Diplomarbeit, 2003
128 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1. Motivation
1.2. Ziel der Arbeit
1.3. Literaturübersicht
1.4. Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1. Die Sprachkontaktforschung
2.2. Bilinguismus
2.3. Diglossie
2.3.1. Soziolinguistische Ansätze
2.3.1.1. Nordamerikanischer Ansatz - die Domäne
2.3.1.2. Katalanischer und okzitanischer Ansatz
2.3.1.3. Ethnolinguistischer Ansatz
2.3.2. Sozialpsychologische Perspektive
2.3.2.1. Die Attitüde
2.3.2.2. Das Stereotyp
2.3.2.3. Die Identität
2.4. Modelle zur Spracherhaltung und -umstellung
2.4.1. Sprachökologische Variablen
2.4.2. Ethnolinguistische Vitalität
2.5. Der Begriff: Minderheit
2.5.1. Staatssprachen, Dialekte und Minderheitensprachen
2.5.2. sprachlich-kulturelle Minderheit, Nationalität und Nation
2.5.3. Vier fundamentale Kriterien für Minderheiten
3 Charakterisierung der allgemeinen Situation in den Untersuchungsgebieten
3.1. Dialektale Gliederung
3.1.1. Elsass
3.1.2. Ost-Lothringen
3.2. Historische Grundlagen
3.2.1. Getrennte Wege bis zur Einverleibung durch Frankreich
3.2.1.1. Elsass: Die Zeit bis zum Anschluss an Frankreich
3.2.1.2. Elsass: Die Zeit bis zur Französischen Revolution (1648 – 1789)
3.2.1.3. Lothringen: Die Zeit bis zum Anschluss an Frankreich
3.2.1.4. Lothringen: Die Zeit bis zur Französischen Revolution (1735 – 1789)
3.2.2. Von der Französischen Revolution bis zum Anschluss ans deutsche Reich (1789 – 1870)
3.2.3. Die Zeit beim Deutschen Reich (1870 – 1918)
3.2.4. Die Zwischenkriegszeit (1918 – 1939)
3.2.5. Der 2. Weltkrieg (1940 – 1945)
3.2.6. Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg
4 Wissenschaftliche Argumentation
4.1. Methodische Vorgehensweise
4.2. Forschungsfrage und Hypothesen
5 Elsass
5.1. Ethnolinguistische Indikatoren
5.1.1. Status
5.1.2. Demographie
5.1.3. Institutionelle Stützung
5.1.3.1. der offizielle Bereich
5.1.3.2. die Kirche
5.1.3.3. die Medien
5.1.3.4. die Schule
5.1.3.5. Vereine zur Förderung der Regionalsprache und -kultur
5.2. Funktionale Verteilung
5.2.1. Domäne Familie und Freundeskreis
5.2.2. Domäne Öffentlichkeit
5.2.3. Domäne Arbeitsplatz
5.2.4. Domäne Schule
5.2.5. Domäne Mediengebrauch
5.3. Einstellungen zur Minderheitensprache und ihrer Sprecher
5.3.1. Bedeutungen des Elsässischen
5.3.2. Sprecherattitüden
5.3.3. Der Dialekt im Individualbereich
5.3.4. Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Situation
6 Ost-Lothringen
6.1. Ethnolinguistische Indikatoren
6.1.1. Status
6.1.2. Demographie
6.1.3. Institutionelle Stützung
6.1.3.1. der offizielle Bereich
6.1.3.2. die Kirche
6.1.3.3. die Medien
6.1.3.4. die Schule
6.1.3.5. Vereine zur Förderung der Regionalsprache und -kultur
6.2. Funktionale Verteilung
6.2.1. Domäne Familie und Freundeskreis
6.2.2. Domäne Öffentlichkeit
6.2.3. Domäne Arbeitsplatz
6.2.4. Domäne Schule
6.2.5. Domäne Mediengebrauch
6.3. Einstellungen zur Minderheitensprache und ihrer Sprecher
6.3.1. Bedeutungen des Lothringer Platts
6.3.2. Sprecherattitüden
6.3.3. Der Dialekt im Individualbereich
6.3.4. Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Situation
Beantwortung der Forschungsfrage – Vergleich der Regionen
7.1. Hypothese 1 – Ethnolinguistische Vitalität
7.2. Hypothese 2 – Funktionale Verteilung
7.3. Hypothese 3 – Stereotype und Attitüden
7.4. abschließende Überlegungen
8 Résumé et conclusion
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, eine vergleichende Analyse der aktuellen Sprachsituation der sprachlichen Minderheiten im Elsass und im germanophonen Lothringen durchzuführen. Ausgehend von der historischen Entwicklung wird untersucht, wie sich die Minderheitensprachen in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen halten und wie sie von den Sprechern bewertet werden, um so auf die zukünftige Vitalität und mögliche Spracherhaltungsprozesse schließen zu können.
