Bachelorarbeit, 2020
48 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Klassische Strukturen eines Detektivromans
2.1 Erzählmuster
2.2 Der Richter und sein Henker
2.3 Das Figurentableau
3. True Crime – von Robert-François Damien zu Steven Avery
4. Das Podcast Phänomen
4.1 Hören versus Lesen
4.2 Bestimmung der Gattung Podcast
5. Der Fall Amelie
5.1 Narrative Strukturen
5.2 Sabine Rückert als zentrale Ermittlungsinstanz
5.3 Die Rolle der Schriftlichkeit
6. Fazit
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Literarisierung von Kriminalfällen durch das Medium Podcast zu untersuchen. Dabei wird analysiert, inwieweit das True-Crime-Format „Zeit-Verbrechen“ strukturelle und inhaltliche Merkmale eines klassischen Detektivromans aufweist, indem der Roman „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt als Vergleichsfolie dient.
2. Klassische Strukturen eines Detektivromans
Um Dürrenmatts Kriminalroman Der Richter und sein Henker also nun im Folgenden als Vergleichsinstanz für die Literarisierung von Realverbrechen anzulegen, ist es unverzichtbar, den Roman vorerst selbst einer Gattung zuordnen. Andreas Blödorn definiert die Kriminalliteratur wie folgt:
Kriminelle, d.h. von […] Normen und Ergebnissen abweichende und Werteideologien ablehnende Ereignisse werden dabei im Modus narrativ strukturierter, mithin zeitlich-sequentiell organisierter Ereignisfolgen präsentiert, die einen individual oder gesellschaftlich-relevanten, mit ‚Ordnung‘ korrelierten Zustand vom gesetzten ‚Anfang‘ (Ausgangssituation), über eine Mitte (die mit Kriminalität/Verbrechen korrelierte Transformation) hin zu ihrem vorläufigen ‚Ende‘ verfolgen (der mit der wahlweise poetisch, moralisch, juristisch und strafrechtlich relevanten – Wiedereinsetzung der ‚Ordnung‘ verbundenen Endsituation).
Im Laufe der vorliegenden Arbeit wird die Formulierung ‚narrativ strukturiert‘ noch über Dürrenmatts Werk hinaus von Interesse sein, vorerst wird der Fokus jedoch auf der Reflexion der Gattung Kriminalliteratur im Allgemeinen liegen.
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, kriminalliterarische Strukturen im Podcast „Zeit-Verbrechen“ anhand von Dürrenmatts Roman „Der Richter und sein Henker“ aufzuzeigen.
2. Klassische Strukturen eines Detektivromans: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kriminalliteratur und das Drei-Komponenten-Modell nach Schulz-Buschhaus zur Analyse von Detektivromanen erläutert.
2.1 Erzählmuster: Dieses Kapitel identifiziert die stilistischen Mittel und die Bedeutung der Erzählinstanz für die Struktur und Authentizität eines Detektivromans.
2.2 Der Richter und sein Henker: Es wird die Entstehungsgeschichte von Dürrenmatts Roman beleuchtet und wie der Autor durch Dekonstruktion des klassischen Schemas Distanz zum Genre schafft.
2.3 Das Figurentableau: Das Kapitel untersucht die spezifischen Rollenbesetzungen und die Abweichungen der Figuren von den klassischen Erwartungen im Detektivroman.
3. True Crime – von Robert-François Damien zu Steven Avery: Eine geschichtliche Einordnung des True-Crime-Genres von historischen Fallgeschichten bis hin zu modernen Dokumentationen.
4. Das Podcast Phänomen: Dieses Kapitel definiert das Medium Podcast als hybride Gattung und beleuchtet dessen rasante Entwicklung und Popularität.
4.1 Hören versus Lesen: Es wird der Vorwurf entkräftet, dass auditiv wahrgenommene Literatur weniger Konzentration erfordere als gelesene Texte.
4.2 Bestimmung der Gattung Podcast: Das Kapitel grenzt den Podcast von technisch verwandten Gattungen wie dem Hörspiel und dem Hörbuch ab.
5. Der Fall Amelie: Hier beginnt die konkrete Analyse des Podcasts „Zeit-Verbrechen“ und die inhaltliche Parallele zu Dürrenmatts Roman wird eingeführt.
5.1 Narrative Strukturen: Eine Untersuchung der Erzählweise im Podcast und wie die Stimmen der Protagonisten die Geschichte über die Semantik hinaus formen.
5.2 Sabine Rückert als zentrale Ermittlungsinstanz: Dieses Kapitel fokussiert auf die Rolle von Sabine Rückert als moderne Detektivfigur im „Fall Amelie“.
5.3 Die Rolle der Schriftlichkeit: Die Analyse zeigt auf, wie schriftliche Dokumente wie Tagebücher und Briefe das auditive Medium des Podcasts ergänzen und literarisieren.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Literarisierung des „Falls Amelie“ durch die Anwendung klassischer Kriminalroman-Strukturen auf das Medium Podcast weitgehend gelungen ist.
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Die Arbeit untersucht die Literarisierung realer Kriminalfälle im Medium Podcast, speziell am Beispiel des Formats „Zeit-Verbrechen“.
Die Untersuchung behandelt die gattungstheoretische Abgrenzung von Podcasts, die Theorie der Kriminalliteratur sowie die narrativen Unterschiede zwischen Hören und Lesen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwieweit ein True-Crime-Podcast wie ein klassischer Detektivroman strukturiert ist und literarisches Potenzial besitzt.
Die Autorin nutzt einen strukturvergleichenden Ansatz, bei dem Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ als formale Schablone auf die Podcast-Episoden angewandt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Gattungsanalyse, die Untersuchung medienspezifischer Erzählstrukturen und die detaillierte Auswertung des „Falls Amelie“.
Kritische Begriffe sind unter anderem True Crime, Detektivroman, Narrativität, Literarisierung und die spezifische mediale Konstellation von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Im Gegensatz zum skurrilen Hans Bärlach definiert sich Rückert primär über ihre fachliche Kompetenz und die unermüdliche Recherchearbeit in einem realen Kontext.
Schriftliche Quellen wie Tagebücher, Akten und Briefe werden im Podcast zitiert und von den Moderatoren vorgelesen, was die Geschichte um eine auditive Simulation erweitert.
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