Masterarbeit, 1987
160 Seiten, Note: 1.0
Die Arbeit zielt darauf ab, die handelspolitische Konfliktsituation aufgrund protektionistischer Getreidepolitiken im Weltagrarhandel darzustellen, die Notwendigkeit quantitativer Politikanalysen aufzuzeigen, geeignete Modellansätze vorzustellen und die Auswirkungen von Protektionismus sowie von Liberalisierungspolitiken auf den Weltgetreidesektor abzuschätzen.
3. Quantitative Modellansätze zur Analyse von Agrarhandelspolitik
THOMPSON (1981) unterscheidet drei Gruppen von Zielen, die mit der Bildung von Agrarhandelsmodellen verfolgt werden: die Erklärung internationaler Handelsverflechtungen vor dem Hintergrund einer zunehmend komplexeren Weltagrarwirtschaft, die Überprüfung von Handelstheorien sowie die kurzfristige Prognose, die Politikanalyse und die Langzeitprojektion als Entscheidungshilfe für Politiker und andere Entscheidungsträger.
Nachfolgend sollen an einigen Beispielenmodellen, deren Hauptanliegen die Politikanalyse ist, die Grundelemente quantitativer Agrarhandelsmodelle erläutert und die wesentlichen Unterschiede zwischen den Modellen herausgearbeitet werden. Bei allen nachfolgend beschriebenen quantitativen Ansätzen handelt es sich um nichträumliche Gleichgewichtsmodelle. Sie unterscheiden einzelne Handelsregionen (Länder oder Ländergruppen), die entweder mit einer Nettoimportnachfrage oder einem Nettoexportangebot auf dem Weltmarkt auftreten. Der Preismechanismus sorgt für den Ausgleich von Nettoimportnachfrage und -exportangebot. Das heißt Preise und Mengen werden simultan so bestimmt, daß ein globales Marktgleichgewicht erreicht wird. Im Unterschied zu den räumlichen Gleichgewichtsmodellen treffen nicht-räumliche Gleichgewichtsmodelle keine Aussagen über die zwischen den einzelnen Ländern auftretenden Handelsströme.
Das PAARLBERG und SHARPLES Weizenhandelsmodell ist ein komparativ-statisches Gleichgewichtsmodell des Weizensektors. Die Modellstruktur ist in Schaubild 9 dargestellt. Das Modell differenziert folgende Handelsregionen: die USA, die EG, Japan (JAP), andere Exporteure (AEX) und andere Importeure (AIM). In der Ländergruppe AEX sind Kanada, Australien und Argentinien, in der Ländergruppe AIM alle anderen Länder aggregiert. Über lineare Angebots- und Nachfragefunktionen wird in Abhängigkeit von regionalen Preisen (PX) der Nettohandel einer Region (X) als Differenz der regionalen Nachfrage (N) und des regionalen Angebotes (A) bestimmt. Auf die Einbeziehung einer Lagerhaltungsfunktion wurde verzichtet. Die Differenz zwischen dem regionalen Preis und dem für alle Regionen gleichen Weltmarktpreis (P^ = PX - P^W) wird als modellexogene Politikvariable vorgegeben (siehe Schaubild 9). Damit wird unterstellt, daß regionale Preisunterschiede lediglich durch unterschiedliche Politiken, nicht aber durch unterschiedliche Qualitäten der in den einzelnen Regionen erzeugten und verbrauchten Weizens und unterschiedliche inter-nationale Transportkostenbelastungen hervorgerufen werden. Alternativ kann durch die modellexogene Vorgabe des regionalen Preises (PX) auch eine Politik abgebildet werden, bei der der Inlandspreis unabhängig von der Höhe des Weltmarktpreisniveaus festgesetzt wird (siehe Schaubild 9).
Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Protektionismus im Weltagrarhandel ein, beleuchtet die Konfliktträchtigkeit des Getreidesektors und skizziert die Ziele der Untersuchung, darunter die Analyse von Handelspolitiken mittels quantitativer Modelle.
Kapitel 2: Handelspolitische Probleme in einem vom Protektionismus geprägten Weltgetreidehandel: Hier wird der Begriff des Protektionismus definiert, dessen Formen und Ausmaße im Weltgetreidehandel erläutert und die daraus resultierenden Konfliktsituationen, insbesondere der Handelsstreit zwischen EG und USA, detailliert dargestellt.
