Masterarbeit, 2021
111 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Forschungsanliegen und Forschungsfragen
3 Das Phänomen Scham aus sozialtheoretischer Perspektive
3.1 Eine Begriffsbestimmung
3.2 Nähe und Abgrenzung zu anderen Gefühlen
3.3 Formen und Funktionen von Scham
3.3.1 Schamauslöser
3.3.2 Schamanlässe und Beschämungsarten/-techniken
3.3.3 Schamabwehr und -folgen
3.4 Scham und Beschämung im Kontext von Schule und Unterricht
4 Die adressierungsanalytische Untersuchung
4.1 Darstellung und Begründung der Methodenwahl
4.2 Analyseschritte
4.3 Das Korpus
4.4 Die Datenerhebung
4.5 Sequenzielle Analyse zu Adressierungen und Positionierungen
4.5.1 Szene 01: Konjugieren
4.5.2 Szene 02: Einwohner Argentiniens
5 Diskussion der Ergebnisse
6 Ausblick und Reflexion
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Scham- und Beschämungssituationen im schulischen Kontext. Das zentrale Forschungsanliegen ist es zu analysieren, wie unterrichtliche Ordnungen durch Adressierungsprozesse zwischen Lehrkräften und Schüler*innen (re-)konstituiert werden und welche Funktion Beschämung in diesem Machtgefüge einnimmt.
3.1 Eine Begriffsbestimmung
Eine terminologische Unterscheidung der Begriffe Scham und Beschämung ist unerlässlich. Obwohl einige Autoren diese synonym verwenden (unter anderem Wurmser 2017 oder Lewis 1999), wird darauf hingewiesen, dass mit Beschämung andere Aspekte gemeint sind als mit Scham. Scham ist eher „ein Gefühl (‚ich schäme mich‘), während Beschämung eine Handlung ist (‚ich beschäme jemanden‘)“ (Hell 2018: 59). Scham ist somit eine reflexive Emotion, in der ein Selbstbezug deutlich wird im Gegensatz zur Beschämung (‚ich werde beschämt‘). Die beschämte Person ist ein „passives Opfer der Umstände“ (ebd.: 60). Es ist aber auch möglich, sich selbst zu beschämen. Dann sieht die Person sich selbst eher als Objekt und mit dem Blick von außen. Der Psychologe und Psychiater Daniel Hell apostrophiert, dass die beschämte Person sich jedoch selbst als Subjekt erlebt und sich nicht mehr so erkennt wie sie es gerne möchte.
„Kein anderes Gefühl wirft einen Menschen so unausweichlich und so unangenehm auf sich selbst zurück wie das Schamgefühl. Wer sich schämt, kann sich selbst nicht entfliehen“ (ebd.).
Die Mitmenschen in der Umgebung können etwas erfahren, was die beschämte Person lieber verstecken möchte oder generell ablehnt. Daraus kann die Befürchtung resultieren, dass die relevanten Anderen einen nicht mehr akzeptieren aufgrund von Schamreaktionen (vgl. ebd.).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Scham im schulischen Alltag ein, untermauert deren Relevanz durch erziehungswissenschaftliche Literatur und leitet die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise ab.
2 Forschungsanliegen und Forschungsfragen: Basierend auf einem Fallbeispiel aus der Schulpraxis werden die zentralen Forschungsfragen zur Konstituierung von Ordnung und zur Entstehung von Beschämung im Unterricht formuliert.
3 Das Phänomen Scham aus sozialtheoretischer Perspektive: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung, differenziert Scham von verwandten Affekten wie Schuld und Peinlichkeit, kategorisiert Schamauslöser und beleuchtet Abwehrmechanismen sowie deren pädagogische Relevanz.
4 Die adressierungsanalytische Untersuchung: Hier wird die Methodik der Adressierungsanalyse detailliert dargelegt und auf die Analyse von Filmszenen aus "Die Klasse" angewandt, um Unterrichtsinteraktionen zu rekonstruieren.
5 Diskussion der Ergebnisse: Die Analysebefunde werden gebündelt, auf die theoretischen Annahmen bezogen und im Hinblick auf die Konstituierung unterrichtlicher Macht- und Ordnungsgefüge kritisch diskutiert.
6 Ausblick und Reflexion: Zum Abschluss erfolgt eine methodische Reflexion über die Arbeit mit fiktionalem Material und ein Ausblick auf notwendige schamsensible Ansätze in der Lehrer*innenbildung.
Scham, Beschämung, Adressierungsanalyse, Subjektivation, Machtverhältnisse, Unterricht, Schüler*innen-Lehrer*innen-Beziehung, soziale Ordnung, Emotionen, Fehlerkultur, Anerkennung, psychologische Entwicklung, Schamabwehr, Machtdynamiken, pädagogisches Handeln.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Schamsituationen in schulischen Interaktionsprozessen und analysiert, wie diese durch gezielte Adressierungen entstehen und zur Reproduktion von Machtverhältnissen im Unterricht beitragen.
Zu den Kernbereichen gehören die sozialtheoretische Einordnung von Scham, die Analyse von Beschämungstechniken, die Untersuchung von Machtstrukturen im Klassenzimmer sowie der Umgang mit Differenz und Anerkennung in pädagogischen Settings.
Ziel ist es, eine Sensibilität für schamgenerierende Situationen in der Schule zu schaffen und durch eine rekonstruktive Adressierungsanalyse aufzuzeigen, wie Lehrer*innen und Schüler*innen durch ihre Interaktion Ordnungen (re-)konstituieren.
Die Arbeit nutzt die Methode der Adressierungsanalyse, basierend auf poststrukturalistischen Ansätzen von Foucault und Butler, um fiktionale Unterrichtsszenen aus dem Film „Die Klasse“ methodisch auszuwerten.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Schamfamilie und Abwehrmechanismen erläutert, bevor diese Erkenntnisse mittels einer detaillierten sequenziellen Analyse auf zwei konkrete Filmszenen angewendet werden.
Zentrale Begriffe sind Adressierung, Subjektivation, Beschämungspotenzial, Machtasymmetrie und schamsensible Pädagogik.
Die Filmanalyse ermöglicht es, Mikroprozesse der Interaktion sichtbar zu machen, in denen der Lehrer durch verbale und gestische Adressierungen die Kompetenzen von Schüler*innen bewertet und diese als Wissende oder Unwissende positioniert.
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine defizitorientierte Fehlerkultur, in der Mängel öffentlich markiert werden, Beschämungspotenziale erhöht und Schüler*innen in die Position der Unterlegenheit drängt, was den Lernprozess nachhaltig blockieren kann.
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