Masterarbeit, 2018
56 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Themenbegründung
1.2. Zur Fragestellung
1.3. Forschungsstand
1.4. Methodische Vorgehensweise
2. Ovids Ikarus - Grundlage späterer Variationen
3. Die Rezeptionsgeschichte im Überblick
3.1. Zum Deutungsspielraum des Ikarus-Mythos in der Frühen Neuzeit
3.2. Populäre Deutungsvarianten des Ikarus-Mythos in der Neuzeit
4. Analyse und Interpretation ausgewählter Gedichte
4.1. Hochmut kommt vor dem Fall - Hybris als zentrales Motiv
4.2. Ambiguität als zentrale Kategorie
4.3. Sarkasmus für die „Gottgleichen“
4.4. Der Sturz in die Höhe - Paradoxierung des Mythos in der deutschen Dichtung der Gegenwart
4.5. Kritik am politischen System
4.6. Ikarus im politischen Dilemma
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Ikarus-Mythos in der deutschsprachigen Lyrik von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart, um die vielfältigen Deutungsmuster und die Anpassungsfähigkeit des Motivs an unterschiedliche historische und politische Kontexte zu analysieren.
Hochmut kommt vor dem Fall - Hybris als zentrales Motiv
Johann Georg Schoch verfasst 1652 während seines Studiums der Rechtswissenschaften das Gedicht „Der übel-geflügelte Ikarus“, das er mit einem Holzstich unbekannter Herkunft emblematisch verknüpft.
Es lehnt sich in Bezug auf den strukturellen Aufbau an die französische Renaissancemetrik und ihre Hauptversmaße an. Schoch geht relativ eindeutig auf das Motiv des Hochmuts - also die sogenannte „Hybris“ ein. Damit schließt er sich den im Mittelalter und zu Beginn der Frühen Neuzeit vorherrschenden Rezeptionsmustern an. Er fokussiert einen eher klassischen Gedanken. Dieser spiegelt sich auch im strukturellen Aufbau des Gedichtes wieder. Es wirkt regelmäßig und klar aufgebaut. Der Paarreim wird verwendet und über das gesamte Gedicht beibehalten.
Die Verse bestehen in Anlehnung an das Reimschema aus 13 bzw. 12 Silben und wechseln wie die männlichen und weiblichen Kadenzen reimweise. Die Verse sind dreihebig. Das Gedicht ist somit ein Alexandriner, das im Gegensatz zum in der Renaissance üblichen „gemeinen Vers“ als „gewichtiger“ beschrieben werden kann.
Schoch gibt eine klare moralische Empfehlung: Hüte dich vor dem Hochmut, denn er wird dein Untergang sein. Interessant ist, dass der Sprecher dem Leser eine klare Aussage liefert, die wenig Interpretation erfordert. Auch lenkt er die Aufmerksamkeit des Lesers in eine bestimmte Richtung, wenn er in Vers zwei sagt, dass er nicht wisse, was der Grund für die Inhaftierung der beiden Protagonisten sei. Dies stellt eine Trivialisierung des Grundes für die Inhaftierung dar.
Der Sprecher identifiziert den Baumeister des Labyrinths, in dem sich die beiden Figuren befinden, als Dädalus (Vers 1). Dieser erfährt im gesamten Gedicht keine Kritik sondern wird „Meister“ (Vers 1) oder „der alte“ (Vers 9) genannt.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, Begründung der Themenwahl und Darlegung der wissenschaftlichen Fragestellung.
2. Ovids Ikarus - Grundlage späterer Variationen: Analyse der antiken Wurzeln bei Ovid als Ausgangspunkt für die Rezeptionsgeschichte.
3. Die Rezeptionsgeschichte im Überblick: Darstellung der Entwicklung und der verschiedenen Deutungsschwerpunkte des Mythos von der Frühen Neuzeit bis zur Moderne.
4. Analyse und Interpretation ausgewählter Gedichte: Detaillierte literaturwissenschaftliche Untersuchung spezifischer Gedichte unter Anwendung der zuvor definierten Analyse-Kategorien.
5. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Reflexion über die anhaltende Aktualität und Ambiguität des Ikarus-Mythos.
Ikarus-Mythos, Dädalus, Rezeptionsgeschichte, Lyrik, Frühe Neuzeit, Hybris, Mythos-Korrektur, Paradoxierung, politische Lyrik, literarische Tradition, Ambivalenz, Deutungsmuster, Motivgeschichte, Identifikation, literarische Analyse
Die Arbeit analysiert die literarische Rezeption des Ikarus-Mythos in der deutschsprachigen Lyrik über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten.
Zentral sind der Wandel der Deutungsmuster, der Einfluss politischer Systeme auf die Interpretation sowie die Identifikation von Autoren mit der mythologischen Figur.
Das Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit und die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Ikarus-Mythos durch eine chronologische und motivorientierte Analyse offen zu legen.
Die Arbeit kombiniert einen chronologischen Ansatz mit einer motivorientierten Analyse und der Untersuchung spezifischer poetischer Verfahren wie der „Mythos-Korrektur“.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Übersicht der Rezeptionsgeschichte sowie die konkrete Interpretation von Gedichten, die unterschiedliche Aspekte wie Hochmut, Ambiguität und politische Kritik beleuchten.
Wichtige Begriffe sind Ikarus-Mythos, Hybris, politische Lyrik, Mythos-Korrektur und Rezeptionsgeschichte.
Das Verhältnis wandelt sich: Während in älteren Texten oft das väterliche Vorbild und der Ungehorsam dominieren, rückt in modernen Interpretationen oft die isolierte Figur des Ikarus als tragischer Held oder Symbol für Widerstand in den Fokus.
In der Lyrik der DDR, etwa bei Wolf Biermann oder Peter-Paul Zahl, wird der Ikarus-Mythos häufig politisiert, um Themen wie staatliche Repression, Ausbürgerung oder den Konflikt zwischen individuellem Freiheitsdrang und gesellschaftlicher Konformität zu verarbeiten.
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