Bachelorarbeit, 2020
87 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Geflüchtete Frauen aus dem Nahen Osten
2.1 Frauen vor, auf und nach der Flucht
2.2 Zur Lage im Nahen Osten
3 Traumaverständnis
3.1 Begriffsdefinition Trauma
3.2 Traumafolgestörungen
3.3 Soziale, gesellschaftliche und politische Dimension von Trauma
3.4 Sequenzielle Traumatisierung nach Keilson (1979)
3.5 Flucht als Sequenzielle Traumatisierung
3.6 Traumaüberlebende im sozialen Kontext
3.7 Zwischenmenschliche Gewalt als Ursache der Traumatisierung
3.8 Zwischenmenschliche Gewalt durch Krieg und Folter
3.9 Sexualisierte Gewalt als geschlechtsspezifische Form der Folter
4 Traumapädagogik
4.1 Begriffserklärung Traumapädagogik
4.2 Traumapädagogische Konzepte
4.3 Auswahl des Konzepts
4.4 Martin Kühn: Pädagogik des Sicheren Ortes
4.5 Bewältigung komplexer Traumata
4.6 Leitlinien und Ziele der Traumapädagogik für den Umgang mit geflüchteten Frauen aus dem Nahen Osten
5 Konkrete Übertragung traumapädagogischer Konzepte auf die Lebenssituation geflüchteter Frauen aus dem Nahen Osten
5.1 Äußerer sicherer Ort
5.2 Personeller sicherer Ort
5.3 Innerer sicherer Ort
6 Zwischenbilanz und Forschungsfragen
7 Empirische Forschung
7.1 Darstellung der Forschungsfragen
7.2 Ziel der Forschungsarbeit
7.3 Beschreibung der Erhebungsmethode
7.4 Das problemzentrierte ExpertInnen-Interview
7.5 Leitfadeninterview
7.6 Zur Auswahl der Interviewpartnerinnen
7.7 Durchführung des Interviews
7.8 Erhebungsprozess
8 Auswertungsprozess
9 Ergebnisse der qualitativen Forschung
9.1 Fachverständnis der pädagogischen Fachkräfte
9.2 Genderspezifische und persönliche Faktoren
9.3 Strukturelle Rahmenbedingungen
9.4 Soziale Faktoren
10 Diskussion der Analyse und Schlussfolgerung hinsichtlich der Forschungsfragestellung
10.1 Reflektiertes Selbstverständnis der Fachkräfte und deren fachliche Expertise
10.2 Genderspezifische und persönliche Rahmenbedingungen
10.3 Strukturelle Rahmenbedingungen außerhalb und innerhalb der Einrichtungen
10.4 Soziale Faktoren wie spezifische Angebote, Netzwerkarbeit und Mobilisierung der Gesellschaft
10.5 Zusammenfassung
11 Kritische Betrachtung der Empirie
11.1 Qualitative Gütekriterien
11.2 Methodenkritik und weiterführende Forschungsansätze
12 Fazit und Ausblick
13 Literaturverzeichnis
14 Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeiten geflüchteter Frauen aus dem Nahen Osten hinsichtlich ihrer Traumabewältigung und Sicherheitsbedürfnisse nach der Ankunft in Deutschland sowie die Herausforderungen für die Soziale Arbeit. Zentral ist dabei die Frage, wie ein traumasensibles Umfeld in der Praxis gestaltet werden kann, um eine erfolgreiche Stabilisierung zu ermöglichen.
3.1 Begriffsdefinition Trauma
Kühner (2011) verweist auf den griechischen Ursprung des Wortes „Trauma“, das dort für „Wunde“ benutzt wurde, was mit der üblichen Verwendung in der Medizin einhergeht. Weiterhin beschreibt sie Traumata als „Verletzungen (…), die lange weiterwirken können, jedoch nach außen nicht sichtbar sind.“ (Kühner, 2011, S. 263f.). Demnach ergeben sich zwei Zugänge zum Traumaverständnis: Einerseits das medizinische, biologische, psychiatrische und systemorientierte Traumaverständnis und zum anderen die auf den inneren Prozess fokussierte psychoanalytische Traumakonzeption (Zimmermann, 2012, S. 30).
In der Konsequenz ist eine Begriffsverwirrung des Wortes Trauma nicht auszuschließen, da es alltagssprachlich als ein Ereignis und eine Folge bezeichnet werden kann. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Traumaforschung ebenso wie die Entwicklung in Bezug auf Handlungs- und Verstehenskonzeptionen insbesondere aus therapeutischer Perspektive stattfindet (Zimmermann, 2012, S. 16f). Der Inhalt dieser Arbeit bezieht sich ausschließlich auf die psychischen bzw. seelischen und mentalen Traumata.
