Bachelorarbeit, 2020
79 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Historische Entwicklung des Regionalfranzösischen auf La Réunion
2.1 Französische Besiedlungsphase
2.2 Koloniale Diglossie
2.3 Départementalisation
2.4 Aktuelle Sprachsituation
3 Relevante sprachwissenschaftliche Forschungen
3.1 Postvokales /r/ im Standardfranzösischen und créole réunionnais
3.2 Veränderte Forschungsperspektive: Von der Sprachproduktion zur Sprachperzeption
4 Methodik
4.1 Versuchsbeschreibung
4.2 Priming Conditions
4.3 Testpersonen
4.4 Akustische Stimuli
4.5 Statistische Vorgehensweise
5 Ergebnisse
5.1 Auswahl der Daten
5.2 Statistische Analyse
5.3 Modifikation der Tabelle
5.4 Visualisierung und Berechnung der 50%-Wahrnehmungsschwelle
6 Diskussion der Ergebnisse
6.1 Priming Conditions La Réunion und Paris
6.2 Faktor Alter
7 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den divergierenden Perzeptionseffekt in Bezug auf die Elision des postvokalen /r/ im Regionalfranzösischen auf La Réunion. Das primäre Ziel ist es, mittels eines psycholinguistischen Perzeptionsexperiments zu ermitteln, ob geographische Priming-Signale (La Réunion vs. Paris) die Wahrnehmung desselben akustischen Stimulus-Kontinuums bei Testpersonen unterschiedlich beeinflussen und welche Rolle soziolinguistische Faktoren wie das Alter dabei spielen.
1 Einleitung
„Le ‘r’ constitue un véritable ‘caméléon’ dans la jungle des sons linguistiques. Vu sa marginalité dans les systèmes phonémiques, il est quasiment prédestiné à la variation et au changement: fricative sourde ou sonore, vibrante, approximante ou même voyelle – il peut prendre presque toutes les ‘couleurs’ en fonction de son environnement, et aussi disparaître complètement.“ (Pustka 2012: 271)
Die verwendete Metapher der Sprachwissenschaftlerin Elissa Pustka verdeutlicht, dass das /r/ aufgrund seiner hohen Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit zwar unauffällig erscheint, jedoch beim genauen Hinsehen bzw. -hören ein überraschend breites phonologisches und phonetisches Repertoire offenbart. Die vorliegende Bachelorarbeit behandelt unter anderem daher folgende Frage: Welche „Farbe“ nimmt das „Chamäleon-/r/“ im Kontext des Regionalfranzösischen auf La Réunion an? Wird das Phonem in postvokaler Stellung wie im Standardfranzösischen als uvularer Vibrant [ʀ] realisiert oder wird es, rückführend auf den Einfluss des créole réunionnais, elidiert?
Um sich einer Antwort dieser Fragestellung anzunähern, werden zunächst im Rahmen der Sprachgeschichte relevante soziolinguistische Aspekte skizziert. Dabei wird im Besonderen auf die Ereignisse seit der départementalisation eingegangen, da diese die aktuelle (Sprach)Situation der Insel nachhaltig beeinflussen. Die Realisierung des postvokalen /r/ im Regionalfranzösischen auf La Réunion ist somit im Spannungsfeld zwischen Französisierungstendenzen und Aufwertungsbestrebungen der Kreolsprachen zu verstehen.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das phonetische Phänomen des Chamäleon-/r/ ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Realisierung dieses Lauts im Regionalfranzösischen auf La Réunion.
2 Historische Entwicklung des Regionalfranzösischen auf La Réunion: Dieses Kapitel skizziert die sprachgeschichtlichen und soziolinguistischen Bedingungen, insbesondere seit der Départementswerdung, und deren Einfluss auf die aktuelle Sprachkonstellation.
3 Relevante sprachwissenschaftliche Forschungen: Es wird der Forschungsstand zum postvokalen /r/ sowie der theoretische Wechsel von der Sprachproduktion zur Sprachperzeption dargestellt.
4 Methodik: Der Abschnitt beschreibt das Design des Perzeptionsexperiments, die Testgruppen (Priming), die Stimuli und das statistische Auswertungsmodell.
5 Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten präsentiert, die statistische Analyse erläutert und die Wahrnehmungsschwellen visualisiert.
6 Diskussion der Ergebnisse: Die Befunde werden interpretiert, insbesondere im Hinblick auf die Wirksamkeit der Priming Conditions und den Einfluss des Faktors Alter.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung der Ergebnisse für den aktuellen Status des Regionalfranzösischen.
Regionalfranzösisch, La Réunion, créole réunionnais, postvokales r, Sprachperzeption, Priming, divergierender Perzeptionseffekt, Soziolinguistik, Diglossie, Sprachkontakt, Psycholinguistik, Sprachwandel, Phonologie, Statistik, Identität.
Die Arbeit untersucht, wie Sprecherinnen und Sprecher auf La Réunion das postvokale /r/ im Französischen wahrnehmen, wenn sie durch verschiedene regionale Bezeichnungen (Priming) beeinflusst werden.
Die Arbeit verbindet Sprachgeschichte der Insel La Réunion mit phonologischer Forschung und modernsten Methoden der Sprachperzeptionsanalyse.
Die zentrale Frage ist, ob Probanden je nach Gruppenzugehörigkeit (La Réunion vs. Paris) identische akustische Stimuli unterschiedlich als „four“ (Ofen) oder „fou“ (verrückt) kategorisieren.
Es wird ein psycholinguistisches Experiment durchgeführt, bei dem Probanden mittels einer „word identification response task“ akustische Stimuli zuordnen. Die Auswertung erfolgt statistisch durch ein „generalized linear mixed model“ (GLMM).
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die theoretische Fundierung durch einschlägige Studien, die detaillierte Methodik und die statistische Ergebnisauswertung.
Wichtige Begriffe sind Regionalfranzösisch, La Réunion, Sprachperzeption, Divergierender Perzeptionseffekt und Créole réunionnais.
Die statistische Analyse zeigt, dass der Effekt des Primings bei älteren Testpersonen stärker ausgeprägt ist, während jüngere Generationen weniger stark durch geographische Indikatoren beeinflusst werden.
Das Ereignis der Départementswerdung wird als entscheidender historischer Wendepunkt für die soziolinguistische Struktur der Insel und das Spannungsfeld zwischen Kreolisch und Französisch betrachtet.
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