Masterarbeit, 2015
25 Seiten
EINLEITUNG
SKRJABINS SONATE OP.23 ALS ABBILD DER FRÜHEN SCHAFFENSPERIODE UND DER VIERSÄTZIGEN SONATENFORM
SKRJABINS SONATE OP. 30 UND DIE ZWEISÄTZIGE SONATENFORM
SKRJABINS SONATE OP.53, UMBRUCH DER SONATENFORM
DER WEG ZUR EINSÄTZIGKEIT VON OP.23 BIS OP.53
SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die formale Entwicklung der Klaviersonaten von Alexander Skrjabin im Zeitraum von op. 23 bis op. 53, mit einem besonderen Fokus auf den Umbruch von der klassischen, mehrsätzigen Sonatenform hin zur modernen einsätzigen Struktur.
Skrjabins Sonate op.23 als Abbild der frühen Schaffensperiode und der viersätzigen Sonatenform
Die 3. Sonate op.23 in Fis-Moll, der Höhepunkt von Skrjabins erster Schaffensperiode, entstand im Jahre 1897. In dieser Sonate kehrt der Komponist wieder zum Prinzip des viersätzigen Zyklus zurück; neben der 1. Sonate op. 6 ist die 3. Sonate in formaler Hinsicht die einzige klassische Sonate Skrjabins. Zu Skrjabins op.23 existiert ein literarisch ausformuliertes Programm in französischer Sprache (Titel: "Etats d'âme", Stimmungen, Seelenzustände), das 1905 von Skrjabins zweiter Ehefrau Tatjana Schloezer für eine Brüsseler Aufführung des Werkes verfasst wurde; jedenfalls hat Skrjabin den Text autorisiert.
Schibli weist darauf hin, dass dieses Programm "nicht als außermusikalisches Motiv der Musik mißzuverstehen [ist]. Es entstand nachträglich, als subjektiver - und anfechtbarer - Versuch, das in Tönen einzigartig Gesagte noch einmal verbal zu verdeutlichen; eher ist der literarische Text Reflex der Musik, als die Musik Vertonung des verbal Fixierten, [...]".
Der 1. Satz (Drammatico) folgt der Form eines klassischen Sonatensatzes. Das 1. Thema (Hauptthema) besteht aus zwei Teilmotiven, die Hanns Steger als eine "Gegenüberstellung von These und Antithese" beschreibt. Motive des Hauptthemas tragen jegliche Elemente des Ganzen 1. Satzes in sich. Anhand der melodischen Bewegungsumkehr und der Erweiterung des rhythmischen Elements von Motiv b entsteht in Takt 11f. ein weiteres Motiv c. Steger gliedert die bisherige Entwicklung des ersten Themas in "drei in sich gesteigerten Phasen".
EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt Skrjabins Klaviersonaten-Schaffen und stellt die forschungsleitende Frage nach der Entwicklung von der klassischen Sonatenform bis hin zur Einsätzigkeit.
SKRJABINS SONATE OP.23 ALS ABBILD DER FRÜHEN SCHAFFENSPERIODE UND DER VIERSÄTZIGEN SONATENFORM: Dieses Kapitel analysiert die 3. Sonate als Höhepunkt der ersten Schaffensperiode und untersucht deren klassische viersätzige Struktur sowie die Bedeutung des begleitenden Programmtextes.
SKRJABINS SONATE OP. 30 UND DIE ZWEISÄTZIGE SONATENFORM: Hier wird die 4. Sonate als symbolistisches Werk betrachtet, das trotz seiner Zweisätzigkeit wesentliche Schritte in Richtung einer einsätzigen Form und monothematischer Gestaltung vollzieht.
SKRJABINS SONATE OP.53, UMBRUCH DER SONATENFORM: Das Kapitel beleuchtet die 5. Sonate als zentrales Werk, das den endgültigen Umbruch zur einsätzigen Sonatenform darstellt und komplexe strukturelle Verbindungen zum Le Poème de l’Extase aufweist.
DER WEG ZUR EINSÄTZIGKEIT VON OP.23 BIS OP.53: Diese Synthese fasst die etappenweise Entwicklung zusammen, wobei die thematische Vereinheitlichung und das neue Verhältnis von Einzelteilen zum Ganzen im Fokus stehen.
SCHLUSSBEMERKUNG: Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung von Skrjabins spezifischer Kompositionsmethode, die eine Mischung aus strenger mathematischer Berechnung und intuitiver Schöpfung darstellt.
Alexander Skrjabin, Klaviersonate, Sonatenform, Einsätzigkeit, Monothematik, op. 23, op. 30, op. 53, Musiktheorie, Formanalyse, Leitmotiv, musikalische Entwicklung, kompositorische Struktur, Programm-Musik, Spätwerk.
Die Arbeit untersucht die formale Evolution der Klaviersonaten Alexander Skrjabins, beginnend bei seinem frühen, noch klassischen Schaffen bis hin zu den innovativen einsätzigen Sonaten seines mittleren und späten Schaffens.
Der Fokus liegt auf der 3. Sonate (op. 23), der 4. Sonate (op. 30) und der 5. Sonate (op. 53) als repräsentative Stationen dieser formalen Entwicklung.
Das Ziel ist es, den "Umbruch" der klassischen Sonatenform hin zur Einsätzigkeit nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Skrjabin durch monothematische Ansätze und zyklische Vereinheitlichung eine neue Formsprache entwickelte.
Die Autorin nutzt eine musiktheoretische Formanalyse, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer musikwissenschaftlicher Literatur und programmatischer Texte des Komponisten.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der einzelnen Sonatenstrukturen, der thematischen Verzahnung innerhalb der Sätze sowie der Einflüsse außermusikalischer Programme auf die musikalische Architektur.
Zentrale Themen sind die Dialektik der Themenbildung, die Auflösung klassischer Satzstrukturen, die Rolle des Leitmotivs und Skrjabins mathematisch-intuitive Kompositionsweise.
Die 5. Sonate markiert den Übergang zum Sonatenprinzip des späten Skrjabin, bei dem die klassische Reprise und tonale Zusammenhänge zugunsten einer konzentrierten einsätzigen Form verlassen werden.
Die Programme werden nicht als externe Geschichte gesehen, sondern als musikalischer Reflex, der die formale Struktur stützt und die thematische Entwicklung innerhalb der Sonaten begründet.
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