Bachelorarbeit, 2015
59 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Quellenlage und Forschungsstand
3. Ein historischer Überblick – Die Rolle von Stimulanzien als Dopingmittel
4. Die Entwicklung und Vermarktung von Pervitin in den 1930er Jahren
5. Die Erforschung von Pervitin unter dem Aspekt der Leistungssteigerung im Nationalsozialismus
5.1 Lehmann, Straub & Szakáll – Beobachtungen am Fahrradergometer
5.2 Heyrodt & Weißenstein – Experiment mit einem Langstreckenläufer
5.3 Pellmont & Staub – Vergleichende Untersuchungen
5.4 Reflexion der Studien
6. Die Panzerschokolade – Pervitin in der deutschen Wehrmacht
7. Die Wunderpille – Pervitin als Dopingmittel im Leistungssport
7.1 Die Genese des Pervitins als leistungssteigerndes Mittel im Nachkriegssport
7.2 Fallbeispiele des Pervitindopings
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Einsatz von Pervitin (Methamphetamin) als leistungssteigerndes Mittel im Nationalsozialismus sowie dessen Verbreitung und Folgen im Sport der frühen Nachkriegszeit. Das zentrale Ziel ist es, die Genese des Präparats in den historischen Kontext der nationalsozialistischen Leistungsmedizin einzuordnen und zu analysieren, inwieweit die damaligen Erfahrungen mit Doping und der Einsatz von Stimulanzien als Grundlage für spätere Dopingpraktiken im Leistungssport dienten.
Die Genese des Pervitins als leistungssteigerndes Mittel im Nachkriegssport
Die bis dato aufgezeigten Entwicklungen und Analysen der Pervitinhistorie machen, im Hinblick auf den Nachkriegssport, nur allzu deutlich, dass diese Phase deutscher Dopinggeschichte nicht isoliert und ohne jegliche Vorgeschichte betrachtet werden darf. Eklatant wird dies meines Erachtens nach vor allem aufgrund zweier Faktoren. Zum Einen die Tatsache, dass viele Akteure des bundesdeutschen Nachkriegssports in der Zeit des NS-Regimes sozialisiert wurden und damit auch hinsichtlich der pharmakologischen Aspekte der körperlichen Leistungssteigerung informiert waren.
Zum Anderen die Faktizität, dass im Zweiten Weltkrieg im großen Stil Aufputschmittel zur Leistungssteigerung verwendet wurden (siehe Kapitel 5). Auch Spitzer et al. kommen zu dem Schluss, dass die Anwendung solcher Präparate im Nachkriegssport in der Tradition des Konsums im Zweiten Weltkrieg stand. Als Quelle werden von ihnen neben schriftlichen Zeugnissen, untere anderem auch Zeitzeugen aufgeführt. Demnach habe ein betreuender Arzt zweier süddeutscher Oberliga-Teams den Fußballspielern vor den Spielen Pervitin verabreicht. Betreut wurden die Teams in dem Zeitraum von 1949 bis 1953. Ein Unrechtsbewusstsein oder gar einen sportethischen Verstoß habe man dabei, laut Zeitzeugen, nicht empfunden.
1. Einleitung: Hinführung zum Thema der Dopinggeschichte und Skizzierung des Fokus auf Pervitin im Nationalsozialismus und Nachkriegssport.
2. Quellenlage und Forschungsstand: Darstellung der lückenhaften Quellenlage zur Dopinghistorie und Einordnung des Themas als „Steinbruch“ der Sporthistoriographie.
3. Ein historischer Überblick – Die Rolle von Stimulanzien als Dopingmittel: Historische Herleitung des Bestrebens, körperliche Leistungen mittels Substanzen zu steigern, beginnend bei der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
4. Die Entwicklung und Vermarktung von Pervitin in den 1930er Jahren: Analyse der Entstehung und Markteinführung von Pervitin durch die Temmler-Werke sowie die chemische Bedeutung des Präparats.
5. Die Erforschung von Pervitin unter dem Aspekt der Leistungssteigerung im Nationalsozialismus: Untersuchung zeitgenössischer Studien zur zentralerregenden Wirkung von Pervitin und deren Relevanz für die Leistungsmedizin.
6. Die Panzerschokolade – Pervitin in der deutschen Wehrmacht: Beleuchtung des massiven Einsatzes von Pervitin im militärischen Kontext zur Überwindung von Ermüdungserscheinungen.
7. Die Wunderpille – Pervitin als Dopingmittel im Leistungssport: Analyse der Kontinuität des Pervitinkonsums im Nachkriegssport unter Berücksichtigung politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
8. Fazit: Resümee über die Verknüpfung der nationalsozialistischen Pervitin-Forschung mit den Dopingpraktiken der Nachkriegszeit.
Pervitin, Methamphetamin, Doping, Leistungssport, Nationalsozialismus, Leistungsmedizin, Nachkriegssport, Wehrmacht, Panzerschokolade, Sportmedizin, Stimulanzien, Suchtgefahr, Leistungssteigerung, Sportgeschichte, Pharmakologie
Die Arbeit analysiert die Geschichte und den Einfluss von Pervitin als Dopingmittel, ausgehend von seiner Entwicklung im Nationalsozialismus bis hin zu seiner Verwendung im deutschen Nachkriegssport.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der nationalsozialistischen Leistungsmedizin, den militärischen Missbrauch von Aufputschmitteln und die nahtlose Fortführung dieser Praktiken im Sport nach 1945.
Ziel ist es, die Genese von Pervitin als Dopingmittel aufzuzeigen und zu untersuchen, wie Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg das Dopingverhalten im Sport der frühen Bundesrepublik beeinflussten.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Studien, Patente, medizinischer Berichte und sportwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den pharmakologischen Studien während des Nationalsozialismus, dem Wehrmachtsgebrauch („Panzerschokolade“) und der späteren Anwendung durch Sportler und Mediziner.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Leistungsmedizin, Pervitin, Doping, Nachkriegssport und die Tradition der Leistungssteigerung gekennzeichnet.
Die Wehrmacht nutzte Pervitin als „Wachhaltemittel“ in einem massiven Ausmaß, was zu einer gesellschaftlichen Normalisierung des Konsums beitrug.
Der Begriff verdeutlicht die noch lückenhafte historische Aufarbeitung des Dopingthemas für die frühe Phase der deutschen Sporthistoriographie.
Dies war einer der ersten deutschen Dopingskandale der Nachkriegszeit während der Rudermeisterschaften 1952, bei dem jedoch primär der Vorwurf der leistungshemmenden Substanz im Zentrum stand.
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