Examensarbeit, 2009
124 Seiten, Note: 1,5
Vorwort
Einleitung
I Gewalt und Aggression an Schulen
1 Begriffsbestimmungen
1.1 Der Gewaltbegriff aus Sicht der Etymologie
1.2 Gewalt und Aggression– was ist das eigentlich?
2 Formen der Gewalt nach Hurrelmann und Bründel
2.1 Individuelle Gewalt
2.2 Institutionelle Gewalt
3 Theorien der Gewaltentstehung und ihre Bedeutung für die Schule
3.1 Psychologische Theorien
3.1.1 Die Trieb- und Instinkttheorien
3.1.2 Die Emotionstheorien/Frustrationstheorie
3.1.3 Die Lerntheorie
3.2 Soziologische Theorien
3.2.1 Die Konflikt- und Spannungstheorien/Anomietheorie
3.2.2 Die Definitionstheorien/Etikettierungstheorie
3.2.3 Die sozialen Kontrolltheorien/Individualisierungstheorie
3.3 Zusammenfassung der Theorien
3.4 Familie – Ort der ersten Sozialisation und Gewalterfahrung
3.5 Gesellschaft und Gewaltentstehung bei Kindern und Jugendlichen
3.6 Medien und ihr Einfluss auf Gewaltentstehung
4 Schule als Verursacher und Austragungsort von Gewalt
4.1 Selektionscharakter der Schule
4.2 Fehlende Zukunftschancen der Schüler
4.3 Angst vor Schulversagen
4.4 Lehrerverhalten
4.5 Zusammenfassung
5 Charakteristika von Tätern und Opfern
5.1 Gewalttäter
5.1.1 Exkurs: Freiheit und Determinismus
5.2 Gewaltopfer
6 Schulische Strategien der Gewaltprävention
II Die Streitschlichtung
1 Allgemeines zur Streitschlichtung
2 Vom Konflikt zur Streitschlichtung
2.1 Welche Konfliktarten gibt es?
2.2 Konfliktverläufe
2.3 Konfliktausgänge
3 Das Streitschlichtungsprinzip im Überblick
4 Prinzipien der Streitschlichtung
4.1 Vermittlung durch ausgebildete Schlichter
4.2 Neutralität und Vertraulichkeit
4.3 Freiwilligkeit und Motivierung zur Schlichtung
4.4 Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung der Konfliktparteien
4.5 Einhaltung der Regeln
4.6 Akzeptanz und Anerkennung
5 Phasen einer Streitschlichtung
5.1 Phase I: Die Schlichtung einleiten
5.2 Phase II: Sachverhalt klären
5.3 Phase III: Erhellen des Konfliktes
5.4 Phase IV: Lösungen suchen und finden
5.5 Phase V: Der Vertragsabschluss
6 Grundtechniken der Streitschlichtung
6.1 Aktives Zuhören
6.2 Paraphrasieren
6.3 Ich- Botschaften formulieren
6.4 Lösungssuche mit Hilfe des Brainstorming
6.5 Getrennte Einzelgespräche
7 Ein Fallbeispiel
7.1 Fallbeschreibung
7.2 Das Schlichtungsgespräch
7.3 Fazit
8 Ziele und Grenzen der Streitschlichtung in der Schule
8.1 Ziele
8.2 Grenzen
III Streitschlichtung und Online-Befragung an der Realschule XYZ
1 Die Realschule XYZ
2 Einführung bzw. Wiederaufnahme des Streitschlichterprogrammes
3 Die Streitschlichter an der RS XYZ
3.1 Die Organisation des Streitschlichterdienstes
4 Online-Befragung der Schüler
4.1 Die Methode der Online-Befragung
4.2 Erstellung des Onlinefragebogens
5 Ergebnisse und Auswertung der Schüler-Onlinebefragung
5.1 Gewalt durch Worte
5.1.1 Jemanden auslachen
5.1.2 Jemanden beschimpfen
5.1.3 Jemanden beleidigen
5.1.4 Jemandem drohen
5.1.5 Jemanden anbrüllen
5.1.6 Über jemanden lästern
5.1.7 Zusammenfassung erster Frageblock
5.2 Körperliche Gewalt
5.2.1 Jemanden schlagen