Kapitel 3: Quantitative Modellansätze zur Analyse von Agrarhandelspolitik: Dieses Kapitel stellt die theoretischen und methodischen Grundlagen der Arbeit dar, indem es verschiedene quantitative Agrarhandelsmodelle (partielle und allgemeine Gleichgewichtsmodelle) vorstellt und deren Strukturen und Annahmen erläutert.
Kapitel 4: Vergleich von Modellergebnissen – Liberalisierungseffekte: In diesem zentralen Kapitel werden unterschiedliche Liberalisierungsszenarien (unilateral und multilateral) definiert und deren Auswirkungen auf Weltmarktpreisniveau, Handelsvolumen, -struktur sowie auf die Binnenmärkte für Getreide mittels der zuvor vorgestellten Modelle analysiert und verglichen.
Kapitel 5: Schlußfolgerungen: Dieses Kapitel präsentiert die wesentlichen Erkenntnisse und Folgerungen aus der Modellanalyse, beleuchtet die komplexen Wechselwirkungen der Agrarpolitik und die Grenzen der Quantifizierbarkeit.
Kapitel 6: Zusammenfassung: Die Arbeit wird hier nochmals kurz und prägnant zusammengefasst, wobei die Hauptaussagen zu protektionistischen Politiken und den Auswirkungen von Liberalisierungsszenarien im Weltgetreidehandel rekapituliert werden.
Protektionismus, Weltgetreidehandel, Agrarhandelspolitik, Quantitative Modelle, Liberalisierung, Weizenhandelsmodell, Gleichgewichtsmodelle, Handelskonflikte, Agrarsubventionen, Marktpreis, Handelsvolumen, EU-Agrarpolitik, USA, OECD, Politikanalyse.
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Analyse des Protektionismus im Weltgetreidehandel und den Auswirkungen verschiedener Agrarhandelspolitiken, insbesondere Liberalisierungsstrategien, unter Verwendung quantitativer Modelle.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Formen des Protektionismus, handelspolitische Konfliktsituationen im Getreidehandel, die Vorstellung und Anwendung quantitativer Modellansätze sowie die Untersuchung der Effekte von Liberalisierungspolitiken.
Das primäre Ziel ist es, die Konfliktsituation durch protektionistische Getreidepolitiken darzustellen, die Notwendigkeit quantitativer Analysen abzuleiten, Modellansätze vorzustellen und die Konsequenzen protektionistischer sowie liberalisierender Politiken auf den Weltgetreidesektor abzuschätzen.
Die Arbeit verwendet eine quantitative Analyse wissenschaftlicher Agrarhandelsmodelle, die Gleichgewichtsbeziehungen zwischen Angebot und Nachfrage in verschiedenen Handelsregionen simulieren.
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Beschreibung der handelspolitischen Probleme und Konflikte, die Vorstellung verschiedener quantitativer Modellansätze sowie eine umfassende Analyse und einen Vergleich der Modellergebnisse unter verschiedenen Liberalisierungsszenarien.
Schlüsselwörter wie Protektionismus, Weltgetreidehandel, Agrarhandelspolitik, Quantitative Modelle, Liberalisierung, Handelskonflikte, Gleichgewichtsmodelle, EU-Agrarpolitik, USA, OECD und Politikanalyse charakterisieren diese Arbeit.
Die Arbeit unterscheidet zwischen partiellen und allgemeinen Gleichgewichtsmodellen, welche wiederum in Ein-Produkt- und Mehr-Produkt-Modelle unterteilt sind.
Konkrete Modellansätze sind unter anderem das Weizenhandelsmodell von PAARLBERG und SHARPLES, das World Multi-Commodity System der OECD und das Basic Linked System des IIASA.
Unilaterale Liberalisierung bezieht sich auf Maßnahmen eines einzelnen Akteurs (z.B. der EG), während multilaterale Liberalisierung gemeinsame Schritte mehrerer Ländergruppen (z.B. OECD-Länder oder alle Marktwirtschaften) impliziert.
Diese Modelle bestimmen Preise und Mengen simultan, um ein globales Marktgleichgewicht zu erreichen, liefern jedoch keine Aussagen über die spezifischen Handelsströme zwischen einzelnen Ländern.
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