Masterarbeit, 2019
105 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zum theoretischen Rahmen
3. Zum begrifflichen Rahmen
3.1. Zum Umgang mit dem Begriff »Gewalt«
3.2. Zum Umgang mit dem Begriff »Häusliche Gewalt«
4. Zu den themenimmanenten Diskursen und Kontroversen
5. Zur »Kultur der Zweigeschlechtlichkeit«
5.1. „Wann ist ein Mann ein Mann?“
5.2. „Girls, it used to be said, were made of sugar and spice“
6. Umgang mit und Wahrnehmung von häuslicher Gewalt gegen Männer
6.1. Ein Blick auf den Wissenschaftsbetrieb
6.2. Ein Blick auf die (europäische) Politik
6.3. „Opfer von Gewalt – seien es Frauen, Männer oder Kinder – brauchen Schutz.“
6.3.1. Ein Blick auf die Polizei
6.3.2. Ein Blick auf die Zufluchtsorte
7. Fazit und Implikationen für eine Revolution
Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer kritisch feministischen Perspektive, welche Faktoren das Sozialkonstrukt der Wahrnehmung von sowie den Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Beziehungen beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Diskurse dazu beitragen, männliche Gewaltopfer unsichtbar zu machen oder deren Erfahrungen zu verharmlosen, und welche Implikationen sich daraus für eine gleichberechtigte Gewaltprävention ergeben.
3.1. Zum Umgang mit dem Begriff »Gewalt«
Aller scheinbaren Offensichtlichkeit zum Trotz ist Gewalt ein problematisch unscharfer Begriff mit einer „beträchtliche[n] Spannweite an Definitionen“ (Heitmeyer & Hagen 2002: 15), über welche je nach (Forschungs-)Interesse und dem zugrunde gelegten professionsbedingten Blickwinkel Uneinigkeit besteht (Schweikert 2011a) und die Gefahr laufen, inflationär verwendet zu werden (Heitmeyer & Hagen 2002). Dieses Fehlen eines einheitlichen Gewaltbegriffes erklärt Godenzi (1994) damit, dass Gewalt in erster Linie politisch definiert wird: „Wer welche Handlung, welches Ereignis, welche Institution als gewalttätig definiert, hängt entscheidend vom sozialen Ort der evaluierenden Person ab. Gewaltdefinitionen sind Werturteile“ (Godenzi 1994: 34). Was Gewalt und wer gewalttätig ist, wird (teil-, sub-)kulturell definiert. Dies setzt mehr oder minder geteilte Orientierungsrahmen und Deutungsmuster voraus (Lamnek et al. 2013). Die einzige Gemeinsamkeit innerhalb der vielfältigen Formen der Gewalt sieht Scherr (2004: 204) darin, „dass sie zur Verletzung der physischen und psychischen Integrität der Person führt“.
Gerade für die gesellschaftliche und politische Wahrnehmung von häuslicher Gewalt gegen Männer ist eine solche Schadensdefinition insofern schwierig, als dass Jungnitz et al. (2007) zwei Mechanismen aufdecken, die insbesondere der Verletzungsoffenheit von Männern im Wege stehen: Durch den Mechanismus der »Normalität« werden Gewalthandlungen als etwas natürliches bzw. unvermeidbares verstanden und dadurch verharmlost (z.B. psychische, strukturelle Gewalt). Der Mechanismus der »Scham« und der »Nicht-Männlichkeit« greift umso stärker, je mehr die Gewalthandlungen den Intimbereich verletzen, Männer in eine Position extremer Machtlosigkeit oder in die Unterlegenheit gegenüber einer Frau bringen (z.B. physische und sexuelle Gewalt).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Relevanz häuslicher Gewalt, die historisch bedingte Fokussierung der Forschung auf weibliche Opfer und das daraus resultierende Wissensgefälle bezüglich männlicher Gewaltbetroffenheit.
2. Zum theoretischen Rahmen: Dieses Kapitel verortet das Thema im Bereich der Cultural Studies und versteht häusliche Gewalt als soziales Konstrukt, das durch dynamische Zuschreibungsprozesse in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft stetig produziert wird.