Um ein Trauma näher zu bestimmen, sind laut Allwinn (2018) für den psychologisch-psychiatrischen Bereich die weltweit angewandten Diagnose-Instrumente ausschlaggebend (Allwinn, 2018, S. 192). Es existieren zwei Klassifikationssysteme, welche Trauma bzw. traumatische Ereignisse und Traumafolgeerscheinungen definieren und die zur Beurteilung der Situation von Flüchtlingen genutzt werden (Zimmermann, 2012, S. 31).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Situation geflüchteter Frauen aus dem Nahen Osten ein, benennt die Problemstellung der Traumabewältigung im Exil und skizziert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Bachelorarbeit.
2 Geflüchtete Frauen aus dem Nahen Osten: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die spezifischen Herausforderungen von Frauen vor, während und nach der Flucht und beleuchtet die politische und soziale Lage im Nahen Osten.
3 Traumaverständnis: Es wird das theoretische Traumaverständnis definiert, Traumafolgestörungen erläutert und die Bedeutung von zwischenmenschlicher Gewalt sowie gesellschaftlicher Faktoren für den Traumaprozess herausgearbeitet.
4 Traumapädagogik: Dieses Kapitel gibt Einblick in traumapädagogische Konzepte, mit Fokus auf die "Pädagogik des Sicheren Ortes" von Martin Kühn als Grundlage für die Arbeit.
5 Konkrete Übertragung traumapädagogischer Konzepte auf die Lebenssituation geflüchteter Frauen aus dem Nahen Osten: Die theoretischen Ansätze der Traumapädagogik werden hier auf die reale Lebenssituation der Zielgruppe, insbesondere in Unterkünften, angewendet.
6 Zwischenbilanz und Forschungsfragen: Hier wird eine kurze Bilanz der Theorie gezogen und die Forschungsfragestellung für den empirischen Teil der Arbeit präzisiert.
7 Empirische Forschung: Die methodische Vorgehensweise, das Forschungsdesign sowie die Durchführung der ExpertInnen-Interviews werden detailliert beschrieben und begründet.
8 Auswertungsprozess: Es wird der Prozess der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring erläutert, der zur Auswertung der gesammelten Daten angewandt wurde.
9 Ergebnisse der qualitativen Forschung: Die Ergebnisse aus den ExpertInnen-Interviews zu den Themen Fachverständnis, genderspezifische Faktoren, strukturelle Rahmenbedingungen und soziale Faktoren werden präsentiert.
10 Diskussion der Analyse und Schlussfolgerung hinsichtlich der Forschungsfragestellung: Die empirischen Befunde werden kritisch mit dem theoretischen Rahmen diskutiert und die Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit gezogen.
11 Kritische Betrachtung der Empirie: Dieses Kapitel widmet sich der methodischen Güte der Forschung sowie einer kritischen Reflexion der gewählten Vorgehensweise.
12 Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und gibt Empfehlungen für weiterführende Forschungsansätze und zukünftiges Handeln.
Traumabewältigung, Geflüchtete Frauen, Naher Osten, Traumapädagogik, Soziale Arbeit, Sicherer Ort, Flucht, Sequenzielle Traumatisierung, Empowerment, Intersektionalität, Psychosoziale Arbeit, Traumafolgestörungen, Stigmatisierung, Lebensbedingungen, Migrationsprozess.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Notwendigkeiten geflüchteter Frauen aus dem Nahen Osten bei der Bewältigung von traumatischen Erfahrungen nach ihrer Ankunft in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Sozialen Arbeit.
Zentrale Felder sind Traumaverständnis, traumapädagogische Konzepte (insb. der "Sichere Ort"), die Lebenssituation in Gemeinschaftsunterkünften sowie die Bedeutung von genderspezifischen und kulturellen Faktoren.
Das Ziel ist es, mittels Experteninterviews die Notwendigkeiten traumatisierter geflüchteter Frauen zu ermitteln, um Handlungsmöglichkeiten und Herausforderungen für die Praxis der Sozialen Arbeit abzuleiten.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf problemzentrierten ExpertInnen-Interviews und einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung zu Trauma und Traumapädagogik als auch die empirische Analyse von Rahmenbedingungen, die professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit beeinflussen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Traumabewältigung, Traumapädagogik, Soziale Arbeit, Sicherer Ort, Flucht, Sequenzielle Traumatisierung und Empowerment.
Das Konzept wurde als weniger geeignet für die Zielgruppe erachtet, da es stark auf Autonomie und Handlungsfähigkeit fokussiert, was als westlich geprägte Wertevorstellung nicht zwingend die spezifischen Hauptnotwendigkeiten der geflüchteten Frauen aus dem Nahen Osten widerspiegelt.
Als "Insel der Sicherheit" bezeichnen die Interviewpartnerinnen die stabilisierenden Momente in der pädagogischen Beziehung, durch die betroffene Frauen nach traumatischen Erfahrungen wieder Kraft schöpfen können.
Räumlichkeiten sind essenziell; mangelnde Privatsphäre, fehlende Geschlechtertrennung in Gemeinschaftsunterkünften und ständige Unsicherheit durch Gewaltgefahr wirken retraumatisierend und verhindern den Aufbau von innerer Sicherheit.
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