Funktionaler und kontrollierter Substanzgebrauch
3.3 Mündiger und verantwortungsvoller Gebrauch
4 Salutogene Effekte im Umgang mit psychoaktiven Substanzen
4.1 Instrumental use
4.2 Lysergsäurediethylamid (LSD) gegen Depressionen?
5 Sucht und Forensik
5.1 Rechtslage
5.2 Lockerungen, Sicherung und Sanktionsmechanismus
5.3 Abstinenz als Behandlungsziel bei der Unterbringung nach §64 StGB
6 Problemstellung
7 Forschungsfragen
8 Forschungsmethoden
9 Bedeutung der Gesundheitsforschung über psychoaktive Substanzen
10 Alternativen zur abstinenzbasierten Suchttherapie
10.1 Selbstkontrollierten Substanzkonsum und harm reduction
11 Das Paradigma Zieloffener Suchtbehandlung (ZOS)
12 Zieloffene Suchtbehandlung im Maßregelvollzug
13 Das Konzept der Drogenmündigkeit
13.1 Drug, Set and Setting
13.2 Drogenmündigkeit konkret
14 Förderung der Drogenmündigkeit im Maßregelvollzug
15 Diskussion: „Schwimmen lernt man im Wasser“
Die Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten eines nicht-pathologischen und salutogenen Umgangs mit psychoaktiven Substanzen und hinterfragt kritisch das primäre Abstinenzparadigma in der Suchthilfe sowie in der forensischen Psychiatrie. Ziel ist es, das Konzept der Drogenmündigkeit als ergänzenden Ansatz zu diskutieren, um die langfristige Integration und Lebensführung von Patienten im Maßregelvollzug nachhaltig zu unterstützen.
13.1 Drug, Set and Setting
Die Wirkung psychoaktiver Substanzen wird in der sozialwissenschaftlichen Drogenforschung mit dem Einfluss der drei Variablen begründet: „Drug, Set and Setting“. (Schmidt-Semisch & Dollinger, 2018; Zinberg, 1984)
Drug bezeichnet dabei die jeweilige Art der Substanz und ihre Applikationsart.
Set steht für die innere Befindlichkeit des Konsumenten und umfasst die geistige Situation des Konsumenten zum Zeitpunkt des Konsums im Sinne seiner aktuellen Grundstimmung. Ferner spielen verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten des Konsumenten eine wichtige Rolle dabei, wie positiv oder negativ seine Konsumerfahrung sein wird: Erwartungshaltung, Reflexionsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Risikofreudigkeit, Ängstlichkeit und viele andere. An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass sich an der Grundstimmung des Konsumenten durch die Substanzeinwirkung nicht viel ändern lässt: die Konsumpraxis zeigt, dass es unter Umständen gelingen kann, eine „als bedrohlich, beängstigend oder deprimierend empfundene Situation [zu] mildern oder [zu] vernebeln, aus dieser Grundstimmung jedoch ein fröhliches, humorvolles und optimistisches In-der-Welt-Sein zu zaubern, vermag jedoch keine einzige Substanz.“ (Barsch, 2010 , S.29)
Setting steht für die sozialen Rahmenbedingungen des Konsums. Dies sind die formellen gesellschaftlichen Regelungen, soziale Normen und Werte sowie soziale Begleitumstände, unter denen der Konsum stattfindet. Das alles nimmt Einfluss auf die Effekte des Konsums.
Es gibt also nicht nur die Substanz, die mit ihrer pharmakologischen Macht auf den Menschen einwirkt, sondern auch viele andere Faktoren, die bei der Entwicklung des Konsums in den nicht-pathologischen und salutogenen oder missbräuchlichen und risikoreichen Bereich sehr wichtig sind.
1 Einleitung: Einführung in das Thema des nicht-pathologischen Umgangs mit psychoaktiven Substanzen und Darstellung der Relevanz für Suchthilfe und Maßregelvollzug.
2 Zum Begriff der Sucht: Historische Entwicklung und medizinische Klassifizierung von Sucht und Abhängigkeit.
3 Nicht-pathologische Formen des Substanzkonsums: Untersuchung von rekreationalen, funktionalen und verantwortungsvollen Konsumformen abseits pathologischer Muster.
