Bachelorarbeit, 2020
33 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Konstruktivistische Geschlechterforschung als theoretischer Rahmen
3. Historische Entwicklung
3.1 Anfänge und entscheidende Ereignisse des Still-Diskurses
3.2 Still-Diskurs: Wer gibt hier eigentlich den Ton an?
4. Ratgeber als Handlungsanleitung für Mutterschaft
5. Der Einfluss von Ratgebern
5.1 Zur Bedeutungsverschärfung durch Ratgeber
5.2 Rhetorische Relevanz der Ratgeberliteratur: Knaaks Diskursanalyse eines Still-Ratgebers
5.3 Die einflussreiche Wirkkraft von Organisationen: Bobels Studie über die La Leche Liga
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Ratgeber als Teil des Still-Diskurses zur Determinierung von Mutterschaft und zur Re-Traditionalisierung von Geschlechterrollen in modernen, emanzipatorisch fortschreitenden Gesellschaften beitragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie naturalisierende Zuschreibungen im Still-Diskurs Frauen ab der Geburt des ersten Kindes in heterosexuellen Elternschaften dazu bewegen, traditionale Rollenbilder anzunehmen.
3.1 Anfänge und entscheidende Ereignisse des Still-Diskurses
Stillen gilt als ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung des Säuglings. Dokumente über stillende Mütter gehen zurück bis 10.000 – 5.000 v. Chr. und erscheinen als Felszeichnungen (Adelberger, Hormann & Kerstin, 2003, S. 1). Belege zeigen Ende des 19. Jahrhunderts Kinder, die direkt am Euter von Ziegen ernährt wurden. Auch Hinweise auf die Ernährung von Kindern durch Trinkgefäße gehen bis in die Zeit des alten Ägyptens zurück (ebd.). Stillen hat eine tiefe Vorgeschichte, jedoch lag die Aufgabe lange Zeit nicht bei der biologischen Mutter. Das Kind wurde gerade in der oberen Schicht durch Ammen gestillt, oft kamen Tiermilch, Milch verdünnt mit Wasser oder alternative Beikost zum Einsatz. Zudem war Stillen nicht immer selbstverständlich und oft mit Problemen konnotiert, wie schmerzende Brüste und Milchstau (ebd., S. 2). Der Begriff des Stillens hat seine Herkunft im Adjektiv still (Kluge & Seebold, 2011, S. 885) und schließt seit dem 8. Jahrhundert die Bedeutung „zum Schweigen bringen“ (ebd., S. 886) ein. Die gegenwärtige Begriffsverwendung „einem Kind die Brust geben“ (ebd.), welche die Ernährung des Kindes sowie eine fürsorgende Handlung von Seiten der Mutter impliziert, beruht auf einer Bedeutungsverschiebung der vormaligen Verwendung, die auf die Tätigkeit des Ruhigstellens verweist.
Auch hinsichtlich der Still-Frequenz gibt es viele Unterschiede zu verzeichnen. Diese sind kultur- sowie länderabhängig. Ammenernährung bleibt bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird diese Still-Weise dann durch Frauenmilchsammelstellen praktiziert (Adelberger et al., 2003, S. 3). Dass Teile Europas über Jahrhunderte hinweg sogar sehr wenig stillten, wird von der historischen Forschung über Still-Praktiken dadurch erklärt, dass Mütter kurz nach der Entbindung wieder zurück auf Felder und Äcker zum Arbeiten mussten. Auch gilt die Entblößung der weiblichen Brust lange Zeit als schambehaftet.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Re-Traditionalisierung von Geschlechterrollen nach der Geburt des ersten Kindes ein und skizziert den Still-Diskurs als zentralen Rahmen der Untersuchung.
2. Konstruktivistische Geschlechterforschung als theoretischer Rahmen: Das Kapitel erläutert die Perspektive, nach der Geschlechterrollen gesellschaftlich konstruiert sind und nicht auf natürlicher Gegebenheit beruhen, was als Fundament für die weitere Analyse dient.
3. Historische Entwicklung: Hier wird der Still-Diskurs historisch eingeordnet, wobei Bedeutungsverschiebungen und der Einfluss von Institutionen auf die Wahrnehmung des Stillens verdeutlicht werden.
4. Ratgeber als Handlungsanleitung für Mutterschaft: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung und die Funktion von Ratgeberliteratur als Medium, das Empfehlungen vermittelt und individuelle Entscheidungskrisen adressiert.
5. Der Einfluss von Ratgebern: Der Abschnitt beleuchtet die konkrete Wirkweise von Ratgebern und Organisationen wie der La Leche Liga, die das Bild einer "guten Mutter" festigen und naturalisierende Zuschreibungen verstärken.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass hegemoniale Still-Diskurse und Ratgeber die Mutterrolle durch naturalisierende Argumente festigen und somit zur Re-Traditionalisierung in der Elternschaft beitragen.
Still-Diskurs, Mutterschaft, Geschlechterrollen, Re-Traditionalisierung, Ratgeberliteratur, Konstruktivismus, La Leche Liga, Elternschaft, Natürlichkeit, Mutterrolle, Diskursanalyse, Erziehung, Kindeswohl, Geschlechterdifferenz, Familienarbeit
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie gesellschaftliche Diskurse rund um das Stillen und die Rolle von Ratgebern dazu führen, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes in traditionelle Rollenmuster zurückfallen, obwohl eine egalitäre Partnerschaft angestrebt wurde.
Die zentralen Themen sind die konstruktivistische Geschlechterforschung, die Geschichte des Still-Diskurses, die Bedeutung von Ratgeberliteratur für Eltern sowie die Rolle von Organisationen, die spezifische Ideologien zur Mutterschaft verbreiten.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie diskursive Formationen und Ratgeber die Mutterrolle als "natürliche" Bestimmung konstruieren und dadurch eine Traditionalisierung der familialen Arbeitsteilung legitimieren.
Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Ansatz auf Grundlage der konstruktivistischen Geschlechterforschung, um die Wirkmechanismen von Ratgebern und Organisationen offenzulegen.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung des Stillens, die Rolle von Ratgebern bei der Vermittlung von Verhaltensnormen und den Einfluss von Organisationen wie der La Leche Liga auf die Konstruktion von Mutterschaft.
Wichtige Begriffe sind Still-Diskurs, Re-Traditionalisierung, Ratgeberliteratur, Geschlechterrollen, Mutterrolle, Diskursanalyse und Natürlichkeit.
Die La Leche Liga verbreitet ideologische Ansichten, die das Stillen als kompromisslose Pflicht definieren und die vollständige Hingabe der Mutter an das Kind fordern, was den Spielraum für individuelle Lebensformen stark einschränkt.
Der Begriff beschreibt die Paradoxie, dass die Idee der Gleichheit zwar propagiert wird, dies aber dazu führt, dass bestehende Ungleichheiten nicht mehr thematisiert werden können und somit unhinterfragt bestehen bleiben.
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