Diplomarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1,3
1. Das Problem Schulabsentismus und seine Erscheinungsformen
1.1. Schulverweigerung und Schulversagen als aktuelles politisches und wirtschaftliches Problem
1.2. Formen von Schulverweigerung und unterrichtsmeidenden Verhaltensmustern
1.2.1. Schulabsentismus
1.2.2. Schulschwänzen
1.2.3. Schulphobie und Schulangst
1.2.4. Zurückhalten
1.2.5. Unterrichtsabsentismus
1.2.6. Unterrichtsverweigerung
1.2.7. „passive“ und „aktive“ Schulverweigerung
1.2.8. Vom schulmeidenden Verhaltensmuster zum Dropout
2. Individuelle, soziale und strukturelle/ schulische Bedingungsfaktoren bzw. Erklärungsansätze
2.1. Individuelle Faktoren
2.1.1. Alter/ Geschlecht
2.1.2. Schul- und Leistungsangst
2.1.3. Schulphobie
2.1.4. Schulangst
2.2. Soziale Faktoren
2.2.1. Die Familie
2.2.2. Einstellung/ Erziehungsverhalten der Eltern
2.2.3. Peer-Group
2.2.4. Schulverweigerung als abweichendes Verhalten
2.3. Schulische und strukturelle Faktoren
2.3.1. Schul- und Klassenklima
2.3.2. Lehrer
2.3.2.1. Die Lehrerpersönlichkeit
2.3.2.2. Das Lehrerverhalten
2.3.2.3. Die Erwartung des Lehrers und sein Urteil
2.3.3. Vom Rausschmeißen und Ausschließen
3. Interventionsmöglichkeiten zur Reduktion/Vermeidung von Schulabsentismus und Dropout bzw. zum Wiedereinstieg in systematisches Lernen
3.1. Die Feldtheorie Kurt Lewins
3.2. Das Netzwerk „Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung“ des DJI
3.2.1. Angebote früher Prävention an Schulen
3.2.1.1. Hauptschule „Heuchelhof“ in Würzburg
3.2.2. Innerschulische Förderung abschlussgefährdeter Jugendlicher
3.2.2.1. Das Projekt „Arbeit statt Strafe“ in Leipzig
3.2.3. Außerschulische Beschulungsangebote sogenannter nicht beschulbarer „harter“ Schulverweigerer
3.2.3.1. Das Projekt MOVE aus Berlin
3.3. Elternarbeit
3.3.1. Kooperation von Lehrkräften und Eltern
3.3.2. Empowerment-Konzepte bei Schulabsentismus
4. Zusammenfassende Betrachtung
Diese Arbeit befasst sich mit dem komplexen Phänomen der Schulverweigerung. Ziel ist es, die vielfältigen Erscheinungsformen wissenschaftlich einzuordnen, die individuellen, sozialen und schulischen Ursachenfaktoren zu analysieren und wirksame Interventions- sowie Präventionsstrategien darzulegen, um gefährdeten Jugendlichen den Wiedereinstieg in einen geregelten Bildungsprozess zu ermöglichen.
1.2.1 Schulabsentismus
Der Begriff des Schulabsentismus (engl.: school absenteeism) als klassifikatorische Kategorie umfasst Schülerinnen und Schüler, die sich während der Unterrichtszeit in alternativen Räumen aufhalten, die schulfern sind. Dies bedeutet demnach die physische Abwesenheit aus dem schulischen Wirkbereich. Hinsichtlich der Bedingungskonstellationen für Schulabsentismus lassen sich drei Formen unterscheiden.
