Masterarbeit, 2017
86 Seiten, Note: 1,3
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. MENSCHENRECHTE ALS ETHISCHE AXIOME
2. BEGRÜNDUNG DER NOTWENDIGKEIT FÜR DIE BEANTWORTUNG DER LEITFRAGE
3. DIE ART DER VERANTWORTUNG
3.1 DIE BEDINGUNGEN
3.2 FÜRSORGEVERANTWORTUNG – DER ADDITIVE CHARAKTER DER VERANTWORTUNG
3.3 DREI NORMATIVE DIMENSIONEN DER VERANTWORTUNG
3.4 ZUSAMMENFASSUNG
4. DIE AKTEURE AUF DEM WELTMARKT
4.1 KONSUMENTENVERANTWORUNG
4.1.1 DER KONSUMENT IN DER VIERSTELLIGEN RELATION ALS VERANTWORTUNGSSUBJEKT (URHEBER)
4.1.2 DER KONSUMENT ALS VERANTWORTUNGSINSTANZ
4.1.2.1 INFORMATIONSDEFIZITE SEITENS DER KONSUMENTEN
4.1.2.2 DIE BEEINFLUSSBARKEIT DER KAUFENTSCHEIDUNG DURCH ANWENDUNG VON KONSUMENTPSYCHOLOGIE SEITENS DER UNTERNEHMER
4.1.2.3 DIE WIRKUNGSKRAFT DES SANKTIONSPOTENZIALS DER KONSUMENTEN
4.2. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT
5. VERANTWORTUNG VON UNTERNEHMEN
5.1 UNTERNEHMENSVERANTWORTUNG DER PRODUZENTEN
5.2 UNTERNEHMENSVERANTWORTUNG DER EINZELHÄNDLER
5.2.1 DER EINZELHANDEL IN DER VERANTWORTUNGSRELATION
5.2.2 ECKPRODUKTE UND DIE VERANTWORTUNG DES EINZELHÄNDLERS GEGENÜBER DEN PRODUZENTEN
5.2.3 VERANTWORTUNG DES EINZELHANDELS GEGENÜBER DEN KONSUMENTEN
5.2.4 VERANTWORTUNG ZWISCHEN EINZELHANDEL UND STAAT
5.2.5 VERANTWORTUNG DES EINZELHANDELS GEGENÜBER DER GESELLSCHAFT
5.3 ZUSAMMENFASSUNG
6. ZWISCHENFAZIT
7. DIE ROLLE DES STAATES
7.1 DIE ROLLE DES STAATES ALS LIEFERANT UND ERZWINGER VON INFORMATIONEN
7.1.2 DIE BEDEUTUNG EINER INFORMATIONSPFLICHT FÜR EINE GERECHTFERTIGTE VERANTWORTUNGSZUSCHREIBUNG
7.2 DIE ROLLE UND VERANTWORTUNG DES STAATES ALS LEGITIMATOR DES WIRTSCHAFTSSYSTEMS UND ALS VÖLKERRECHTSSUBJEKT
8. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Verantwortungszuschreibung im globalen Konsumgütermarkt, insbesondere bei Südfrüchten, und analysiert die rechtlichen sowie moralischen Schwierigkeiten, die Akteure wie Konsumenten, Einzelhändler und Produzenten für Missstände in der Lieferkette verantwortlich zu machen. Ziel ist es, Lösungsansätze zu eruieren, wie durch rechtliche Rahmenbedingungen eine gerechtfertigte Verantwortungszuschreibung ermöglicht werden kann.
EINLEITUNG
Wenn Sie eine Banane kaufen, sind Sie dann schuld an den Menschenrechtsverletzungen, die bei der Produktion in fernen Ländern geschehen? Sind Sie schuld daran, dass die Menschen, die auf den Plantagen arbeiten, mit Chemikalien besprüht werden und erkranken, sich aber nicht einmal medizinisch versorgen lassen können1 Müssen Sie sich als Konsument direkt für diese Menschenrechtsverletzungen verantworten? Schließlich sind wir als Konsumenten diejenigen, die diese extreme Nachfrage an beispielsweise Bananen und Ananas erzeugen. Nur durch uns Konsumenten ist die finanzielle Grundlage geschaffen, auf der dann Einzelhändler, Zulieferer und Produzenten, als ein Gesamtsystem, den Bau und Betrieb einer Bananenfarm wirtschaftlich gestalten. Nun könnten wir argumentieren, dass nicht wir als Konsumenten diese Menschenrechtsverletzungen begehen. Es ist nicht unsere Handlung (der Kauf einer Banane im Einzelhandel), die diese Menschenrechtsverletzungen verursacht. Es sind schließlich die Produzenten, die Menschenrechtsverletzungen wie zum Beispiel Kinderarbeit dulden und vielleicht sogar fördern. Ähnlich argumentieren auch die Einzelhändler: Es sind nicht sie, die die Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen begehen. Ihre Handlung (der Ankauf und Verkauf von Bananen) ist nicht die unmittelbare Ursache für die Menschenrechtsverletzungen. Außerdem wissen sie, ebenso wenig wie wir als uninformierte Konsumenten, wie die Zustände auf den Plantagen wirklich sind. Denn die Zuliefererstrukturen sind so komplex, dass der Weg der einzelnen Frucht von einer bestimmten Plantage hin zu ihnen kaum nachzuvollziehen ist. Sind folglich die Zulieferer mitverantwortlich für die Verstöße gegen die Menschenrechte? Ist es ihre Handlung (Ankauf, Transport und Verkauf), welche Ausbeutung und Unrecht direkt verursacht? Wen trifft hier die Schuld? Diese Darstellung der Problematik ist selbstverständlich viel zu verkürzt, aber spiegelt die gängige Praxis bei der Schuldzuschreibung im Konsumsystem wider. Alle Akteure geben die Schuld entlang der Lieferkette nach unten weiter, bis es am Ende die bösen Produzentenunternehmen sind, welche die Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen begehen. Dazu zählen dann auch durch Korruption gekennzeichnete Regierungen, die nichts gegen diese Handlungen unternehmen. Schließlich sind sie als Völkerrechtssubjekte direkt zuständig für die Einhaltung der Menschenrechte in ihrem Land.
