Examensarbeit, 2008
202 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. ERWARTUNGEN AN DEN INTEGRATIVEN UNTERRICHT
3. FORMEN SCHULISCHER INTEGRATION
3.1 Integrationsklassen
3.2 Regelklassen mit sonderpädagogischer Unterstützung
3.3 Kooperationsklassen
4. DIDAKTISCHE KONZEPTE
4.1 Feuser: Kooperation am gemeinsamen Gegenstand
4.2 Wocken: Theorie der gemeinsamen Lernsituationen
4.3 Unterrichtspraktische Relevanz der Konzepte von Feuser und Wocken
5. MERKMALE INTEGRATIVER GRUNDSCHULDIDAKTIK
5.1 Individualisierung des Unterrichts
5.1.1 Das Spannungsfeld zwischen Gleichheit und Differenz
5.1.2 Gefahr der Vereinzelung
5.2 Differenzierung
5.2.1 Innere und äußere Differenzierung
5.2.2 Umsetzung im Unterricht
5.3 Pädagogische Diagnostik
5.3.1 Mögliche Problembereiche
5.3.2 Erforderliche Kompetenzen
5.4 Förderplanung und sukzessive Lernbegleitung
6. OFFENER UNTERRICHT ALS UMSETZUNGSMÖGLICHKEIT
6.1 Merkmale des offenen Unterrichts
6.1.1 Die Metaanalyse von Jürgens (2004)
6.1.2 Spezielle Konsequenzen für das Lehrerhandeln
6.2 Formen Offenen Unterrichts
6.2.1 Wochenplanarbeit
6.2.2 Projektarbeit
6.3 Lehrerbefragungen zur Umsetzung offenen Unterrichts
7. EMPIRISCHE BEFUNDE AUS DER FACHLITERATUR
7.1 Persönliche Ebene
7.2 Schulstrukturelle Ebene
7.3 Schweregrad der Behinderung
7.4 Didaktische Ebene
8. EIGENE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
8.1 Methode der Interviewdurchführung und Auswertung
8.2 Diskussion
8.2.1 Aussagen zur Zufriedenheit mit dem integrativen Unterricht
8.2.2 Aussagen zu Merkmalen integrativer Grundschuldidaktik
8.2.2.1 Individualisierung und Differenzierung (vgl. Kap. 5.1/ 5.2)
8.2.2.2 Diagnostik und Förderplanung (vgl. Kap. 5.3/ 5.4)
8.2.3 Aussagen zum offenen Unterricht als Umsetzungsmöglichkeit
8.2.3.1 Unterrichtspraktische Umsetzung (vgl. Kap. 6.3)
8.2.3.2 Wochenplan- und Projektarbeit (vgl. Kap. 6.2)
8.2.3.3 Anforderungen an das Lehrerhandeln (vgl. Kap. 4/ 5/ 6)
8.2.3.4 Schwierigkeiten (vgl. Kap. 6.2)
8.2.4 Aussagen zu den Rahmenbedingungen
8.2.4.1 Klassenzusammensetzung
8.2.4.2 Personelle Besetzung
8.2.4.3 Räumliche und sächliche Ausstattung
9. SCHLUSS
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen integrativen Unterrichts in der Grundschule, wobei ein besonderer Fokus auf der Perspektive der Lehrkräfte liegt. Es wird kritisch hinterfragt, wie Lehrpersonen integrative Konzepte im Berufsalltag umsetzen können, ohne an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen, und inwieweit theoretische Forderungen mit der schulischen Praxis übereinstimmen.
4.1 Feuser: Kooperation am gemeinsamen Gegenstand
Georg Feuser hat Pionierarbeit geleistet mit seinem Versuch, bisherige Didaktiken qualitativ zu verbessern und sie durch die Einbeziehung der psychologischen Tätigkeitstheorie auf integrative Unterrichtssituationen zuzuschneiden (vgl. Werning/Lütje-Klose 2006, S. 128). Folgendes Zitat verdeutlicht nicht nur, was Integration für ihn bedeutet, sondern enthält auch einige wesentliche Begriffe seiner Didaktik, die in den folgenden Abschnitten genauer zu erläutern sein werden:
„Als integrativ bezeichne ich eine Allgemeine (kindzentrierte und basale) Pädagogik, in der alle Kinder und Schüler in Kooperation miteinander auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau nach Maßgabe ihrer momentanen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskompetenzen in Orientierung auf die „nächste Zone der Entwicklung“ an und mit einem „gemeinsamen Gegenstand“ spielen, lernen und arbeiten“ (Feuser 1995, S. 168).