5.2.2 Jemanden an der Haaren ziehen
5.2.3 Mit jemandem spielerisch kämpfen
5.2.4 Jemanden treten
5.2.5 Jemanden schubsen
5.2.6 Jemanden kratzen
5.2.7 Jemanden mit einem Gegenstand verletzen
5.2.8 Zusammenfassung zweiter Frageblock
5.3 Gewalt gegen Sachen
5.3.1 Wände bemalen
5.3.2 Tische und Stühle zerkratzen
5.3.3 Fahrräder beschädigen
5.3.4 Pflanzen abreißen
5.3.5 Schulsachen beschädigen
5.3.6 Kleidung anderer beschädigen
5.3.7 Zusammenfassung dritter Frageblock
5.4 Raub und Erpressung
5.4.1 Unter Gewaltandrohung Geld verlangen
5.4.2 Handy eines Mitschülers einstecken
5.4.3 Mitschüler erpressen
5.4.4 Zusammenfassung vierter Frageblock
5.5 Zusammenfassung der Gewaltempfindung
5.6 Zusammenfassungen der Gewalthäufigkeit
5.7 An welchen Orten kannst du Gewalt beobachten?
5.8 Wenn dir Gewalt angetan wird, an wen wendest du dich?
5.9 Wodurch kommt es deiner Meinung nach zu Gewalt?
5.10 Körperliche Gewalt unter Mitschülern, wie reagierst du?
5.11 Verbale Gewalt unter Mitschülern, wie reagierst du?
5.12 Gibt es an deiner Schule Streitschlichter?
5.13 Weißt du, in welchem Raum du die Streitschlichter finden kannst?
5.14 Weißt du, in welcher Zeit die Streitschlichter für euch da sind?
5.15 Kennst du einen Mitschüler, der als Streitschlichter tätig ist?
5.16 Würdest du auch gerne als Streitschlichter tätig sein?
5.17 Hast du die Hilfe der Streitschlichter schon einmal in Anspruch genommen?
5.18 Mit Hilfe der Streitschlichter habe ich meinen Konflikt gelöst
5.19 Würdest du die Hilfe wieder in Anspruch nehmen?
6 Ergebnisse und Auswertung der Streitschlichter-Onlinebefragung
6.1 Gründe dafür, Streitschlichter zu werden
6.2 Hat dir das Streitschlichtertraining gefallen?
6.3 Welche Ausbildungsinhalte waren für dich wichtig?
6.4 Konntest du nach der Streitschlichterausbildung bei dir ein verändertes Streitverhalten feststellen?
6.5 Weswegen haben die Mitschüler dich bereits bei der Streitschlichtung aufgesucht und welche Schwierigkeiten treten dabei auf?
6.6 Die Streitschlichterbefragung im Rückblick
Ausblick und Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht das Phänomen Gewalt an Schulen und analysiert die Implementierung sowie Wirksamkeit von Streitschlichterprogrammen an der Realschule XYZ mittels einer empirischen Online-Befragung von Schülern und Streitschlichtern.
3.4 Familie – Ort der ersten Sozialisation und Gewalterfahrung
Der Mensch wird in einem unfertigen Entwicklungszustand geboren, verfügt aber bereits nach seiner Geburt über relativ reife Sinne, die ihm helfen, eine persönliche Bindung zu Mutter und Vater einzugehen. Diese biologische Bindungstheorie besagt, „[…] dass Mutter und Kind von vornherein durch stammesgeschichtliche Anpassungen aufeinander abgestimmt seien und für die weitere Entwicklung einer Beziehung individualisiert vorbereitet handeln.“
Dabei ist das Kind aber nicht nur Empfänger sozialisierender Reize, sondern zeigt einen deutlichen Drang, mit einer bestimmten Bezugsperson – normalerweise der Mutter – eine persönliche Beziehung einzugehen.