2.3. Diglossie
Diglossie ist das griechische Gegenstück zum lateinischen Bilinguismus und bedeutet daher ebenfalls Zweisprachigkeit. Der Begriff wurde zum ersten Mal von Emmanuil Roidis und Jean Psichari verwendet, um die Sprachsituation in Griechenland, wo die schriftlich gebrauchte Form Katharevusa der gesprochenen Dimotiki gegenübersteht, zu beschreiben. 1928 definiert Psichari Diglossie auf folgende Weise: „La diglossie porte sur le système grammatical tout entier. Il y a deux façons de décliner, deux façons de conjuguer, deux façons de prononcer ; en un mot, il y a deux langues, la langue parlée et la langue écrite, comme qui dirait l’arabe vulgaire et l’arabe littéral.“
Wirklich bekannt wird der Begriff jedoch erst nach seiner Wiederaufnahme durch Charles Ferguson in seinem Aufsatz Diglossia aus dem Jahre 1959. Er sieht darin eine relativ stabile Sprachsituation, in der sich eine High-Variety und eine Low-Variety ein und derselben Sprache gegenüberstehen. Während die H-Varietät auf formalem Wege erlernt wird, hohes Prestige genießt und die geschriebene Variante darstellt, wird die L-Varietät, die meist rein mündlich existiert und somit nicht kodifiziert ist, auf natürliche Weise erlernt. Weiters ist Ferguson der Ansicht, dass der Gebrauch der H-Varietät und L-Varietät nicht willkürlich erfolgt, sondern, dass die beiden Varianten nach ihren Funktionen, d.h. auf die verschiedenen Kommunikationsbereiche, komplementär verteilt sind; meist eine Varietät für den öffentlichen und eine für den informellen Bereich.
1 Einleitung: Diese Einleitung motiviert die Themenwahl und legt das Forschungsziel sowie den Aufbau der Diplomarbeit dar.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen soziolinguistischen und sozialpsychologischen Begriffe wie Bilinguismus, Diglossie, Identität und Stereotype, um den theoretischen Rahmen für die Untersuchung zu bilden.
3 Charakterisierung der allgemeinen Situation in den Untersuchungsgebieten: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die dialektale Gliederung und die historische Entwicklung der beiden Regionen.
4 Wissenschaftliche Argumentation: Hier werden die methodische Vorgehensweise sowie die spezifischen Forschungsfragen und Hypothesen definiert.
5 Elsass: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Untersuchung der ethnolinguistischen Vitalität, funktionalen Verteilung und Sprechereinstellungen im Elsass.
6 Ost-Lothringen: Dies ist die entsprechende Untersuchung für den germanophonen Teil Lothringens, die sich auf die gleichen Indikatoren wie bei der Elsass-Analyse stützt.
Beantwortung der Forschungsfrage – Vergleich der Regionen: Hier werden die gewonnenen Ergebnisse gegeneinander abgewogen und die aufgestellten Hypothesen verifiziert bzw. falsifiziert.
8 Résumé et conclusion: Eine zusammenfassende Schlussbetrachtung der Ergebnisse in französischer Sprache.
Elsass, Lothringen, Minderheitensprache, Dialekt, Bilinguismus, Diglossie, Sprachkontakt, Sprachwechsel, Ethnolinguistische Vitalität, Identität, Stereotyp, Sozialpsychologie, Sprachpolitik, Regionalbewusstsein, Sprachgebrauch
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der aktuellen Situation der sprachlichen Minderheiten im Elsass und im germanophonen Teil Lothringens.
Die Themenfelder umfassen Sprachkontaktforschung, Soziolinguistik, ethnolinguistische Vitalität, funktionale Verteilung von Dialekten sowie Einstellungen und Stereotype der betroffenen Sprecher.
Das Ziel ist es herauszufinden, ob und wie sich der Stand der Regionalsprachen in beiden Gebieten unterscheidet und welche historischen und sozialen Entwicklungen zu diesen Unterschieden geführt haben.
Die Arbeit stützt sich auf eine domänenorientierte Analyse vorhandener Studien, die durch ethnolinguistische Indikatoren sowie sozialpsychologische Aspekte wie Attitüden und Identitätsfindung ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, einen historischen Überblick, die detaillierte Analyse der ethnolinguistischen Situation im Elsass und in Ost-Lothringen sowie den direkten Vergleich der Ergebnisse.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Minderheitensprache, Diglossie, Bilinguismus, Elsass, Lothringen und Sprachwechsel charakterisiert.
Lothringen bildet kein eigenes Verwaltungsgebiet und besitzt kein germanophones Zentrum (wie Straßburg), was die institutionelle Stützung und die politische Wahrnehmung der Sprache erschwert.
Die Schule wird als Hauptfaktor für die Verdrängung der Dialekte angesehen, da lange Zeit ausschließlich Französisch als Unterrichtssprache galt und Dialekte teils sanktioniert wurden.
Die Autorin ist vorsichtig optimistisch, betont jedoch, dass das Überleben von einem Umdenken der Bevölkerung abhängt, da eine Sprache nur durch aktive Nutzung in allen Lebensbereichen und Weitergabe an die nächste Generation erhalten bleiben kann.
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