Bachelorarbeit, 2020
65 Seiten, Note: 1,7
1. Problemstellung
2. Rating als zentrales Instrument des Finanzmarktes
2.1 Historische Entwicklung des Ratingsystems
2.2 Komplikationen, Krisen, Konsequenzen – Exemplarische Darstellung der globalen Finanzkrise 2007-2009 als Ratingkrise
2.3 Moderner Ratingmarkt und das Oligopol der Big Three
3. Theoretische Grundlage & ökonomische Funktion des Ratings
3.1 Theorie der Rating-Intermediation
3.1.1 Ökonomische Funktion des Ratings
3.1.2 Empirische Fundierung des Intermediationseffektes
3.2 Rating-Dekomposition
3.2.1 Formen
3.2.2 Kriterien
3.2.3 Skalen
3.2.4 Aussagekraft
3.2.5 Risikoprämien unter Betrachtung des europäischen Anleihenmarkts
3.3 Systemische Interessensproblematik
3.3.1 Interessenkollision als Folge eines verzerrten Anreizsystems
3.3.2 Reputationsmechanismus als Ansatz der Selbstregulation
3.4 Relevanz des Ratings – Ein Zwischenfazit
4. Reformperspektiven des Ratingsystems
4.1 Rating-Reformen in Folge der Weltfinanzkrise
4.1.1 Grundzüge der Regulierungstheorie
4.1.2 Reformmaßnahmen der USA
4.1.3 Reformmaßnahmen der EU
4.1.4 Maßnahmen auf supranationaler Ebene – Ein Blick auf Basel III
4.2 Kritische Würdigung des Konkurrenz-Ansatzes
4.3 Institutionell-ökonomische Reform – Ein theoretisches Konstrukt
4.3.1 Deprivatisierung
4.3.2 Supranationale Monopolisierung
5. Fazit & Schlussfolgerung
Die Arbeit analysiert kritisch die Theorie und Struktur des Ratingsystems, um ein konzeptionelles Umdenken hin zu einer institutionell-ökonomischen Reform zu begründen. Ausgehend von der Rolle der Ratingagenturen in der globalen Finanzkrise wird untersucht, wie Machtkonzentration und Interessenskonflikte durch eine stärkere Regulierung und alternative Organisationsmodelle adressiert werden können.
2.1 Historische Entwicklung des Ratingsystems
Im Jahre 1841 gründet der Amerikaner Lewis Tappan die Mercantile Agency als sog. Credit Reporting Agency (z. Dt. Kreditauskunftei) in New York City. Ziel dieser Unternehmung ist die Reportage, d.h. Berichtserstattung, über die wirtschaftliche Situation amerikanischer Unternehmen, zur Schaffung einer Entscheidungsgrundlage für Waren- bzw. Handelskredite. Bis zu diesem Zeitpunkt treffen sich potenzielle Vertragspartner in aufwendig organisierten Regionalverbänden zusammen und tauschen unternehmensrelevante Daten untereinander aus. Die durch Kreditauskunfteien erfolgende Akkumulation und geschäftsmäßige Verbreitung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, überwindet diese zeitlichen und lokalen Differenzen und schafft eine effizientere Möglichkeit der adäquaten Informationszuteilung. Es etabliert sich eine frühe deskriptive Form der Rating-Intermediation. Die Arbeit der Credit Reporting Agencies folgt unterdessen in keinem einheitlichen Modell, sie trägt jedoch bereits in einem erheblichen Umfang zur zielgerichteten Bestimmung und Standardisierung der Bonitätskriterien bei.