Feuser bezeichnet das von ihm entwickelte Konzept als „Entwicklungslogische Didaktik“. Grundlage seiner Ausführungen ist die Erkenntnis, dass sich Entwicklung nicht zufällig vollzieht, sondern einer bestimmten Systematik folgt, die für alle Schüler – unabhängig von Beeinträchtigungen – auf unterschiedlichem Niveau gleichermaßen gilt und von der Lehrkraft durch gezielte didaktische Maßnahmen optimal zu unterstützen ist. Den theoretischen Hintergrund seines Entwurfs bilden das Konzept der Entwicklungszonen (Leontew/Piaget/Spitz/Vygotskij) und die entwicklungspsychologische Tätigkeitstheorie (Galperin) (vgl. Feuser 2002, S. 177). Daraus leitet er Implikationen für das Lehrerhandeln und den integrativen Unterricht ab: Der Lehrer sollte das Wissen zur genauen Sach-, Tätigkeits- und Handlungsstruktur einer Aufgabe haben und dementsprechend den aktuellen Entwicklungsstand eines Schülers diagnostizieren sowie die Zone der nächsten Entwicklung vorwegnehmen können, um den Schüler auf seinem individuellen Niveau durch die gezielte Auswahl individuell angepasster Lernangebote „im Sinne der didaktischen Analyse“ (Feuser 2002, S. 177) optimal zu fördern.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die historische Entwicklung des integrativen Unterrichts und formuliert die Forschungsfrage, die sich mit den Möglichkeiten, Grenzen und der Lehrerperspektive befasst.
2. ERWARTUNGEN AN DEN INTEGRATIVEN UNTERRICHT: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Ziele des gemeinsamen Unterrichts, insbesondere soziales Lernen, Toleranzaufbau sowie die bestmögliche individuelle Förderung.
3. FORMEN SCHULISCHER INTEGRATION: Es werden verschiedene schulische Organisationsformen wie Integrationsklassen, Regelklassen mit Unterstützung und Kooperationsklassen vorgestellt.
4. DIDAKTISCHE KONZEPTE: Das Kapitel stellt die didaktischen Ansätze von Feuser (Kooperation am Gegenstand) und Wocken (gemeinsame Lernsituationen) gegenüber und prüft deren praktische Relevanz.
5. MERKMALE INTEGRATIVER GRUNDSCHULDIDAKTIK: Hier werden die zentralen Prinzipien Individualisierung, Differenzierung und Diagnostik sowie die Förderplanung als didaktisches Fundament detailliert besprochen.
6. OFFENER UNTERRICHT ALS UMSETZUNGSMÖGLICHKEIT: Das Kapitel untersucht offene Unterrichtsformen (Wochenplan, Projektarbeit) als Werkzeuge zur praktischen Realisierung der zuvor definierten didaktischen Prinzipien.
7. EMPIRISCHE BEFUNDE AUS DER FACHLITERATUR: Es werden Ergebnisse bestehender Studien zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung aus Sicht der Lehrkräfte zusammengefasst.
8. EIGENE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Dieser Teil präsentiert die Ergebnisse der eigenen Befragung von Lehrkräften und diskutiert diese im Hinblick auf Zufriedenheit, Didaktik und Rahmenbedingungen.
9. SCHLUSS: Die Arbeit schließt mit einem Fazit, das die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung sowie die Notwendigkeit besserer Rahmenbedingungen betont.
Integrativer Unterricht, Lehrerperspektive, Grundschuldidaktik, Gemeinsamer Unterricht, Individualisierung, Differenzierung, Förderdiagnostik, Offener Unterricht, Wochenplanarbeit, Projektunterricht, Lehrerhandeln, Inklusion, Schulpraxis, Empirische Untersuchung.
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen des integrativen Unterrichts, wobei der Fokus gezielt auf der subjektiven Perspektive der unterrichtenden Lehrer liegt.
Die Schwerpunkte liegen auf didaktischen Konzepten, der unterrichtspraktischen Umsetzung von Differenzierungsprinzipien und den tatsächlichen Bedingungen im Schulalltag.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen didaktischen Anforderungen an integrativen Unterricht und der realen Unterrichtspraxis aufzudecken.
Neben einer theoretischen Aufarbeitung der Fachliteratur führt die Verfasserin eigene empirische Untersuchungen mittels halbstrukturierter Leitfadeninterviews mit Lehrkräften durch.
Der Hauptteil befasst sich mit didaktischen Modellen (Feuser/Wocken), zentralen Merkmalen wie Individualisierung und Differenzierung sowie deren Umsetzung durch offene Unterrichtsformen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Integrativer Unterricht, Individualisierung, Differenzierung, Förderdiagnostik, Offener Unterricht und Lehrerperspektive.
Die befragten Lehrkräfte und die Literatur betonen, dass eine starre Fixierung auf einen gemeinsamen Gegenstand in der Praxis oft an Grenzen stößt, da die Leistungsspanne in heterogenen Gruppen sehr weit auseinandergeht.
Obwohl theoretisch umstritten, erachten die befragten Lehrkräfte äußere Differenzierung als notwendig, um den unterschiedlichen Lernniveaus und dem Lautstärkepegel in der Klasse gerecht zu werden.
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