Bachelorarbeit, 2017
41 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Geschlechtliche Körper – Sexualität - Macht: historische Entwicklungen
2.1 Historie der Geschlechter: Entwicklung der Zweigeschlechtlichkeit
2.2 Macht und Sexualität
2.2.1 Positive Macht: Bio-Macht
2.2.2 Wahrheiten der Sexualität: Sexualitätsdispositiv
2.3 Sexualität im Wandel
2.3.1 Die sexuelle Revolution, Sexwelle und Modernisierung
2.3.2 Ab 68: Veränderungen der zweiten Frauenbewegungen
2.3.3 Zwischen neuen Freiheiten und neuen Zwängen: Kritische Stimmen
3. Normalisierung des weiblichen Orgasmus und Sexualität
3.1 Der weibliche Lustkörper
3.2 Der Leistungskörper
3.3 Die Orgasmuslücke
4. Diskussion
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht den soziokulturellen Wandel von Sexualität, Macht und Geschlecht im 20. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie durch Prozesse der Naturalisierung und durch historische Entwicklungen der Zweigeschlechtlichkeit der weibliche Orgasmus diskursiv verhandelt wird und welche Machtmechanismen (Bio-Macht) dabei wirken.
2.1 Historie der Geschlechter: Entwicklung der Zweigeschlechtlichkeit
Der Historiker Laqueur (1996: 9) beschreibt seine Überraschung, als er in Geburtshilfetexten des 17. Jahrhunderts einen Konsens entdeckt, dass der weibliche Orgasmus reproduktionsnotwendig ist. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage seines Forschungsinteresses, in welchem er die Frage nach dem „Verschwinden des Orgasmus [...] [und] nach der Beziehung zwischen dem Körper und der sexuellen Differenz“ (ebd.: 10) untersucht. Laqueur möchte in seiner Auseinandersetzung herausarbeiten, dass „so ziemlich alles, was man über das Geschlecht des Leibes (sex) aussagen möchte [...], immer schon etwas aussagt über das Geschlecht im sozio-kulturellen Raum (gender)“ (ebd.: 24f.; Hervorhebung im Original). Anknüpfend daran macht er seine Ansicht deutlich, dass Natur oder „Natürliches“ stets kulturell verstanden werden muss, folglich auch der geschlechtliche Körper (ebd.: 20).
Um die Frage der sexuellen Differenz zu untersuchen, entwickelt Laqueur (1996) zwei Modelle, welche eine Rekonstruktion von Betrachtungsweisen auf den geschlechtlichen Körper ermöglichen sollen.
Nach Laqueur gibt es von der Antike bis ins späte 17. Jahrhundert ein sogenanntes Ein-Geschlecht-Modell, bei dem die Genitalien der Frau lediglich als eine abgewandelte, teilweise nach innen verlegte, Version der männlichen verstanden wird. Diese Sichtweise führt aber nicht zu Egalität zwischen den Geschlechtern, sondern die Frau wird als Mängelversion und -wesen gedeutet, weicht sie doch vom Referenzideal „Mann“ dadurch ab, dass ihre gleichen Organe, teils verkümmert, am falschen Ort sitzen (ebd.: 16).
Nach Hoche (2009: 32) muss diese Interpretation vor den Denkhorizont aus Theologie und Metaphysik in diesen Jahrhunderten bis zur Aufklärung gestellt werden: Der Körper spiegelt als Mikrokosmos die kosmologische Ordnung wider, ist also ein Schaubild für eine gottgewollte Geschlechterhierarchie. Anatomische Unterschiede werden dem analogen Ordnungsprinzip untergeordnet (Hoche 2009: 32). Dies erklärt, warum zu der Zeit die weiblichen Organe und das weibliche Fortpflanzungssystem sprachlich sowie wissenschaftlich keine explizite Beschreibung finden.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Orgasmuslücke und die soziologische Fragestellung zur Verbindung von Sexualität, Gesellschaft und Macht.
2. Geschlechtliche Körper – Sexualität - Macht: historische Entwicklungen: Analyse der historischen Konstruktion von Geschlecht (Ein- vs. Zwei-Geschlechter-Modell) und der Machtkonzepte von Foucault.