Als die treibenden Faktoren in der Entstehungsgeschichte des Ratingsystems, gelten der Aufbau und die territoriale Expansion des US-amerikanischen Eisenbahnnetzwerkes in Mitte des 18. Jahrhunderts, deren Realisierung durch eine hohe Kapitalbindung gekennzeichnet ist. Im Zuge einer erforderlichen Kapitalakquisition emittieren die Eisenbahngesellschaften sog. Unternehmensanleihen als festverzinsliche Wertpapiere. Der Prozess von Angebot und Nachfrage nach langfristig bereitgestellten Krediten formt den US-Corporate Bond Market, als den bis heute international dominierenden Anleihenmarkt. Die steigende Nachfrage nach sog. Eisenbahnanleihen, veranlasst John Moody im Jahre 1909 zur Erstellung des ersten strukturierten Ratings von Eisenbahnanleihen nach heutigen Kriterien. Aus den anfänglichen Kreditauskunfteien entwickeln sich unter Verwendung spezifischer Methoden und einheitlicher Bonitätskriterien, fortan systematisch arbeitende Agenturen.
1. Problemstellung: Einleitung in die Thematik der Ratingagenturen und deren Machtstellung im modernen Finanzkapitalismus unter Einbeziehung der historischen Krisendynamiken.
2. Rating als zentrales Instrument des Finanzmarktes: Untersuchung der historischen Entwicklung und der oligopolistischen Marktstruktur der Ratingagenturen sowie deren Rolle in der Finanzkrise 2007-2009.
3. Theoretische Grundlage & ökonomische Funktion des Ratings: Analyse der theoretischen Fundierung der Rating-Intermediation, der Kriterien und Skalen sowie der systemischen Interessensproblematik durch Anreizverzerrungen.
4. Reformperspektiven des Ratingsystems: Diskussion der bisherigen regulatorischen Maßnahmen in den USA und der EU sowie Entwurf eines alternativen Modells für eine institutionell-ökonomische Reform.
5. Fazit & Schlussfolgerung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für ein konzeptionelles Umdenken zur Stärkung der Finanzmarktstabilität.
Ratingagenturen, Finanzmarkt, Finanzkrise, Rating-Intermediation, Big Three, NRSRO, Interessenskonflikt, Issuer-Pays-Modell, Regulierung, institutionelle Reform, Bonitätsprüfung, Marktoligopol, Finanzstabilität, Risikoprämie, Deprivatisierung.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, die Marktstruktur und die ökonomische Rolle von Ratingagenturen sowie die Notwendigkeit und Möglichkeiten einer grundlegenden institutionellen Reform des Ratingsystems.
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung des Ratings, das Oligopol der "Big Three"-Agenturen, die ökonomischen Funktionen des Ratings bei Informationsasymmetrien sowie verschiedene Regulierungs- und Reformansätze.
Ziel ist es, das aktuelle Ratingsystem kritisch zu evaluieren, um ein konzeptionelles Umdenken für eine institutionell-ökonomische Reform zu begründen, die über bisherige, oft ineffektive Regulierungsversuche hinausgeht.
Die Autorin/der Autor nutzt eine theoretische Analyse auf Basis der neoinstitutionalistischen Finanzierungstheorie sowie eine empirische Bestandsaufnahme unter Verwendung von Marktdaten und Studien zur Regulierungsökonomik.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Marktstruktur, eine theoretische Analyse der Ratingfunktion und eine kritische Würdigung der US-amerikanischen und europäischen Reformen inklusive des Entwurfs eines neuen theoretischen Modells.
Wichtige Begriffe sind Ratingagenturen, Finanzmarkt, Oligopol, Issuer-Pays-Modell, Finanzkrise, Regulierung, institutionelle Reform und Marktversagen.
Die "Big Three" (Standard & Poor's, Moody's und Fitch) werden als dominierende Marktakteure identifiziert, die trotz regulatorischer Eingriffe ihre marktbeherrschende Stellung beibehalten konnten.
Die Arbeit schlägt ein zweiteiliges Modell vor: eine Deprivatisierung des Ratingwesens, bei der die Erstellung von Ratings in öffentliche Hand übergeht, kombiniert mit einer supranationalen Monopolisierung, um Machtkonzentrationen in privaten Händen und Anreizprobleme wie das Rating-Shopping zu beenden.
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