3. Zum begrifflichen Rahmen: Hier werden zentrale Definitionen wie "Gewalt" und "häusliche Gewalt" kritisch hinterfragt, wobei die Problematik der Opfer-Täter-Dichotomie und die Notwendigkeit einer differenzierten Begriffsverwendung diskutiert werden.
4. Zu den themenimmanenten Diskursen und Kontroversen: Das Kapitel identifiziert gesellschaftliche Diskurse, die um die Definitionshoheit bei häuslicher Gewalt konkurrieren und maßgeblich beeinflussen, wer als Opfer oder Täter wahrgenommen wird.
5. Zur »Kultur der Zweigeschlechtlichkeit«: Die Analyse konzentriert sich auf die Auswirkungen binärer Geschlechterrollenbilder und Männlichkeitskonzepte, die eine Anerkennung männlicher Opfererfahrungen erschweren.
6. Umgang mit und Wahrnehmung von häuslicher Gewalt gegen Männer: In diesem Hauptteil wird der konfliktreiche Umgang von Wissenschaft, Politik, Polizei und Hilfseinrichtungen mit dem Thema untersucht und auf Defizite in der Unterstützung für männliche Opfer hingewiesen.
7. Fazit und Implikationen für eine Revolution: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Abkehr von einseitigen Diskursen hin zu einer differenzierten, wissenschaftlich fundierten Debatte, die allen Geschlechtern gerecht wird.
Häusliche Gewalt, Männliche Opfer, Gewalt gegen Männer, Geschlechterrolle, Hegemoniale Männlichkeit, Viktimisierung, Sozialkonstruktivismus, Geschlechterdichotomie, Gewaltschutzgesetz, Täter-Opfer-Dynamik, Interdisziplinäre Forschung, Gewaltprävention, Identität, Soziale Kontrolle, Machtverhältnisse.
Die Arbeit befasst sich mit der Wahrnehmung von und dem Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Beziehungen und analysiert dabei die gesellschaftlichen Mechanismen, die zu einer Marginalisierung männlicher Opfer führen.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung von Gewalt als soziales Konstrukt, die Rolle von Geschlechterstereotypen, die Analyse wissenschaftlicher und politischer Diskurse sowie die Situation der Hilfsangebote für betroffene Männer.
Ziel der Arbeit ist es, die Faktoren aufzudecken, die Einfluss auf das Sozialkonstrukt der Wahrnehmung von häuslicher Gewalt gegen Männer haben, um so eine gesellschaftliche Sensibilisierung anzuregen und die Sichtbarkeit männlicher Opfer zu erhöhen.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Literaturarbeit, die Ansätze der Kriminologie, Soziologie, Genderforschung und Viktimologie unter der Perspektive des Sozialkonstruktivismus und der Cultural Studies vereint.
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Diskurse um Gewalt, die "Kultur der Zweigeschlechtlichkeit", die Herausforderungen im Wissenschaftsbetrieb sowie die Rolle von Politik und Polizei bei der Bearbeitung des Themas.
Zentrale Begriffe sind u.a. häusliche Gewalt gegen Männer, hegemoniale Männlichkeit, Viktimisierung, Gewaltprävention, Geschlechterdichotomie und das Konzept des sozialen Konstrukts.
Dies ist laut Arbeit ein Ergebnis der "Kultur der Zweigeschlechtlichkeit" und traditioneller Männlichkeitsbilder, die einen Mann als "stark" und "durchsetzungsfähig" definieren, weshalb Opferschaft und Mannsein als unvereinbare Gegensätze erscheinen.
Die Polizei fungiert als wichtige Kontrollinstanz, ist jedoch selbst durch tradierte Geschlechterrollen und die "Cop Culture" geprägt, was die Anerkennung männlicher Opfer erschweren kann, da Beamte Frauen oft nicht primär als Täterinnen wahrnehmen.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Angebot für gewaltwiderfahrene Männer in Deutschland lückenhaft und undurchsichtig ist, da staatliche Hilfsstrukturen historisch bedingt stark auf weibliche Opfer ausgerichtet sind.
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