Magisterarbeit, 2010
116 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Problematisierung des Begriffes „Postmoderne“
2.2. Narratologischer Ansatz
2.2.1. Zeit
2.2.2. Modus
2.2.3. Stimme
2.2.4. Der problematische Erzähler – Unzuverlässiges Erzählen
2.3. Theoretische Überlegungen zum Gedächtnis und Erinnern
2.4. Schuld und Sühne - Ein vieldimensioniertes Begriffspaar
2.4.1. Theologisch
2.4.2. Psychologisch
2.4.3. Philosophisch – Ethisch – Moralisch
2.5. Abwehrmechanismen der Psyche
3. Anwendung der Theorie
3.1. The Remains of the Day
3.1.1. Autor und Werk
3.1.2. Zentrale Motive: Würde – Loyalität - Pflicht - Great Butler
3.1.3. Narrative Situation in The Remains of the Day
3.1.3.1. Zeit / Modus / Stimme
3.1.3.2. Butler Stevens als unzuverlässiger Erzähler
3.1.3.3. Sprache und Stil
3.1.4. „I Remain Fascinated by Memory“ Erinnerung und Gedächtnis
3.1.5. Schuld, Verdrängung und Selbst-Betrug bei Stevens
3.1.5.1. Politischer historischer Kontext
3.1.5.2. Privater sozialer Kontext
3.1.6. Sühne und Einsicht bei Stevens
3.1.6.1. Politischer historischer Kontext
3.1.6.2. Privater sozialer Kontext
3.2. Atonement
3.2.1. Autor und Werk
3.2.2. Brionys „crime“ als Folge bestimmter Umstände
3.2.2.1. Das „Zerstörungspotenzial der Fantasie“ Literarische Ambitionen der jungen Briony
3.2.2.2. „Die unheimliche Zone zwischen Kindheit und Erwachsensein“ Die 13-jährige Briony
3.2.3. Narrative Situation in Atonement
3.2.3.1. Zeit / Modus / Stimme
3.2.3.2. Zur Bedeutung metafiktionaler Elemente in Atonement
3.2.3.3. Briony Tallis als unzuverlässige Erzählerin
3.2.3.4. Sprache und Stil
3.2.4. Erinnerung und Gedächtnis in Atonement
3.2.5. Die Schuldfrage bei Briony
3.2.6. Der Sühne-Gedanke bei Briony
4. Zusammenfassung – Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Formen der Vergangenheitsbewältigung in der postmodernen Literatur, wobei der Fokus auf den Romanen "The Remains of the Day" von Kazuo Ishiguro und "Atonement" von Ian McEwan liegt. Zentrales Ziel ist die Analyse, wie die beiden Protagonisten Stevens und Briony mit ihrer persönlichen Schuld umgehen, indem sie ihre Vergangenheit durch Erinnerungsprozesse aufarbeiten und nach Möglichkeiten der Einsicht und Sühne suchen.
1. Einleitung
Wir sehen, wie in einem durchsichtigen himmelblau klaren See, die verlorenen Tage der Vergangenheit schimmern. Ach, die glänzende Klarheit täuscht über die Erreichbarkeit der Tiefe!1
Dieser Aphorismus aus Karl Gutzkows „Vom Baum der Erkenntnis“ verweist auf die Pro blematik, sich der eigenen Vergangenheit zu nähern, und damit gleichermaßen auf den zentra len Themenbereich dieser Arbeit. Der Blick bzw. der Rückblick auf die persönliche Vergan genheit, das heißt das Erinnern an Geschehnisse, Begebenheiten und Handlungen, ist stets persönlich geprägt. Die Art und Weise, wie man sich erinnert, Umfang, Tiefe, Klarheit und Eindeutigkeit, was man zuläseits, ob bewusst oder unbewusst, ist individuell geprägt und lässt Rückschlüsse auf die erinnernde Persönlichkeit zu. Dies gilt umso mehr, wenn das, woran man sich erinnert, für das sich erinnernde Individuum negativ besetzt ist, wenn es also um persönliche Schuld geht. Die beiden Möglichkeiten, mit ihr erinnernd umzugehen, sind Ver drängung oder Einsicht und Sühne. Damit ist der Themenbereich der Arbeit nicht nur ge nannt, sondern auch zugleich eingegrenzt.