2.1 Historie der Geschlechter: Entwicklung der Zweigeschlechtlichkeit: Darstellung des Übergangs vom Ein- zum Zwei-Geschlechter-Modell und dessen soziokulturelle Bedeutung.
2.2 Macht und Sexualität: Untersuchung der Verbindung von Machtstrukturen und Sexualitätsdiskursen.
2.2.1 Positive Macht: Bio-Macht: Erläuterung von Foucaults Konzept der Bio-Macht und deren Einfluss auf Individuum und Gesellschaft.
2.2.2 Wahrheiten der Sexualität: Sexualitätsdispositiv: Analyse der Moderne als Raum, in dem Sexualität zum zentralen Gegenstand von Wissen und Macht wird.
2.3 Sexualität im Wandel: Untersuchung der Transformation der Sexualität unter Einbeziehung des Feminismus.
2.3.1 Die sexuelle Revolution, Sexwelle und Modernisierung: Blick auf die sexuelle Liberalisierung und ihre Folgen seit den 1960er Jahren.
2.3.2 Ab 68: Veränderungen der zweiten Frauenbewegungen: Darstellung der Kritik und Forderungen der Neuen Frauenbewegungen.
2.3.3 Zwischen neuen Freiheiten und neuen Zwängen: Kritische Stimmen: Reflexion über die Ambivalenzen der neuen sexuellen Freiheiten und die Entstehung neuer Zwänge.
3. Normalisierung des weiblichen Orgasmus und Sexualität: Untersuchung der Normalisierungsprozesse, die den weiblichen Lust- und Leistungskörper hervorbringen.
3.1 Der weibliche Lustkörper: Analyse der Konstruktion des Lustkörpers im Spannungsfeld zwischen Emanzipation und gesellschaftlichen Erwartungen.
3.2 Der Leistungskörper: Darstellung der Sexualität als zu erbringende, normierte Leistung.
3.3 Die Orgasmuslücke: Diskussion des Orgasmus als Indikator und seine soziopolitische Instrumentalisierung.
4. Diskussion: Zusammenführung der Ergebnisse zur Natur-Kultur-Debatte und zur Rolle der Bio-Macht.
5. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse zur sozialen Konstruiertheit des "Problems weiblicher Orgasmus".
Sexualität, Macht, Geschlecht, Bio-Macht, Orgasmuslücke, Zweigeschlechtlichkeit, Frauenbewegung, Normalisierung, Lustkörper, Leistungskörper, Sexualitätsdispositiv, Autonomie, Naturalisierung, Körpergeschichte, Geschlechterverhältnisse.
Die Arbeit analysiert, wie sich das Verhältnis von Sexualität, Gesellschaft und Macht im 20. Jahrhundert gewandelt hat und welche Normalisierungsprozesse dabei auf den weiblichen Körper einwirken.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Zweigeschlechtlichkeit, Foucaults Machttheorien (Bio-Macht), die sexuelle Liberalisierung durch Frauenbewegungen und die soziologische Einordnung des weiblichen Orgasmus.
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern Normalisierungsprozesse durch Naturalisierungspraktiken und die Ambivalenzen sexueller Liberalisierung das Verständnis von Sexualität und dem weiblichen Orgasmus geprägt haben.
Die Autorin verfolgt eine körperhistorische und machtanalytische Perspektive, gestützt auf die Theorien von Thomas Laqueur und Michel Foucault sowie eine Literaturanalyse des soziologischen Diskurses zum Thema.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung der Geschlechtermodelle, die Analyse von Machttechnologien in der Moderne und die spezifische Untersuchung der Normalisierung von Lust- und Leistungskörpern bei Frauen.
Wichtige Begriffe sind Bio-Macht, Orgasmuslücke, Lustkörper, Leistungskörper, Zweigeschlechtlichkeit und Naturalisierung.
Die Autorin sieht die Orgasmuslücke nicht als biologisches Problem der Frau, sondern als ein sozial konstruiertes Phänomen, das eng an patriarchal geprägte Erwartungen und Leistungsnormen der modernen Gesellschaft geknüpft ist.
Sie dienen als Ausgangspunkt, um die Ambivalenz der sexuellen Befreiung zu zeigen: Einerseits ermöglichten sie Autonomie, andererseits schufen sie im Zuge der Liberalisierung neue, leistungszentrierte Normen für den weiblichen Körper.
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