Masterarbeit, 2022
66 Seiten, Note: 1.7
Didaktik für das Fach Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Amtssprache
2.2 Sprachliche Vielfalt
2.3 Regionalsprache – Minderheitensprache
2.4 Regionalsprache – Dialekt
2.5 Sprachpolitik - Sprachenpolitik - Bildungspolitik
3 Historische Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich seit 1789
3.1 Die Französische Revolution
3.2 Jules Ferrys Bildungsgesetz 1882
3.3 Die Loi Deixonne 1951
3.4 Die französische Verfassung
3.5 Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
4 Aktuelle Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich
4.1 Der Code de l’éducation
4.2 Die Loi Molac 2021
5 Das regionalsprachliche Unterrichtsangebot in der Bretagne und Grand-Est
5.1 Unterricht der Regionalsprache Bretonisch
5.2 Bilingualer und immersiver Unterricht in der Bretagne
5.3 Unterricht der deutschen Sprache im Elsass
5.4 Bilingualer und immersiver Unterricht im Elsass und Moselle
6 Reaktionsbild beteiligter Akteur*innen rund um die Loi Molac
6.1 Politiker*innen
6.2 Vereinsschulen
6.3 Regionalbevölkerung
7 Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Situation von Regionalsprachen im französischen Bildungssystem vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Auseinandersetzungen um die Loi Molac. Das Hauptziel besteht darin, die quantitative Präsenz regionalsprachlichen Unterrichts in zwei ausgewählten Regionen (Bretagne und Grand-Est) zu erfassen und das gesellschaftliche Reaktionsbild auf die Entscheidung des Conseil Constitutionnel zur Verfassungswidrigkeit des immersiven Unterrichts detailliert darzustellen.
3.2 Jules Ferrys Bildungsgesetz 1882
Nachdem die Etablierung der französischen Sprache in der Schule während der Revolution gescheitert war, konnte sie schließlich im 19. Jahrhundert realisiert werden. Der Ministerpräsident Jules Ferry führte in den Jahren 1881/1882 die allgemeine Schulpflicht ein und integrierte damit das Monopol des Französischen in der Schule und damit in der Gesellschaft.
Ferry etablierte ein laizistisches, kostenloses sowie verpflichtendes Schulsystem, welches von der Vorschule bis zur Hochschule reichte. Ziel dieses Schulsystems war die Vermittlung bzw. Beherrschung des Französischen. Dies führte zu einer konsequenten Ausgrenzung der Regionalsprachen und Dialekte im Unterricht sowie in den privaten Konversationen der Schüler*innen auf dem Schulgelände.
Anfänglich mussten die Lehrer*innen vereinzelt andere Sprachen als das Französische verwenden und lehren, um von ihren Schüler*innen, welche häufig kein Wort Französisch beherrschten, verstanden zu werden. Besonders Schüler*innen, welche als Primärsprache eine Regionalsprache wie beispielsweise Bretonisch oder Baskisch hatten, waren im Gegensatz zu den Schüler*innen mit Französisch als Muttersprache im Nachteil.
Die systematische Ausgrenzung der Regionalsprachen und Dialekte begann bereits an den Wänden der Klassenräume. Die Schulräume der Bretagne wurden beispielsweise mit der Inschrift Interdit de cracher sur terre et de parler breton plakatiert. Dadurch wurde das Sprechen der bretonischen Regionalsprache mit schlechten Manieren gleichgesetzt. Zudem wurden Schüler*innen, welche beim Gebrauch eines patois erwischt wurden, bestraft. Die Strafe war, dass sie ein signe um den Hals tragen mussten, welches sie als Sprecher*in der Mundart bloßstellte. Diesen Gegenstand konnten sie nur loswerden, indem sie andere Schüler*innen bei dem Gebrauch einer Regionalsprache oder eines Dialektes erwischten und verrieten. Diese radikale Maßnahme führte vor allem dazu, dass den regionalsprachlichen Schüler*innen ihre Muttersprachen ausgetrieben wurden. Sie wurde bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges fortgeführt.
1 Einleitung: Einführung in die Problematik anhand der „Affaire Fañch“ und Definition der Forschungsziele bezüglich der Loi Molac.
2 Definitionen: Begriffliche Abgrenzung von Schlüsseltermini wie Amtssprache, Regionalsprache, Dialekt sowie sprach- und bildungspolitischen Feldern.
3 Historische Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich seit 1789: Überblick über die historische Entwicklung von der Französischen Revolution bis zur Europäischen Charta und deren Auswirkungen auf Regionalsprachen.
4 Aktuelle Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich: Analyse des Bildungsgesetzbuchs und des Gesetzgebungsverfahrens sowie der gerichtlichen Entscheidung zur Loi Molac.
5 Das regionalsprachliche Unterrichtsangebot in der Bretagne und Grand-Est: Empirische Darstellung der schulsprachlichen Situation, differenziert nach Unterrichtsformen und Regionen.
6 Reaktionsbild beteiligter Akteur*innen rund um die Loi Molac: Untersuchung der gesellschaftlichen und politischen Reaktionen von Politik, Vereinen und Bevölkerung auf das Urteil des Verfassungsgerichts.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Zukunft der Mehrsprachigkeit in Frankreich.
Regionalsprachen, Frankreich, Loi Molac, Sprachpolitik, Bildungspolitik, Conseil Constitutionnel, Immersion, Bilingualer Unterricht, Bretagne, Elsass, Sprachliche Vielfalt, Sprachwahrung, Minderheitensprachen, Jakobinismus, Identität.
Die Arbeit analysiert die Stellung und Förderung von Regionalsprachen im zentralistischen französischen Bildungssystem sowie die politischen Kontroversen, die durch den Gesetzesentwurf der Loi Molac und dessen gerichtliche Ablehnung entstanden sind.
Das Ziel ist die quantitative Darstellung des regionalsprachlichen Unterrichts in der Bretagne und dem Elsass sowie die Analyse des Reaktionsbildes verschiedener Akteure auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Region Bretagne, aufgrund der bretonischen Sprache, und die Region Grand-Est, aufgrund des Deutschunterrichts im Elsass.
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Auswertungen von Bildungsstatistiken, offiziellen Gesetzesentwürfen, Berichten und einer breiten Analyse von Pressemitteilungen sowie politischen Stellungnahmen basiert.
Die Themen umfassen historische sprachpolitische Einflüsse, die aktuelle Rechtslage durch den „Code de l’éducation“, verschiedene Formen des bilingualen und immersiven Unterrichts sowie die öffentliche Debatte über sprachliche Identität und staatliche Einheit.
Zu den zentralen Begriffen zählen: Regionalsprachen, Loi Molac, Sprachpolitik, Immersion, Bildungssystem und kulturelle Identität.
Das Gericht fungiert als Gegenspieler zur sprachlichen Vielfalt, da es durch seine Entscheidungen den immersiven Unterricht als verfassungswidrig einstuft und somit die staatliche Einheit (jakobinische Tradition) über die Förderung regionaler Sprachen stellt.
Der Begriff dient als Kritik an einer zentralistischen Sprachpolitik, die keine Abweichungen vom Französischen duldet und somit als Unterdrückung regionaler kultureller Identitäten wahrgenommen wird.
Es stellte einen Teilsieg für Befürworter des immersiven Unterrichts dar, da es diesen an öffentlichen Schulen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichte, auch wenn eine umfassende verfassungsrechtliche Änderung weiterhin aussteht.
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