4 Salutogene Effekte im Umgang mit psychoaktiven Substanzen: Analyse der potenziell gesundheitsfördernden Auswirkungen von Substanzen und deren Instrumentalnutzen.
5 Sucht und Forensik: Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Problematik der Abstinenzzielvorgabe nach §64 StGB.
6 Problemstellung: Beschreibung der Schwierigkeiten, die durch ein starres Abstinenzparadigma im Maßregelvollzug entstehen.
7 Forschungsfragen: Formulierung der zentralen Fragen zur Etablierung von Alternativen zum Abstinenzparadigma und zur Rolle der Sozialarbeit.
8 Forschungsmethoden: Erläuterung der hermeneutisch-interpretatorischen Vorgehensweise und empirischen Feldbeobachtung.
9 Bedeutung der Gesundheitsforschung über psychoaktive Substanzen: Diskussion über die Notwendigkeit, Forschungsergebnisse für die praktische Suchthilfe nutzbar zu machen.
10 Alternativen zur abstinenzbasierten Suchttherapie: Vorstellung von Ansätzen wie selbstkontrolliertem Konsum und Harm Reduction.
11 Das Paradigma Zieloffener Suchtbehandlung (ZOS): Erläuterung des Ansatzes der Begegnung auf Augenhöhe und der Selbstwirksamkeit des Patienten.
12 Zieloffene Suchtbehandlung im Maßregelvollzug: Analyse der Herausforderungen bei der Implementierung von ZOS in einem sanktionsbehafteten Setting.
13 Das Konzept der Drogenmündigkeit: Theoretische Herleitung des Konzepts und Bedeutung von "Drug, Set and Setting".
14 Förderung der Drogenmündigkeit im Maßregelvollzug: Diskussion der praktischen Umsetzbarkeit und Grenzen der Förderung von Drogenmündigkeit unter aktuellen rechtlichen Bedingungen.
15 Diskussion: „Schwimmen lernt man im Wasser“: Resümee über die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Suchtarbeit weg von der Dämonisierung.
Psychoaktive Substanzen, Suchthilfe, Maßregelvollzug, §64 StGB, Abstinenzparadigma, Drogenmündigkeit, Salutogenese, Zieloffene Suchtbehandlung, Harm Reduction, Drug Set Setting, Sozialarbeit, Forensische Psychiatrie, Substanzgebrauch, Gesundheitsforschung, Selbstkontrolle.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Spektrum des Substanzkonsums jenseits der Abhängigkeit und hinterfragt, wie ein verantwortungsvoller Umgang ("Drogenmündigkeit") anstelle einer rein abstinenzbasierten Zielvorgabe in der Suchthilfe und Forensik gefördert werden kann.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von pathologischem und nicht-pathologischem Konsum, die Kritik am Abstinenzparadigma in der forensischen Unterbringung nach §64 StGB sowie die Anwendung salutogener Ansätze in der Sozialarbeit.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern es sinnvoll sein könnte, Alternativen zum Abstinenzparadigma im Maßregelvollzug zu etablieren und wie Sozialarbeiter Patienten dabei unterstützen können, einen verantwortungsvollen Umgang mit Substanzen zu erlernen.
Die Autorin nutzt einen hermeneutisch-interpretatorischen Ansatz in Kombination mit systematischer Literaturrecherche sowie Erkenntnissen aus eigenen empirischen Feldbeobachtungen während eines Praktikums im Maßregelvollzug.
Im Hauptteil werden der Forschungsstand zu nicht-pathologischen Konsumformen, Ansätze wie die "Zieloffene Suchtbehandlung" (ZOS), die "Harm Reduction" und die theoretische Fundierung durch das "Drug, Set and Setting"-Modell diskutiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Drogenmündigkeit, Maßregelvollzug, Salutogenese, Abstinenzparadigma und Harm Reduction charakterisiert.
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Unterbringung gemäß §64 StGB auseinander, da diese ein strikt abstinenzorientiertes Ziel verfolgt, was bei Patienten ohne entsprechende Abstinenzmotivation häufig zu Therapieabbrüchen führt.
Es ist relevant, da es den Fokus von der bloßen Abstinenz hin zur Stärkung der individuellen Handlungskompetenz und Reflexionsfähigkeit verschiebt, was langfristig die Legalprognose verbessern könnte, indem der Konsum in sozial verträgliche Bahnen gelenkt wird.
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