Da die Vergangenheitsbewältigung ein zutiefst menschliches Thema ist, wird dieses auch immer wieder zum Gegenstand der Literatur. Der Versuch, Formen des Erinnerns und des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit darzustellen, damit also einen wesentlichen Aspekt des menschlichen Lebens zu zeigen, begrenzt sich demzufolge nicht auf eine bestimmte Zeit spanne oder literarische Epoche. Die angesprochene Problematik soll in dieser Arbeit im Be reich der postmodernen Literatur untersucht werden. Da der Darstellungsumfang einer derar tigen Arbeit beschränkt ist und eine Vielzahl von Werken die Möglichkeit bieten, zum Ge genstand der Analyse zu werden, ist es notwendig, eine Auswahl zu treffen. Die beiden unter suchten Werke „The Remains oft the Day“ von Kazuo Ishiguro und „Atonement“ von Ian McEwan wurden ausgewählt, da sie nicht nur Werke der Gegenwart sind, sondern in ihnen auch die Thematik der Vergangenheitsbewältigung literarisch dargestellt bzw. aufgearbeitet wird. Auch spielt in ihnen die Erinnerung, ebenso wie die Frage nach Schuld und Verdrän gung sowie Sühne und Einsicht eine zentrale Rolle.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Vergangenheitsbewältigung, Schuld und Sühne, sowie Vorstellung der untersuchten Primärwerke und der gewählten methodischen Ansätze.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung des postmodernen Kontexts, der narratologischen Kategorien (Zeit, Modus, Stimme), Gedächtnistheorien sowie der philosophischen und psychologischen Definitionen von Schuld und Sühne.
3. Anwendung der Theorie: Detaillierte narratologische und inhaltliche Untersuchung von Ishiguros "The Remains of the Day" und McEwans "Atonement" hinsichtlich Erinnerung, Selbstbetrug und Schuldbewältigung.
4. Zusammenfassung – Fazit: Thesenartige Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Fragestellung zur literarischen Darstellung von Vergangenheitsbewältigung.
Postmoderne Literatur, Vergangenheitsbewältigung, Schuld, Sühne, Erinnerung, Gedächtnis, Narratologie, Unzuverlässiges Erzählen, Identität, Selbstbetrug, Metafiktion, Ian McEwan, Kazuo Ishiguro, Schuldgefühle, Abwehrmechanismen.
Die Arbeit untersucht, wie literarische Figuren in ausgewählten postmodernen Romanen versuchen, sich mit ihrer eigenen schuldbehafteten Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Die zentralen Themen sind Schuld, Verdrängung, Sühne, Einsicht, Erinnerung und die narratologische Gestaltung dieser Prozesse.
Ziel ist es, die Aspekte Schuld, Verdrängung, Sühne und Einsicht als Formen der Vergangenheitsbewältigung in der postmodernen Literatur am Beispiel der Werke von Ishiguro und McEwan zu analysieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre Herangehensweise, die narratologische Erzähltheorie (nach Genette und Stanzel) mit psychologischen, philosophischen und gedächtnistheoretischen Ansätzen verbindet.
Der Hauptteil analysiert konkret, wie die Protagonisten Stevens und Briony durch Erinnerung versuchen, ihre Vergangenheit zu bewältigen, und inwieweit sie dabei unzuverlässige Erzähler sind.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postmoderne, Schuld und Sühne, unzuverlässiges Erzählen, Erinnerung und Verdrängung charakterisieren.
Stevens versucht durch selektive Erinnerungen und manipulative Auslassungen, sein Gesicht zu wahren und sich seiner Verantwortung für seine politischen und privaten Verfehlungen zu entziehen.
Die Wendung im Epilog entlarvt die gesamte bisherige Geschichte als ein von Briony konstruiertes, fiktives Werk, was ihre literarische Sühneleistung als einen Akt der persönlichen Vergangenheitsbewältigung erfahrbar macht.
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