1. Das Schulschwänzen, welches von Schulunlust und Schulaversion geprägt ist.
2. Die angstinduzierte Schulverweigerung.
3. Das Zurückhalten von Schülern durch Erwachsene.
Diese drei Konstellationen können in Rein- aber auch als Mischform dem Schulabsentismus zu Grunde liegen. Als zentrales Merkmal bei den meisten Schülern mit habituellem Schulabsentismus ist eine schulaversive Haltung, d.h. eine im subjektiven Erleben tiefe Ablehnung von schulischen Settings zu nennen. Langeweile im Unterricht, Probleme mit Mitschülern und/oder Lehrern, der Wunsch, mit Personen zusammen sein zu wollen, die ebenfalls nicht in der Schule sind, werden in Interviews mit schulaversiven Jugendlichen als häufige Gründe genannt. Die Schule hat für diese Schüler ihre Attraktivität verloren und bietet ihnen keine ausreichenden Möglichkeiten zur positiven Identifikation. Distanz scheint die einzige motivationale Verhaltenstendenz in Bezug auf Schule zu sein. (Vgl. RICKING/SCHULZE/WITTROCK, 2009)
Sind diese Schüler trotz ihrer Einstellung in der Schule, stehen sie schulischen Anforderungen gleichgültig oder ablehnend gegenüber und bringen dies auch auf der Verhaltensebene durch Verweigerungs- und Störverhalten zum Ausdruck. Dieses Verhalten zieht wiederum konfliktreiche Interaktionen mit Mitschülern und Lehrern nach sich und hat nicht selten Schulstrafen bzw. -ausschlüsse zur Folge.
1. Das Problem Schulabsentismus und seine Erscheinungsformen: Dieses Kapitel definiert den weiten Kontext des Schulabsentismus und unterteilt das Phänomen in verschiedene, wissenschaftlich relevante Subkategorien. Es klärt die unterschiedlichen Begrifflichkeiten und ihre fließenden Übergänge.
2. Individuelle, soziale und strukturelle/ schulische Bedingungsfaktoren bzw. Erklärungsansätze: Hier werden die vielfältigen Einflussfaktoren auf das Entstehen von Schulverweigerung analysiert, wobei psychologische, familiale und institutionelle Komponenten sowie lehrerspezifische Aspekte beleuchtet werden.
3. Interventionsmöglichkeiten zur Reduktion/Vermeidung von Schulabsentismus und Dropout bzw. zum Wiedereinstieg in systematisches Lernen: Das Kapitel stellt theoriebasierte Ansätze und praktische Projektbeispiele vor, die darauf abzielen, Schulmüdigkeit zu mindern und gefährdeten Jugendlichen durch psychosoziale und pädagogische Unterstützung eine Rückkehr in den Bildungsprozess zu ermöglichen.
4. Zusammenfassende Betrachtung: Abschließend werden die Ergebnisse reflektiert und die Notwendigkeit von Bildungsreformen sowie einer verbesserten Lehrerausbildung betont, um dem Phänomen nachhaltig auf institutioneller Ebene zu begegnen.
Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulschwänzen, Dropout, Unterrichtsverweigerung, Schulangst, Inklusion, Prävention, Intervention, Jugendsozialarbeit, Schulklima, Lehrerverhalten, Empowerment, Schulpflicht, Bildungsbenachteiligung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Schulverweigerung, analysiert deren komplexe Ursachen und diskutiert pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
Schwerpunkte sind die Definition der Erscheinungsformen, der Einfluss von familiärem und schulischem Umfeld, die Rolle der Lehrkraft sowie strategische Konzepte zur Rückintegration.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen von Schulabsentismus zu schaffen und aufzuzeigen, wie Jugendliche durch gezielte, individualisierte Maßnahmen erfolgreich wieder in das Bildungssystem integriert werden können.
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse und bezieht sich auf empirische Studien, um Zusammenhänge zwischen individuellen, sozialen und schulischen Faktoren theoretisch und praxisnah zu begründen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Bedingungsfaktoren – von Alter und Geschlecht über Familiendynamiken bis hin zum Lehrerverhalten – und stellt konkrete Praxisprojekte wie "MOVE" oder die Arbeit an der Hauptschule Heuchelhof vor.
Wichtige Fachbegriffe sind "Schulabsentismus", "Schulverweigerer", "Förderstrategien", "Empowerment", "Feldtheorie" sowie das "Übergangssystem".
Die Arbeit betont, dass der Führungsstil, die emotionale Kompetenz und die fachliche Erwartungshaltung der Lehrkräfte das Lernklima massiv beeinflussen und somit maßgeblich darüber mitentscheiden können, ob ein Schüler eine Verweigerungshaltung entwickelt.
Sie erkennt deren hohe Bedeutung für die individuelle Förderung an, weist jedoch darauf hin, dass diese prozessintensiven Maßnahmen bei gleichzeitig hohem Kostenaufwand einer umfassenden schulischen Strukturveränderung bedürfen, um gesamtgesellschaftlich nachhaltig zu wirken.
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