Masterarbeit, 2020
94 Seiten
I Einleitung
1. Zum Begriff des Salafismus und Wahhabismus
2. Fragestellung und Aufbau der Arbeit
3. Forschungsstand und Quellenlage
II. Ibn Bāz – Werdegang und Ideologie
1. Biografie
2. Vom Lehrer bis zum Großmufti
3. Ibn Bāz als Vorsitzender des konstituieren Rates der islamischen Weltliga
4. Der Einfluss von Ibn Bāz in Saudi-Arabien
III. Die Lehrbücher
1. Bildung und Erziehung der Schüler
2. Die Massenmedien
3. Die Frau im Islam
4. Die Christianisierung und Missionierung (al-Mubaširun wa al-Tanṣīrun)
IV. Das salafistische Gedankengut Ibn Bāz‘
1. Einfluss von Ibn Bāz auf salafistische Ansichten in der Glaubenslehre (ʿaqīda)
2. Einfluss des Ibn Bāzs auf die Rechtswissenschaft (fiqh)
3. Ibn Bāz` Einfluss auf die Ḥadiṭen
V. Ibn Bāz als geistiger Vater der salafistischen Szene in Deutschland
1. Allgemeine Rezeption Ibn Bāz‘ in Deutschland
2. Einfluss von Ibn Bāz auf die Fatwa-Erteilung
3. Ibn Baz als Referenzperson des deutschen Predigers Pierre Vogel (Abū Ḥamza)
V. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das Leben, das Wirken und den ideologischen Einfluss des wahhabitischen Gelehrten Ibn Bāz auf den Salafismus in Deutschland. Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie seine religiösen Lehren und Fatwā-Interpretationen durch moderne Medienkanäle Eingang in deutsche salafistische Diskurse fanden und dort als zentrale Referenzpunkte dienen.
1. Biografie
ʿAbd al-ʿAzīz Ibn ʿAbdullāh Ibn ʿAbdulr-Raḥmān Ibn Muḥammad Ibn ʿAbdullāh Āl Bāz, bekannt als Ibn Bāz, wurde 1912 in einem kleinen Ort südlich von der Stadt Naǧd geboren. Dort wuchs er in einem religiös geprägten Elternhaus auf. Zu dieser Zeit war al-Riyād das Zentrum der wahhabitischen Gelehrten und ebenso der religiösen Ausbildung. Viele Gelehrte kamen nach al-Riyād, wo sie vom Königshaus finanzielle Unterstützung bekamen, um über verschiedene Themen wie Fiqh,ʿaqīda,Tafsīr,Ḥadīṯ und Farāʾīḍ, zu lehren, sich auszutauschen und zu unterrichten.
Ibn Bāz verlor seinen Vater früh, im Alter von drei Jahren. Seine Mutter hat in seinem Leben eine sehr wichtige Rolle gespielt. Sie hat ihn immer unterstützt, besonders, als er, aufgrund einer Krankheit, langsam sein Augenlicht verlor. Sein Sehvermögen begann sich im Alter von 16 Jahren zu verschlechtern bis er im Alter von 20 Jahren gänzlich erblindet war. Seine Mutter starb, als er erst 25 oder 26 Jahre alt war. Die meisten seiner Verwandten waren als Richter, Lehrer, Bauern, Handwerker und Händler tätig. Ibn Bāz arbeitete als Verkäufer mit seinem Bruder, um die Familie zu unterstützen, begann aber bald damit, sich immer mehr auf seine wissenschaftlichen Studien zu konzentrieren.
Ibn Bāz hat in seiner Pubertätszeit den Koran auswendig gelernt und sich den Ehrentitel eines Ḥāfiẓ erworben. Ein der Nachwelt unbekannter Mann stellte Ibn Bāz einmal die Frage: “Wir haben davon gehört, dass du nicht lesen und schreiben kannst? “ Ibn Bāz erwiderte und verneinte seine Frage mit der Antwort:“ Ich kann lesen und schreiben, ich habe es gelernt, bevor ich mein Augenlicht verlor und ich habe einige Bücher kommentiert.“ Ibn Bāz fuhr im Streben nach Wissen fort und empfing die verschiedensten Lehren der Šarīʿa von einer Anzahl Gelehrter. Zu den Berühmtesten gehörten: Āl al-Šayḫ: Muḥammad Ibn ʿAbdullaṭīf Ibn ʿAbdulrraḥmān Āl aš-Šayḫ, aṣ-Ṣāliḥ Ibn ʿAbdul ʿAziz Ibn Ḥassān Āl aš-Šayḫ, und Saʿad Ibn Ḥamad IbnʿAtiq, von ihm lernte Ibn Bāz die taǧwīd (Koranrezitation).
I Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Salafismus und Wahhabismus ein, erläutert die Bedeutung von Ibn Bāz als religiöse Leitfigur und stellt die Forschungsfrage sowie methodische Grundlagen der Arbeit dar.
II. Ibn Bāz – Werdegang und Ideologie: Dieses Kapitel zeichnet die Biografie von Ibn Bāz nach, von seiner Ausbildung bis zu seiner einflussreichen Rolle als Großmufti und Vorsitzender der islamischen Weltliga in Saudi-Arabien.
III. Die Lehrbücher: Hier werden die Inhalte der für das wahhabitische Curriculum zentralen Lehrbücher analysiert, wobei besonders Themen wie Erziehung, Medien, Frauenbild und Missionierung (Daʿwa) im Vordergrund stehen.
IV. Das salafistische Gedankengut Ibn Bāz‘: Das Kapitel untersucht den Einfluss von Ibn Bāz auf zentrale dogmatische Bereiche wie die Glaubenslehre (ʿaqīda), das islamische Recht (fiqh) und die Hadith-Wissenschaften.
V. Ibn Bāz als geistiger Vater der salafistischen Szene in Deutschland: Hier wird analysiert, wie das wahhabitische Gedankengut über das Internet und soziale Netzwerke in Deutschland verbreitet wurde und welche Rolle dabei prominente Prediger wie Pierre Vogel einnehmen.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Ibn Bāz als zentralen Ideengeber für die heutige salafistische Szene, wobei die fortwährende Bedeutung seiner Fatwā-Interpretationen betont wird.
Ibn Bāz, Salafismus, Wahhabismus, Saudi-Arabien, Glaubenslehre, ʿAqīda, Fatwā, Daʿwa, Pierre Vogel, Rechtswissenschaft, Scharia, Radikalisierung, Internet, Islamismus, Monotheismus.
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken des saudischen Großmuftis Ibn Bāz und dessen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des zeitgenössischen Salafismus, insbesondere mit Blick auf die Verbreitung dieser Ideologie in Deutschland.
Zu den Schwerpunkten gehören der Werdegang Ibn Bāz‘, seine ideologische Ausrichtung im Wahhabismus, die Analyse seiner Schriften und Fatwās sowie deren instrumentelle Nutzung durch die salafistische Szene in Deutschland.
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen der wahhabitischen Lehre Ibn Bāz‘ und der modernen salafistischen Szene in Deutschland aufzuzeigen und zu verstehen, warum seine Werke trotz seines Todes weiterhin eine zentrale Autoritätsquelle darstellen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse von Primärquellen, darunter die schriftlichen Werke Ibn Bāz‘, seine Videos und Audiodateien, sowie ergänzende Sekundärquellen aus der Islamwissenschaft und dem Verfassungsschutz.
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Aufarbeitung, die detaillierte Analyse der salafistischen Glaubensinhalte und Lehrmeinungen sowie die Untersuchung der praktischen Anwendung dieses Gedankenguts durch deutsche Akteure wie Pierre Vogel.
Die wichtigsten Begriffe sind Salafismus, Wahhabismus, Ibn Bāz, Fatwā, Daʿwa, ʿAqīda, Scharia und Radikalisierung.
Während Ibn Bāz in Saudi-Arabien staatlich als etablierte religiöse Autorität im konservativen Staatsgefüge agierte, fungieren seine Schriften in der deutschen salafistischen Szene eher als radikalisierende Referenzquelle für oppositionelle und puristische Strömungen.
Medien wie das Internet, Facebook und YouTube fungieren als zentrale Kanäle, über die Ibn Bāz‘ Fatwās in verschiedene Sprachen übersetzt und passgenau an junge Muslime in der Diaspora vermittelt werden, wodurch seine Ideologie auch Jahre nach seinem Tod hochaktuell bleibt.
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