Bachelorarbeit, 2020
48 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorbetrachtungen: Intertextualität
2.1. Intertextualitätstheorien und die Schwierigkeit des Konkreten
2.2. Auf dem Weg zur passenden Intertextualitätstheorie – Genette und Pfister/Broich
2.3. Exkurs: Bloom – psychologisierte Intertextualität
3. Analyse: Spiegel, das Kätzchen als Folie für den Schrecksenmeister
3.1. Kellers Die Leute von Seldwyla und Moers’ Der Schrecksenmeister – Kontext
3.2. Palimpseste und Transformation – Handlung und Erzählstruktur
3.3. Figurenkonstellationen
3.3.1. Echo und Spiegel
3.3.2. Eißpin und Pineiß
3.3.3. Izanuela und die Berghine
3.3.4. Fjodor F. Fjodor und die Eule
3.3.5. Floria von Eisenstadt und das Frauchen
3.4. Die Diegesen: Seldwyla und Sledwaya
3.5. Motiv: Liebe
3.6. Der Schrecksenmeister – ein Gattungspotpourri?
3.7. Paratextuelle Autorinszenierung
4. Intertextualität zwischen Der Schrecksenmeister und Spiegel, das Kätzchen - Ergebnisse
5. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die intertextuellen Bezüge zwischen Gottfried Kellers Novelle „Spiegel, das Kätzchen“ und Walter Moers’ Roman „Der Schrecksenmeister“, um die rezeptionsästhetische Wirkung und die Bedeutung dieser Bezugnahme für das zeitgenössische Verständnis von Autorschaft und postmoderner Literatur zu analysieren.
3.2. Palimpseste und Transformation – Handlung und Erzählstruktur
Moers’ Inspiration durch Kellers Kunstmärchen erschöpft sich nicht an Figurennamen und den ähnlichen Tradierungsgeschichten der (fiktiven) Urtexte. Auch die narrative Achse des Schrecksenmeisters ist über weite Strecken eine mehr oder weniger direkte Übernahme aus Spiegel, das Kätzchen. Wie Lembke zeigt, sind die grundlegenden kompositorischen Elemente weitgehend unverändert aus der Vorlage übernommen worden: „Der Schilderung der Ausgangssituation (A) folgen der Vertragsabschluss (a), eine längere Mastzeit (B), schließlich eine List zur Überwindung des Antagonisten (b) und ein stabiler Endzustand (C).“ Je weiter jedoch Moers’ Geschichte fortschreitet, desto größer werden die Diskrepanzen zwischen beiden Texten. Während die Beschreibung von Echos und Spiegels Situation bis zum Vertragsabschluss (a) noch weitestgehend ähnlich in Bezug auf Handlungsverlauf und Erzählzeit ist, entfernt sich der Schrecksenmeister ab diesem Punkt progressiv weiter von Kellers Erzählung. Zunächst sind es vor allem ausführliche kulinarische Beschreibungen und Traumsequenzen, die hinzugefügt werden. Gegen Ende wird jedoch auch die List vielfältig erzählerisch erweitert, nach der Binnenerzählung Echos erstreckt sich die Erzählung noch über 150 Seiten. Die erzählte Zeit hingegen ist nahezu gleich: Genau eine Mondphase vergeht in beiden Erzählungen vom Vertragsabschluss bis zum Sturz des Antagonisten und der Befreiung der K(r)atze. Zwei Effekte lassen sich diesen Diskrepanzen zuschreiben: Zum einen wird hier world building betrieben, denn die vielfältige Beschreibung der Welt mit listenartigen Aufzählungen ist ein typisches Merkmal aller Zamonien-Romane und Bestandteil von Moers’ Stil. Aber auch eine stärkere Ausgestaltung der inneren Logik der Diegese wird hierdurch erreicht. Im Folgenden werden Auffälligkeiten der Handlung chronologisch erläutert, um die Gründe dafür zu beleuchten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Intertextualität in Walter Moers' Romanen mit Fokus auf „Der Schrecksenmeister“ als Fallbeispiel.
2. Vorbetrachtungen: Intertextualität: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Modellen der Intertextualität zur Vorbereitung der analytischen Anwendung.
3. Analyse: Spiegel, das Kätzchen als Folie für den Schrecksenmeister: Detaillierte Untersuchung der Bezüge zwischen beiden Werken hinsichtlich Handlung, Figuren, Diegese, Motivik, Gattung und Paratext.
4. Intertextualität zwischen Der Schrecksenmeister und Spiegel, das Kätzchen - Ergebnisse: Zusammenführung der Analyseergebnisse zur Bewertung der Intertextualitätsintensität und des postmoderne Autorschaftsverständnisses.
5. Schluss: Synthese der Erkenntnisse und Einordnung in den literaturwissenschaftlichen Diskurs zur Forschung an Walter Moers.
Intertextualität, Walter Moers, Gottfried Keller, Der Schrecksenmeister, Spiegel das Kätzchen, Literaturtheorie, Postmoderne, Autorschaft, Gattungskritik, Erzählstruktur, Palimpsest, Zamonien, Paratextualität, Menippeische Satire, Rezeptionsästhetik.
Die Arbeit untersucht die intertextuellen Beziehungen zwischen Gottfried Kellers Novelle „Spiegel, das Kätzchen“ und Walter Moers’ Roman „Der Schrecksenmeister“.
Im Mittelpunkt stehen die Anwendung von Intertextualitätstheorien, die Analyse von Handlungs- und Figurenkonstellationen sowie die paratextuelle Inszenierung des Autors.
Ziel ist es, die intertextuellen Spuren zwischen den Texten offenzulegen und deren Bedeutung für das Verständnis von Autorschaft und postmoderner Literatur zu bestimmen.
Es wird ein textimmanenter Ansatz verfolgt, der Theorien von Genette, Pfister/Broich und Bloom zur Analyse von Intertextualität und hypertextuellen Verfahren nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Intertextualitätstheorien und eine detaillierte vergleichende Analyse der beiden Romane, unter anderem bezüglich Handlung, Figuren, Motivik und Paratexten.
Zentrale Begriffe sind Intertextualität, Postmoderne, Autorschaft, Paratextualität, Menippeische Satire und Palimpsest-Struktur.
Moers nutzt Kellers Werk als intertextuelle Folie, die er jedoch durch „Zamonisierung“, Erweiterungen und Überbietungsästhetik in ein eigenes, komplexes erzählerisches System einbettet.
Die paratextuelle Ebene, wie Klappentexte und Nachworte, spielt eine entscheidende Rolle, indem sie ein verwirrendes Spiel zwischen fiktiven Autoren, Übersetzern und dem realen Autor Walter Moers inszeniert, um Fragen nach Originalität zu provozieren.
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