1. MENSCHENRECHTE ALS ETHISCHE AXIOME: Dieses Kapitel postuliert Menschenrechte als notwendige ethische Grundlage für wirtschaftliches Handeln und kontrastiert die politische und moralische Konzeption der Menschenrechte.
2. BEGRÜNDUNG DER NOTWENDIGKEIT FÜR DIE BEANTWORTUNG DER LEITFRAGE: Es wird dargelegt, warum die Frage nach Verantwortung im globalen Marktgefüge trotz bestehender Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen durch Großkonzerne bislang schwer zu beantworten ist.
3. DIE ART DER VERANTWORTUNG: Hier wird der Begriff der Verantwortung definiert und die vierstellige Relation (Urheber, Adressat, Ereignis, Maßstab) sowie deren additive Komponente, die Fürsorgeverantwortung, im Gegensatz zum klassischen Schuldbegriff erörtert.
4. DIE AKTEURE AUF DEM WELTMARKT: Dieses Kapitel beleuchtet die Rollen der Konsumenten, Produzenten und Einzelhändler, wobei insbesondere auf die Problematik des Konsumenten als Verantwortungsinstanz eingegangen wird.
5. VERANTWORTUNG VON UNTERNEHMEN: Hier erfolgt eine Analyse der Unternehmensverantwortung durch Shareholder- und Stakeholder-Ansätze, wobei die Macht des Einzelhandels bei der Eckproduktfunktionalisierung kritisch hinterfragt wird.
6. ZWISCHENFAZIT: Das Kapitel systematisierte die Probleme der Verantwortungszuschreibung und zeigt auf, warum die bisherige Trennung der Verantwortungsbereiche eine Lösung für ethischen Konsum erschwert.
7. DIE ROLLE DES STAATES: Es wird die Rolle des Staates als Legitimator untersucht und dargelegt, warum staatliche Informationspflichten ein notwendiges Instrument für gerechte Verantwortungszuschreibungen sind.
8. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass nur durch staatlich etablierte, rechtliche Maßstäbe eine wirksame Verbesserung der Zustände entlang globaler Lieferketten erreicht werden kann.
Verantwortung, Konsumentenethik, Menschenrechte, Unternehmensverantwortung, Lieferkette, Verantwortungsrelation, Einzelhandel, Produzenten, Informationspflicht, Nachhaltigkeit, Südfrüchte, soziale Güteklassen, Stakeholder, Rechtmäßigkeit, Marktgefüge.
Die Arbeit untersucht, wie Verantwortungszuschreibungen im globalen Konsumgütermarkt vorgenommen werden können, um Menschenrechtsverletzungen bei der Produktion von Südfrüchten zu adressieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Begründung von Verantwortung, der Analyse der Rollen von Konsumenten, Einzelhändlern und Staaten sowie der rechtlichen Verankerung von Sorgfaltspflichten.
Das Ziel ist es, eine gerechtfertigte Basis für die Verantwortungszuschreibung im komplexen globalen Markt zu finden, da moralische Appelle allein bei der Behebung von Missständen oft scheitern.
Es wird eine philosophisch-analytische Methode verwendet, die das soziale Konstrukt der Verantwortung in eine vierstellige Relation überführt und diese auf die Rollen der Marktteilnehmer anwendet.
Der Hauptteil analysiert die Handlungsspielräume und Verantwortungsbereiche von Konsumenten und Unternehmen, die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und faktischer Umsetzung sowie die Rolle staatlicher Regulatorik.
Wesentliche Begriffe sind die vierstellige Verantwortungsrelation, Informationsdefizite, Eckproduktfunktionalisierung und die Rolle des Staates als Legitimator.
Der Konsument unterliegt strukturellen Begrenzungen wie Informationsdefiziten, psychologischen Manipulationen durch Marketing und ökonomischen Zwängen, die eine bewusste ethische Entscheidung in der Realität erschweren.
Der Staat ist als Völkerrechtssubjekt in der Pflicht, sicherzustellen, dass in seinem Hoheitsgebiet ansässige Unternehmen keine Menschenrechte verletzen, indem er durch Gesetze einen kodifizierten Maßstab schafft.
Das Beispiel illustriert, wie durch staatliche Prüfpflichten Verantwortung definiert wird; es dient als Analogie, um zu zeigen, dass auch soziale Standards für Produkte rechtlich verpflichtend deklariert werden könnten.
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