„Entscheidend für die Auswahl der Bezugspersonen sind dabei nicht das Ausmaß an physischer Betreuung, sondern Verhaltensmuster, liebevoller Zuwendung, wie Herzen, Küssen, Ansprechen, zum Dialog Ermuntern und schließlich das gemeinsame Spielen.“
Mit dieser Aussage bringt der renomierte Verhaltensforscher Eibel-Eibesfelfdt ganz deutlich zum Ausdruck, wie wichtig die frühkindliche Sozialisation ist und welche Bedeutung die Familie für die weitere Entwicklung des Kindes hat. Im Bezug auf Gewalt und aggressives Verhalten sieht Melzer in der Familie den hauptverantwortlichen Faktor für die Entwicklung und Ausbildung gewalttätigen Verhaltens des Kindes. Hinsichtlich der Gewalterfahrungen ist nach Schwind die Familie der erste Ort, an dem die meisten Menschen das erste Mal Gewalt erfahren. Laut lerntheoretischem Ansatz übernehmen Kinder Gewaltmuster, verinnerlichen sie und wenden sie ggf. als erfolgreiches Reaktionsmuster an, in der Gewissheit, mögliche Hindernisse damit zu beseitigen.
„Wer Gewalt in der Familie als erfolgreiches Konfliktlösungsmittel kennengelernt hat, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch später anwenden.“
I Gewalt und Aggression an Schulen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Hintergründe von Gewalt, beleuchtet soziologische und psychologische Ursachen und diskutiert die Rolle der Schule sowie der Familie bei der Gewaltentstehung.
II Die Streitschlichtung: Hier werden das Konzept der Streitschlichtung, die zugrunde liegenden Prinzipien, Phasen und Techniken sowie die Ziele und Grenzen des Programms detailliert vorgestellt.
III Streitschlichtung und Online-Befragung an der Realschule XYZ: Dieser empirische Teil wertet eine Online-Umfrage an der Realschule XYZ aus, die Erkenntnisse über Gewaltformen, das Gewaltempfinden der Schüler und die Effektivität des Streitschlichterprogramms liefert.
Gewalt, Aggression, Schule, Streitschlichtung, Mediation, Konfliktbewältigung, Online-Befragung, Sozialisation, Prävention, Schüler, Schulklima, Jugendgewalt, Konflikt, Peer-Mediation, Erziehung.
Die Arbeit analysiert das Thema Gewalt an Schulen, erforscht die Ursachen für aggressives Verhalten und untersucht am praktischen Beispiel der Realschule XYZ, wie das Programm der Streitschlichtung erfolgreich zur Konfliktprävention beitragen kann.
Zu den zentralen Themen gehören psychologische und soziologische Theorien zur Gewaltentstehung, die Rolle der Familie und Medien, schulische Präventionsstrategien sowie die praktische Organisation eines Streitschlichterdienstes.
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse und eine empirische Online-Befragung herauszufinden, wie Gewalt an der Realschule XYZ wahrgenommen wird und inwieweit das Streitschlichterprogramm die Konfliktlösungskompetenz der Schüler fördert.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse und Theorieaufarbeitung wird ein empirischer Ansatz gewählt, bestehend aus einer quantitativen Online-Befragung von Schülern und aktiven Streitschlichtern der Realschule XYZ.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Gewaltforschung, eine detaillierte Erläuterung der Methodik und Phasen der Streitschlichtung sowie die Auswertung der empirischen Daten zur Gewaltempfindung und zum Einsatz der Streitschlichter.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gewaltprävention, Mediation, Sozialkompetenz, Konfliktlösung, Schulklima, Peer-Mediation und empirische Schul-Forschung.
Der Autor zeigt auf, dass viele Schüler verbale Gewalt bagatellisieren, während körperliche Gewalt meist klar als solche erkannt wird. Diese Sensibilisierung ist wichtig, da verbale Gewalt oft die Grundlage für spätere physische Übergriffe bildet.
Der Autor betont, dass die Familie der erste Ort der Sozialisation ist. Ein machtbetonter Erziehungsstil ohne konsequente Grenzsetzungen und das Vorleben von Gewalt als Konfliktlösungsmittel in der Familie erhöhen laut Theorie das Risiko für späteres aggressives Verhalten des Kindes.
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